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    Retzbacher schneidet Film für Sylvester Stallone

    Mit Sylvester Stallone hat Carsten Kurpanek am neuen Rambo-Film gearbeitet. Foto: Kurpanek

    Sylvester Stallone, George Clooney, Jodie Foster, Michael Fassbender: Stars, die der Durchschnittsbürger nur aus dem Kino kennt. Carsten Kurpanek hat sie alle schon getroffen. Der gebürtige Retzbacher (Lkr. Main-Spessart) lebt in Los Angeles, blickt von seinem Büro aus auf den berühmten Hollywood-Schriftzug - und schneidet Filme.

    Kurpaneks Leben verlief zunächst in sehr normalen Bahnen. "Ich komme aus einer bürgerlichen Familie: Viele Beamte, Bänker, Versicherungsangestellte", erzählt Kurpanek. "Ich habe das damals auch als meinen Weg empfunden." Nach dem Realschulabschluss arbeitete er sechs Jahre lang als Finanzberater. Die Filmwelt aber hatte Kurpanek schon als Jugendlicher fasziniert: Er sammelte Videokassetten und kannte die Namen aller Regisseure.

    Der Liebe wegen ging es nach Los Angeles

    Irgendwann wurde ihm klar: Er wollte kreativer arbeiten. Der Retzbacher holte sein Abi nach und studierte in Mainz Filmwissenschaft. Im Auslandssemester an der Ball State University in Muncie, Indiana, ging es mit dem Filmemachen los: "Es war sehr praxisorientiert. Du bekommst eine Kamera, und dann heißt es: Dreh mal einen Kurzfilm."

    Das Schneiden machte dem 43-Jährigen am meisten Spaß. In Muncie lernte der Unterfranken auch seine heutige Frau kennen, die ihr Glück als Schauspielerin in Hollywood versuchen wollte. Nach L.A. zu gehen? "Eine Entscheidung aus Liebe", sagt Kurpanek. "Wir wollten den Sprung zusammen wagen." Auch wenn es nicht immer einfach gewesen sei: "Wir hatten große Träume und wenig Angst."

    Carsten Kurpanek an seinem Arbeitsplatz in Los Angeles. Foto: Kurpanek

    Kurpanek und seine Frau haben inzwischen eine zweijährige Tochter und ein Haus in L.A.. Und ab und zu laufen dem Film-Editor auch privat ein paar Berühmtheiten über den Weg, zum Beispiel im Kino oder Restaurant. "Es gehört zur Etiquette, dass man sie nicht anspricht. Sie sind ja auch nur normale Bürger."

    Der Schnitt eines Films dauert bis zu anderthalb Jahren

    Seine Familie sieht Kurpanek derzeit wenig: Seine Arbeitswoche hat 60 Stunden. Bis ein Film fertig geschnitten ist, dauert es bis zu anderthalb Jahre. Der Editor ist zwar nicht direkt am Set, aber oft am Drehort dabei und erstellt schon während der Dreharbeiten eine Rohversion des Films. Für den neuesten Rambo-Streifen war Kurpanek einen Monat lang in Bulgarien.

    Nach den Dreharbeiten folgt der Director's Cut, bei dem der Editor mit dem Regisseur im Schneideraum sitzt. Für "Money Monster" gingen Jodie Foster und George Clooney bei Kurpanek ein und aus. "Die Arbeit mit den Stars wird zur Routine", sagt Kurpanek. Michael Fassbender empfand er als besonders nett: "Er hat einmal der ganzen Crew Drinks spendiert." 

    Die fertigen Filme schaut sich Kurpanek im Kino nicht mehr an

    Nach dem Director's Cut kommen dann noch Produktion und Studio mit ihren Wünschen. Trotz der vielen Absprachen bleibe es ein kreativer Beruf, sagt der 43-Jährige: "Das Schönste ist die Zusammenarbeit mit anderen kreativen Menschen. Wir entwickeln Ideen und kommen zu einer Lösung, die alle glücklich macht."

    Privat schaut sich Kurpanek die selbst geschnittenen Filme nicht mehr an. Großer Filmfan ist er freilich nach wie vor, auch wenn er seit der Geburt seiner Tochter nicht mehr so viel Zeit dafür hat: "Dafür ich bin jetzt ziemlich informiert, was Disneyfilme angeht."

    Im Oscar-prämierten Cutterteam von "Verblendung"

    Als Freiberufler sei man die Zeit zwischen zwei Projekten arbeitslos - "das muss man dann umdefinieren als Urlaub und Familienzeit." Mittlerweile hat der Retzbacher die Filme von ganz Großen geschnitten: "Ich habe mit Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Jean-Claude van Damme drei Helden meiner Jugend auf dem Lebenslauf stehen", sagt Kurpanek und klingt ein wenig stolz.

    Beim Film "Verblendung" mit Daniel Craig, der 2012 mit dem Oscar für den besten Schnitt ausgezeichnet wurde, saß Kurpanek im Editorenteam. "Ich war aber nur Assistant Editor und kann daher die Ehre nicht auf mich nehmen", meint er bescheiden.

    Die Zusammenarbeit mit Regisseur David Fincher habe indes Einfluss auf seine Karriere gehabt, denn Kontakte sind in Hollywood besonders wichtig: "Jemand muss an dich glauben. Durch das Netzwerk, das du bildest, treibst du deine Karriere voran."

    Und Kurpaneks Karriere ist gerade an einem Höhepunkt. Für "Rambo: Last Blood" wurde er von Sylvester Stallone persönlich als Editor eingestellt. Als einer der beiden Chefcutter arbeitete er dicht mit dem 73-Jährigen zusammen. Ein Moment wird Kurpanek besonders in Erinnerung bleiben: "Sly" wollte ihm zeigen, wie genau die Machete dem Bösewicht in den Hinterkopf fliegt: "Ich saß vor dem PC, und auf einmal fasst er mir mit seinen großen Händen an den Kopf und sagt: Genau hier muss sie reinfliegen. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen."

    Träume hat Kurpanek immer noch

    Kurpaneks aktuelles Projekt ist der Film "Kung Fury 2" mit Arnold Schwarzenegger, für den er drei Monate lang wieder in Bulgarien und in München unterwegs war. "Zum ersten Mal in meiner Karriere habe ich das Gefühl, ich habe Referenzen, die mir Türen öffnen könnten", sagt Kurpanek. Träume hat er noch einige: "Einmal einen Star Wars- oder Marvel-Film schneiden, das wäre schon schön."

    Und spätestens nächstes Jahr will er dann auch mal privat mit Tochter Cora in die Heimat. "Es wäre toll, wenn man sich einfach mal sonntags nach Deutschland beamen könnte", sagt der Mann aus L.A.  Neben Familie und Freunden vermisse er vor allem die deutschen Innenstädte. Ansonsten hat sich in seinem Leben nicht viel geändert, findet er: "Es ist nicht anders, als Finanzbeamter zu sein. Ich sitze im Büro und schaue auf meinen Computer. Nur die Arbeit ist ein bisschen kreativer."

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