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    Lohr

    Reifenquietschen reicht nicht für Fahreignungsüberprüfung

    Reifenspuren zeugen von Fahrübungen auf dem Parkplatz Mainlände. Einen 19-jährigen Autofahrer hat die Polizei wegen seiner Fahrweise schon mehrfach ermahnt. Foto: Roland Pleier

    17. Mai 2019: Ein 19-Jähriger driftet mit quietschenden Reifen auf dem Parkplatz Mainlände in Lohr. Mehrfach. Die Polizei kennt ihn: Er war schon wiederholt wegen seines "sportlichen" Fahrstils aufgefallen und ermahnt worden. Deshalb legen die Ordnungshüter härtere Bandagen an: Diesmal leiten sie den Fall weiter an das Landratsamt mit der Bitte, die Fahreignung des 19-Jährigen zu überprüfen. So war es in einer Polizeimeldung nachzulesen.

    Solche Fälle sind nicht alltäglich. "Vielleicht eine Handvoll im Jahr", schätzt der Lohrer Polizeichef Wolfgang Remelka. Allein: In diesem Fall ist das Landratsamt ein zahnloser Tiger. Vom Grundsatz her ist es möglich, "bei einem erheblichen oder wiederholten Verstoß gegen verkehrsrechtliche Regeln die Eignung überprüfen zu lassen", so Andreas Hafenrichter, Sachbearbeiter Verkehrswesen am Landratsamt Main-Spessart. In bestimmten Fällen könnte die Behörde also ein ärztliches oder medizinisch-psychologisches Gutachten verlangen. Nicht jedoch in einem Fall wie diesem. 

    "Nur die Mitteilung, dass einer fährt wie eine g'sengte Sau, das reicht nicht."
    Andreas Hafenrichter, Sachbearbeiter Verkehrswesen am Landratsamt Main-Spessart, zum Thema Fahreignungsüberprüfung

    Es komme durchaus oft vor, dass Leute bei ihm anrufen und sich über Verkehrsrowdies beschweren. Allein: "Nur die Mitteilung, dass einer fährt wie eine g'sengte Sau, das reicht nicht", erläutert Hafenrichter. "Da kann ich nix machen." Da müsse schon mehr passieren. "Wir brauchen grundsätzlich rechtsgültige Verfahren - sei es Bußgeld- oder Strafverfahren." Ansonsten, verdeutlicht er, würde eine solche Entscheidung – wenn sie denn angefochten wird – vor Gericht kaum Bestand haben. Mündliche Ermahnungen reichen aus seiner Sicht nicht aus. 

    Dass –mit oder ohne die gefürchtete medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) – Führerscheine entzogen werden, gehört zum Alltag der Verkehrsbehörde. Bei der im Landratsamt Main-Spessart landen pro Woche im Schnitt zwei bis drei solcher Fälle auf dem Schreibtisch. Zwangsweise verordnet aber hat Sachbearbeiter Arthur Ried im vergangenen Jahr nur 45. Weitaus mehr, nämlich 98, haben ganz freiwillig auf ihren "Lappen" verzichtet und ihn abgegeben.  

    Warum so viele ihre Führerscheine freiwillig abgeben

    Dabei machen altersbedingte Abgaben laut Ried allenfalls zehn Prozent aus. Ebenso hoch ist der Anteil derer, die reichlich Punkte in Flensburg gesammelt oder Verstöße begangen haben während sie den Führerschein noch nur auf Probe hatten. Alkohol- oder krankheitsbedingt dürften es jeweils um die 15 Prozent sein, so Ried. Jeder zweite dieser "Freiwilligen" aber sind Führerscheininhaber, die Drogen konsumiert haben. Mag den ein oder anderen ja kluge Einsicht dazu bewegen, so dürfte bei den meisten Kalkül dahinter stecken: Sie geben ihre Scheine freiwillig ab, um einem Entzug zuvorzukommen. Dadurch ersparen sie sich nämlich die 90 Euro Gebühren für einen Entzugsbescheid - und dem Sachbearbeiter ein bisschen Arbeit. Weiters nichts. Wer seinen Führerschein freiwillig abgibt, hat keine weiteren Vorteile, sollte er ihn wieder erlangen wollen. 

    • Wo wird der Führerschein abgegeben und abgeholt? Was bedeutet es, wenn eine MPU angeordnet wird? Fragen wie diese beantwortet dieser Artikel

    Der Vollständigkeit halber muss dazu gesagt werden: Nicht berücksichtigt bei diesen Zahlen sind Führerscheinentzüge, die gerichtlich angeordnet werden. Diese tauchen in der Statistik des Landkreises nicht auf. Vor Gericht landen alle, die alkoholisiert in einen Unfall verwickelt waren, wiederholt betrunken gefahren waren oder mit mehr als 1,1 Promille Alkoholgehalt im Blut erwischt wurden.  

    Zahlen liegen heuer auf Vorjahresniveau

    Der Trend dieses Jahres gleicht im übrigen dem Bild des Vorjahres: Bis Mitte Juni hatte das Landratsamt 23 Entzugsbescheide ausgestellt, hatten 41 ihre Führerscheine freiwillig abgegeben. 

    Der Fall des eingangs erwähnten 19-Jährigen hat auf ganz andere Art und Weise ein unrühmliches – zumindest vorläufiges –Ende gefunden: Keine vier Wochen später fuhr er seinen Golf zu Schrott. Totalschaden: 20 000 Euro. Er hatte auf regennasser Fahrbahn in der Kurve die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Die Polizei nennt das für gewöhnlich "nicht angepasste Geschwindigkeit". Wer in Anbetracht der besonderen örtlichen Straßen- oder Verkehrsverhältnisse mit nicht angepasster Geschwindigkeit einen Unfall verursacht, kassiert einen Punkt in Flensburg und wird mit einem Bußgeld von 145 Euro belegt (ohne Gebühren und Auslagen). 

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