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    Karlstadt

    Premiere im Sommertheater: Zu viel Omelett für Hamlet

    Ist das nun ein Happy End - angesichts der vielen Gemeuchelten? Foto: Günter Roth

    Beim Karlstadter Sommertheater im Hofriethgärtlein ist man schon so einiges gewöhnt. Auch diesmal erfüllt die Truppe um Werner Hofmann und Barbara Hubrich alle Erwartungen. Wenn auch das Drehbuch in einigen Phasen durchaus schwächelt, wird das durch die hervorragenden schauspielerischen Leistungen eines jeden einzelnen mehr als wett gemacht. Das Premierenpublikum feierte die erste Vorstellung mit begeistertem Applaus.

    Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage! – Ist das noch sein Werk oder dreht sich der gute William Shakespeare vor Verzweiflung über "Hamlet II" im Grabe um? Allerdings geht die Persiflage Sam Bobricks wirklich sehr respektlos mit dem altehrwürdigen Drama um den tragischen Prinzen von Dänemark um. Im Hofriethgärtchen weiß man jedenfalls bis zur Schlussszene nie so ganz genau, wie dieser Hamlet wirklich gestrickt ist. Ist er wirklich so wankelmütig oder doch durchtrieben, ist er der edle Gutmensch oder hat er doch "eins an der Latte und zu viele Omelette gegessen"?

    Sprachlich oftmals sehr derbe Hau-drauf-Komik

    Interessant sind die Anspielungen auf "Monty Python" in der Vorankündigung. Hier liegt natürlich die Latte bezüglich des großen Shakespeares auf der einen, und der gewissermaßen ebenbürtigen "Monty Python"-Truppe auf der anderen Seite, verdammt hoch. Von der Sprache her und der oftmals sehr derben Hau-drauf-Komik ist das Stück wohl fast näher am Humor des beinahe 500 Jahre alten Originals, als an dem feinen und hintersinnigen Geblödel eines John Gleese und Graham Chapman. Eine köstliche Anleihe aus dem "Leben des Brian" ist die Idee des Pausenverkaufs: Aus Otternasen, Lerchenzungen und Zaunköniglebern werden hier Liebesperlen und Schoko-Kötteln.  

    Vortrefflich sind die regionalen Anspielungen. Der Geist des ermordeten Königs befragt, wie das ist, tot zu sein, antwortet: "Warst du schon mal in Arnstein?". Der Thronräuber Claudius muss den Frauenliteraturclub Wiesenfeld empfangen und an einem "Dinner bei die Schimmere" teilnehmen, während der hibbelige Laertes auf seinen Flixbus nach Paris wartet.

    Ganz klar lebt Hamlet II im Hofriethgärtlein von der schauspielerischen Hingabe des zwölfköpfigen Ensembles, das einschließlich der sehr kurzen Szene mit Kurt Hagedorn als Totengräber bestens besetzt ist. Paraderollen haben natürlich der Zigarre rauchende Geist, der sich durch eine gurkenförmige Warze am Allerwertesten ausweist. Werner Hofmann zieht dafür tatsächlich blank.

    Der Geis (Werner Hofmann) weist sich durch eine Warze am Hintern als der ermordete König aus. Foto: Günter Roth

    Barbara Hubrich zeigt ein Feuerwerk an Gesichtern: Sie ist die Ödipus-geschädigte Mutter, lüsterne Matrone und auch mal das naive Dummchen. Eine tolle Bereicherung ist Manuel Seemann als Thronräuber Claudius mit umwerfender, glaubhafter Leidenschaft im Zorn oder in majestätischer Attitüde rundum zu überzeugen weiß. Umwerfend auch Selina Jäger, die mannstolle Ophelia mit zentral gelegenem Schlafzimmer und hohem Verschleiß an Liebhabern.

    Dazu kommen noch das ewig wuselige, opportunistische Duo Rosenkranz (Claudia Lankes) und Güldenstern (Verena Kimmel) und der Hofstaat mit Frank Heßdörfer als Horatio, Yannik Walk als Oberkämmerer Polonius und der Soldat Francisco (Lorenzo Bayerlein). Allesamt spielen sie ihre Rollen glänzend. Ebenso wie Rainer Kenner, der herrlich tuntig und aufgeregt den Laertes gibt. Verantwortlich für das gruselige Bühnenbild ist Peter Gsell.

    Hamlet als verzogenes Muttersöhnchen

    Thomas Trummer ist Hamlet, das verzogene Muttersöhnchen, das alles bekommt, was es will, aber wohl auch "zu viele Omelette" verzehrt hat und deshalb seelisch nicht so stabil ist. Er will ja eigentlich nur bei Mama im Bett schlafen und ab und zu bei Ophelia. Aber als Prinz von Dänemark muss er auch hochgeistig rezitieren können und so schwankt er ständig zwischen banalem Geschwätz und schwülstigen Floskeln. Daneben soll den Tod seines ermordeten Vaters rächen.

    Geistreich und überzeugend die Monologe Hamlets. Durch Sprache, Auftreten und Mimik stellt Thomas Trummer die widersprüchlichen Charakterzüge seiner Figur gekonnt heraus. Er ist eine Mischung aus trotzigem Kind, das mit dem Fuß aufstampfend und den Worten "Ich hasse ihn, ich hasse ihn, ich hasse ihn!", aus weisem Intellektuellen, der  Rache als niederern Beweggrund erkennt, und aus naivem Tölpel, der insgesamt sechs Mal "Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage" plappert, ohne zu wissen, warum. Aber irgendwie, sagt der Prinz, "scheint es wichtig zu sein."  

    Begeisterter Applaus bei der Premiere

    So wird wohl klar, dass die königliche Rache für den Vater eher so nebenbei, versehentlich erfolgt und ob das versprochene Happy End wirklich eines ist, muss jeder selbst beurteilen. Das Premierenpublikum war trotz der großen Sommerhitze recht zahlreich und spendete am Schluss begeisterten Applaus. 

    Zu sehen ist "Hamlet II" im Hofriethgärtlein noch am Samstag und am Sonntag, sowie von Donnerstag, 1. August, bis Sonntag, 4. August, jeweils um 20 Uhr. Am Montag, 5. August, ist Kubanischer Abend mit "Los 4 del Son" im Hofriethgärtlein.

    Zwischen ernsthaftem Sinnieren und platten Phrasen gibt Thomas Trummer den wankelmütigen Hamlet in der Totenkopfszene. Foto: Günter Roth
    Mannstoll und schwanger tänzelt Ophelia (Selina Jäger) vor dem königlichen Paar herum. Foto: Günter Roth
    Große Gefühle am vermeindlichen Sarg der durchgebrannten Ophelia. Foto: Günter Roth
    Quirlig, unstet und opportunistisch ist das Duo Rosenkranz und Güldenstern. Foto: Günter Roth

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