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    Lohr

    Rammstein mit spanischem R

    Bei ihrem Megahit "Sonne" zog die Band alle Register.  Foto: Christian Neubauer

    »Querida Barcelona, muchisimas gracias!« bedankte sich Till Lindemann sichtlich bewegt bei den Fans im RCDE Stadium, die den Frontmann und seine Band Rammstein zuvor knapp zweieinhalb Stunden gefeiert hatten. Im Publikum: Sieben Fans aus Lohr und Umgebung, die den Konzertbesuch mit einem dreitägigen Aufenthalt in der nordspanischen Metropole verbunden hat.

    Selbstredend, dass der Bariton, dessen gerolltes R ein Charakteristikum der Berliner Brachialrocker darstellt, das Publikum in der katalonischen Hauptstadt zum Abschluss auf Spanisch adressierte. Lauschte man im Vorfeld des dritten Konzerts der Europatour jedoch dem Stimmgewirr in und um die Heimspielstätte von Espanyol Barcelona, ließ sich erahnen, dass wohl ein Großteil der Anwesenden aus Deutschland angereist war.

    Drei Stunden vergebens

    Aber der Reihe nach: Achter November, Punkt zehn Uhr: Europaweit startet der Vorverkauf für die 31 stadienfüllende Auftritte. Kein Problem also, eines der circa eineinhalb Millionen Tickets für die Tour zu ergattern – möchte man meinen. Nach dreieinhalb Stunden in einer nicht enden wollenden Warteschleife, blieb nur der Frust. Anstelle der Kaufbestätigung für die Karten in der nahegelegenen Frankfurter Commerzbank-Arena, prangt auf dem Bildschirm nur die lakonische Meldung des Ticketportals: »Zurzeit sind in Ihrer gewählten Kategorie leider alle Tickets vergriffen.« Alle zehn Deutschland-Konzerte und die meisten der 21 weiteren Termine sind zu diesem Zeitpunkt ausverkauft.

    »Für Barcelona gibt es immer noch Tickets ...«, schreibt Martin zwei Tage später in die Whats-App-Gruppe. »Date?« »1.6.« »Passt. Wär ich dabei« »Komm' lasst uns kaufen und ein bis zwei Tage freinehmen, wäre ein geiler Trip«, schalten sich Lukas und der zweite Martin ein. »Von mir aus gerne«, schließt sich auch Christian an. Mit ein paar Klicks sind die Karten gebucht und die Vorfreude auf ein umso außergewöhnlicheres Erlebnis wieder hergestellt.

    Gigantische Bühne

    Sieben Monate später und 1400 Kilometer südlicher: Samstagabend in Cornellà de Llobregat: »Is this the line inside?«, fragt ein blonder Mann mit Bart vor dem Stadion die wartende Gruppe. »We think so«. »Sag mal, haben wir uns gerade in Spanien auf Englisch mit einem Deutschen unterhalten?« Ein gewisser Akzent des Blonden war zumindest nicht von der Hand zu weisen, aber da setzt sich die Schlange auch schon in Bewegung. Vorbei an den Müllbergen derer, die schon Stunden vorher am Eingang campiert hatten, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern, führt der Weg die Rampe hinab ins Infield, über das die gigantische Bühnenkonstruktion ragt.

    Drei Stunden, zehn Bier und eine Shoppingtour am Merchstand später erwacht die monumentale Metropolis-Requisite zum Leben. Die bombastische Inszenierung untermalt die martialischen Texte und harten Gitarrenriffs mit fast schon selbstverständlichen Pyroeffekten, grellen Lichtern und glühenden Flammenwänden. Während die rabiate Materialschlacht, mit der Lindemann seinem Keyboarder Christian »Flake« Lorenz während des Lieds »Mein Teil« an den Kragen geht, bereits zum Standardrepertoire zählt, macht der gigantische Bildschirm im Bühnenzentrum erstmals den dämonischen Todeskampf der brennenden »Puppe« in ihrem überdimensionierten Scheesewagen erlebbar.

    Dass die fünf Berliner auch Spaß verstehen, zeigt ein Strichmännchentanz zu der im Vorfeld kontrovers diskutierten Nummer »Deutschland«. Mit »Rammstein« und »Ich will« schließt die letzte Zugabe in gewohntem Pathos. »Fantástico, increible«, bringt Lindemann seine Glücksgefühle auf den Punkt und spricht den Fans damit aus der Seele. Als nach Mitternacht die Flutlichter wieder angehen, sieht man Umarmungen, Tränen der Rührung und freudestrahlende Gesichter. Nach einem kurzen Adiós gegenüber der Gruppe Spanier, mit denen zuvor im Moshpit Verbrüderung geschlossen wurde, heißt es auch für die Spessarter Abschied nehmen – vor dem am Sonntag jedoch noch ein Tag am Strand wartet. Besser als Frankfurt? Allemal!

    Martin, Max, Christian, Lukas und Martin vor der monumentalen Bühne, drei Stunden vor Konzertbeginn.  Foto: Simon Hörnig

    Bearbeitet von Simon Hörnig

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