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    KARLSTADT

    Premierenpublikum bejubelt Neurosenkavalier im Theater Gerbergasse

    Vertrauensbildende Maßnahmen? Äußerst problematisch gestaltet sich eine Gruppentherapie in der Praxis von Prof. Dr. Otto, dem Spielort, an dem beim „Neurosenkavalier”, der Frühlingsproduktion der Theaterbühne Karlstadt, der pure Wahnsinn tobt. Das Premierenfoto zeigt (von links) Volker Eckstein in der Rolle des von einem Elvis-Wahn befallenen Finanzbeamten Jürgen Appelhans, Jutta Waßmann als Claudia Carerra, eine frustrierte Bestseller-Autorin mit Bikini-Tick, sowie Thomas Trummer in der Hauptrolle des „Neurosenkavaliers” Felix Bollmann. Foto: Robert Emsden

    Nach Expertenmeinung ist in Deutschland jeder Dritte „in seinem Seelenhaushalt gestört“ und hat somit eine „Meise“ – oder sonst irgendeinen Vogel. Daher steigt ständig die Nachfrage in der Psychotherapie, wo Psychosen, Neurosen und Depressionen wie Kraken um sich greifen. Und auf dem Jahrmarkt der Therapien in Form von Hypnosen, Urschrei-Behandlungen – oder weiß er Kuckuck was noch alles – wird es immer schwieriger, seriöse Angebote von Scharlatanerie auseinanderzuhalten.

    Volles Haus: Premiere gelungen

    So die reale Grundlage für die höchst unterhaltsame und doch tiefgründige Psycho-Komödie „Der Neurosenkavalier“, die nun unter der Regie von Werner Hofmann im voll besetzten Theater in der Gerbergasse eine gelungene Premiere feierte.

    Dreh- und Angelpunkt in diesem Pfuhl des Wahnsinns ist Felix Bollmann (Thomas Trummer), ein einfallsreiches Schlitzohr mit einem feinen Gespür für seine Mitmenschen. Als gesuchter Warenhausdieb flüchtet er im Kostüm eines Weihnachtsmannes in die Praxis des Psychologen Prof. Dr. Otto, der gerade in San Francisco weilt.

    Da sie ohnehin mit dem baldigen Eintreffen einer fachkundigen Vertretung für den Professor rechnet, sieht das tüttelige „Vorzimmerhuhn“ Fräulein Engel (Stefanie Maselli) in Bollmann kurzerhand den sehnlich erwarteten Dr. de Witt (Frank Heßdörfer), der in blühender Leibhaftigkeit freilich auch bald aufkreuzen wird, um ungewollt das Chaos zu befeuern.

    Ehe Bollmann sich versieht, findet er sich in der Rolle des viel beschäftigten Psychotherapeuten, bei dem sich die unterschiedlichsten Knalltüten die Klinke in die Hand geben. Da ist zum Beispiel die Bestseller-Autorin Claudia Carerra (Jutta Waßmann), die im neckischen Fransenbikini therapiert werden möchte, was nicht nur den verlegenen Bollmann hyperventilieren lässt. Dann wäre noch die reiche Kleptomanin Sybille Bast (Co-Regisseurin Barbara Hubrich), vor deren Sucht nicht einmal Goldhamster, Marzipanbrote oder gar Wagenheber sicher sind und die auch Bollmanns Beute mitgehen lässt.

    Als besonders schwierige Fälle erweisen sich der depressive Kriminalkommissar Herr Maiwald (Georg Rauwolf), der beim bloßen Anblick eines Schoko-Nikolaus ausflippt, und der durchgeknallte Finanzbeamte Jürgen Appelhans (Volker Eckstein), dessen Wahnvorstellung, der einzig wahre Elvis zu sein, in Erfüllung geht. Zur Überraschung aller verbucht das Naturtalent Bollmann, der lediglich Bruchstücke eines Veterinärstudiums vorweisen kann, am Ende wundersame Heilungserfolge.

    Besonders beeindruckend waren die durchweg glänzenden und immer wieder frenetisch bejubelten schauspielerischen Leistungen der Darsteller – auch des Bühnenneulings Frank Heßdörfer, der in der Rolle des echten Dr. de Witt einen bravourösen Einstand feierte. Sehenswert ebenfalls die imposante Kulisse von Bühnenbildner Peter Gsell, dem ungekrönten Michelangelo der Gerbergasse, der auch dafür bekannt ist, dass er – wenn es sein muss – aus einer Besenkammer problemlos ein Bernsteinzimmer zaubern kann.

    Die nächsten Vorstellungen im Theater in der Gerbergasse: Freitag und Samstag, 20. und 21. April, 19.30 Uhr. Karten: Mahlo telecom, Hauptstraße 30, 97753 Karlstadt. Infos unter www.theater-gerbergasse.

    bob

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