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    Karlstadt

    Regionaler Planungsverband: Hausarzt - ein Auslaufmodell?

    Immer weniger Medizinstudenten wollen Hausarzt in einer Einzelpraxis werden. Vor allem die hohe Arbeitsbelastung schreckt. Andere Modelle scheinen aber attraktiv zu sein. Foto: Bernd Weissbrod

    Der klassische Hausarzt scheint ein Auslaufmodell zu sein. Dies jedenfalls legen die Zahlen nahe, die Medizinaloberrat Gunnar Geuter am Dienstag dem Regionalen Planungsverband Würzburg präsentierte, der in Karlstadt im Landratsamt tagte. "Es gibt noch keine medizinische Unterversorgung", sagte er und belegte dies mit Zahlen für die gesamte Region, für die der Planungsverband Würzburg zuständig ist. In den Landkreisen Kitzingen, Würzburg und Main-Spessart ist die Versorgungsquote von Hausärzten pro Bürger noch übererfüllt. Allerdings stehe aufgrund des hohen Alters der meisten Hausärzte ein Generationswechsel bevor, der offensichtlich nicht funktioniere, denn viele Praxen gelten als unverkäuflich.

    Mit  einer Grafik zeigte Geuter das Problem. Die große Zahl der Hausärzte (fast 40 Prozent) sind älter als 60 Jahre. Dies habe viele Gründe. Junge Ärzte wollen keine 60-Stunden-Woche mehr, sie bevorzugen geregelte Arbeitszeiten und arbeiten lieber im Team und nicht als Einzelkämpfer, auch gerne in Teilzeit. Freizeitmöglichkeiten und das soziale und kulturelle Umfeld werden bei der Wahl der beruflichen Niederlassung immer wichtiger.

    Hausärzte in Einzelpraxen im freien Fall

    Der Trend ist deutlich: Hausärzte in kooperativen Formen der Berufsausübung nehmen zu, während die Hausärzte in Einzelpraxen abnehmen. Diese seien im freien Fall, sagte Deuter und belegte dies mit Zahlen. Bayernweit habe sich die Zahl der Einzelpraxen von 5107 im Jahr 2009 auf 4380 im Jahr 2017 verringert.

    Daher seien neue Strategien nötig, um die Versorgung in der Fläche wohnortnah zu sichern. Geuter plädierte für eine gemeindeübergreifende Vernetzung beispielsweise unter dem Dach von Gesundheitsregionen. Was er darunter versteht, zeigte er am Beispiel des Hausärztezentrums Kaufering. Dort habe es sieben Einzelpraxen gegeben, die alle vergebens einen Nachfolger suchten. Dann fusionierten fünf Hausärzte an einem Ort. Angestellt wurden drei Ärztinnen, vier Ärzte in Weiterbildung und eine Praxismanagerin. Dieser Zusammenschluss eröffnete Spielräume für flexiblere Arbeitszeitmodelle, erweiterte das Leistungsspektrum und die Öffnungszeiten.

    Was können Kommunen tun?

    Was bedeutet das für die Kommunen? Wie können sie Medizinstudenten für eine Landarzt-Karriere begeistern? Dazu stellte Geuter die Medizinische Ferienakademie Altmühlfranken vor. Diese ist eine Kooperation zwischen Landkreis, Haus- und Fachärzten und Klinikum und hat das Ziel, die Studierenden mit den Mediziner vor Ort zu vernetzen. Sie bekommen in mehrtägigen Veranstaltungen Einblick in die Arbeit der niedergelassenen Ärzte. Zudem gibt es ein Erlebnis- und Kulturprogramm, bei dem sie Landschaft und Leute kennenlernen. 

    Für die medizinische Versorgung ist die Kassenärztliche Vereinigung zuständig. Doch auch die Kommunen könnten für geeignete Rahmenbedingungen sorgen und mit Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung sogenannte Eigeneinrichtungen betreiben, meinte Geuter. Auch interkommunale Strategien könnten geeignet sein. 

    In der folgenden Diskussion gab es deutliche Kritik an der Kassenärztlichen Vereinigung, die so manch gute Lösung aus Sicht der Kommune verhindert habe. Zudem sehen sich die Kommunalvertreter nicht in der Lage, eine geeignete Struktur zur Patientenversorgung mitzufinanzieren. Dies wollte Geubel auch nicht so verstanden wissen. Eine Praxis trage sich finanziell, meinte er. Es ginge aber jetzt darum, Strukturen zu fördern, in denen die nachfolgende Ärzte-Generation arbeiten will.

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