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    MITTELSINN

    Rätselraten um Gift im Christbaum geht weiter

    Die bei einer Razzia beschlagnahmten Proben sind unauffällig. Die Suche nach dem Ursprung des Gifts geht weiter. Symbolf... Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

    Die Frage, warum erst fast ein Jahr nach dem Gift-Fund in einem Baum am vergangenen Dienstag die Razzia bei einem Christbaumbauern in Mittelsinn (Lkr. Main-Spessart) erfolgte, bleibt weiterhin unbeantwortet. Die Staatsanwaltschaft Würzburg machte am Donnerstag über ihre bisherige Mitteilung hinaus keine Angabe. Der Pflanzenschutzdienst Bayern allerdings hatte seinerzeit auf den Gift-Fund hin den Hof und auch Bäume des Landwirts untersucht und keine verbotenen Substanzen gefunden. Dies berichtet auf Anfrage Christoph Kirchner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Karlstadt.

    Dem Vernehmen nach fanden sich auch bei der Razzia am vergangenen Dienstag in Haus und Hof des Christbaumbauern keine verbotenen Mittel. Mit dem Ergebnis der – nach Angaben der Staatsanwaltschaft – zahlreichen Boden- und Pflanzenproben, die am Dienstag genommen wurden, sei erst in zwei bis drei Monaten zu rechnen. Der betroffene Landwirt selbst beteuert nach wie vor seine Unschuld: Nie habe er verbotene Pflanzenschutzmittel verwendet.

    Bisherige Proben ohne Befund

    Konkret geht es, wie berichtet, um Parathion, besser bekannt als E605 und seit 17 Jahren in der Europäischen Union verboten. Dieses Mittel hatte der Bund Naturschutz im Dezember vergangenen Jahres in geringer Dosierung in einem Christbaum gefunden, der im Hagebaumarkt in Gemünden zum Verkauf stand. Der Pflanzenschutzdienst Bayern nahm daraufhin den Herkunftsbetrieb unter die Lupe und ließ auch einen Baum aus der Charge im Baumarkt untersuchen. Christoph Kirchner, der dies begleitet hat, sagte am Donnerstag: „Ich habe bis heute keinen Hinweis darüber, dass man etwas gefunden hat.“ Er habe auch keine Erkenntnisse darüber, warum nach so langer Zeit die Staatsanwaltschaft Untersuchungen anstellt. E605 sei lange nachweisbar.

    Auch die Gemeinde Mittelsinn und der dortige Verein „Christbaumdorf Mittelsinn“ hatten im Dezember 2017 einen Baum aus der verdächtigen Baumarkt-Charge gekauft und in Hamburg untersuchen lassen. „Dieser Baum war ebenfalls belastet“, berichtet Mittelsinns Bürgermeister Peter Paul auf Anfrage. Wie sich das zusammenreimt, dass offenbar manche Bäume E605 enthalten, andere aber nicht, weiß Peter Paul nicht: „Ich bin mit Aussagen sehr zurückhaltend.“

    30 Christbaumbauern

    Rund 30 Christbaumbauern gibt es in Mittelsinn mit einer Anbaufläche von 250 Hektar. Die Aufregung im Dorf ist groß; dort ist für Donnerstag, 15. November, die alljährliche Eröffnung der bayerischen Christbaumsaison unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Markus Söder geplant. Im Dezember folgen die weithin bekannten Adventsmarkttage. Dass jetzt, fast ein Jahr nach dem Gift-Fund und nachdem die Vorwürfe gegen den betreffenden Christbaumbauern ausgeräumt schienen, erneut Untersuchungen laufen, erschüttert Uwe Klug, den Vorsitzenden des Christbaumdorf-Vereins: „Das schadet nicht nur dem Weihnachtsbaumverkauf, sondern den Handwerkern und allen, die an den Adventsmarkttagen teilnehmen.“

    Für Klug steht fest: „Der (beschuldigte) Betrieb ist sauber. Dort wurde nichts gefunden.“ Nicht spekulieren will er, woher ein Gift an einzelnen Bäumen draußen in der Natur oder in einem Baumarkt stammen könne. Dem betroffenen Mittelsinner Bauern sichert er zu: „Wir stehen hinter ihm.“ Bürgermeister Peter Paul sagt: „Mir liegt daran, dass schnellstmöglich die Ergebnisse der Proben kommen, damit wieder Ruhe ins Dorf einkehrt.“

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