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    Gemünden

    Prozess: 29-Jähriger war bei Faschingszug in Hafenlohr völlig außer sich

    Ein mehrfach vorbestrafter Mann aus dem Raum Marktheidenfeld wurde wegen eines Schubsers gegen einen Polizisten zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
    Das Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

    Nach einem knappen Jahr hatte die fünfte Jahreszeit für einen 29-jährigen aus dem Raum Marktheidenfeld ein juristisches Nachspiel: Weil er sich nach dem Faschingszug 2019 in Hafenlohr mehr oder weniger betrunken verbal und körperlich mit anderen stritt und auch einen Polizisten schubste, verurteilte in Richterin Kristina Heiduck zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zusätzlich muss der Küchenchef 1500 Euro als Bewährungsauflage an den Tierschutzverein Main-Spessart bezahlen.

    "Das klingt schon ziemlich krass und war eine dumme Sache", wählte der Angeklagte in der Verhandlung als letzte Worte. Vorher hatte er alles zugegeben, woran er sich erinnern konnte – vermutlich alkoholbedingt waren das nur "Fetzen", wie er es ausdrückte. Er wisse noch, dass er eigentlich gar nicht zu dem Faschingszug wollte, er wohl zwei bis drei Bier getrunken und sich an einer "rumgehenden" Schnapsflasche bedient hatte. Danach sei er da lang gegangen, es habe ein Gerangel gegeben und schließlich habe er am Polizeiauto einen Alkoholtest gemacht.

    Polizisten mit voller Wucht gegen die Brust gestoßen

    Der ergab damals fast 1,6 Promille. Der junge Mann war einem Polizisten aufgefallen, weil er eine Schnapsflasche schwungvoll gegen eine Hauswand warf. Deshalb ging er ihm nach und beobachtete die Streitigkeiten. Als der Beamte dazwischen ging, stieß ihn der Angeklagte mit voller Wucht gegen die Brust. "Ich konnte einen Sturz gerade noch verhindern", hieß es in der protokollierten Aussage. Und dass der 29-Jährige nur mit Hilfe mehrerer Feuerwehrleute und eines weiteren Polizisten unter Kontrolle gebracht werden konnte und völlig außer sich war.

    Nur mit unmittelbaren Zwang in Form eines Transportgriffs habe er zum Polizeiauto gebracht werden können. Insgesamt wirkte er so aggressiv, dass die Polizisten befürchteten, er würde sofort zuschlagen. Nach dem Alkoholtest erteilte die Polizei einen Platzverweis und der Beamte stellte ebenso wie später das Polizeipräsidium Unterfranken Strafantrag wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Körperverletzung.

    Angeklagter hat acht Vorstrafen

    Mit acht Vorstrafen und einer verbüßten Jugendstrafe ist der junge Mann juristisch kein unbeschriebenes Blatt. Zudem wurde er 2017 wegen häuslicher Gewalt gegen seine damalige Lebensgefährtin verurteilt. Zur Verhandlung wurde er von der Polizei abgeholt, nachdem er verschlafen hatte.

    Von einem juristisch klarem Sachverhalt sprach der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er rechnete das Teilgeständnis – die Erinnerungslücken seien bei über 1,5 Promille plausibel – und kooperatives Verhalten positiv an, sah aber auch die vielen Vorstrafen und die Geldstrafe wegen häuslicher Gewalt. Zudem handle es sich gleich um mehrere Tatbestände sowie zwei bedrohte Polizisten. Er beantragte zehn Monate Gesamtstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden können, weil der Angeklagte Arbeit hat und schon lange keine Freiheitsstrafe mehr gegen ihn verhängt wurde. Als Bewährungsauflage forderte er auch die Weisung, ein Jahr keinen Alkohol zu konsumieren und entsprechende Untersuchungen.

    Der Angriff auf den Polizisten sei am untersten Rand, argumentierte der Verteidiger des Angeschuldigten. Sein Mandant habe den Beamten gestoßen und sei aggressiv gewesen, habe aber keine weitere Gewalt angewandt. Das sei die untere Grenze für eine Freiheitsstrafe, ohne Vorstrafen würde man wohl über eine Geldstrafe reden, insgesamt wären auch acht Monate mit Bewährung angemessen.

    Richterin Kristina Heiduck folgte weitgehend den Antrag des Staatsanwaltes. Weniger Strafe sei aufgrund des bisherigen Lebenswandels kaum möglich. Auf die Weisung eines Trinkverbots verzichtete sie weil der junge Mann bisher nicht regelmäßig Straftaten nach Alkoholkonsum beging. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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