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    Zellingen

    Roboter soll Kanalschäden reparieren

    Dicke Wurzeln, die von Hand mit Beilen abgehackt werden mussten, wurden im Juli 2018 aus dem Kanalhauptsammler des Abwasserzweckverbandes Zellingen entfernt. Jetzt beriet die Verbandsversammlung, wie die Rohre saniert werden könnten. Kosten würde das mindestens rund 150 000 Euro.

    Damals war eigentlich eine Untersuchung der 80 Zentimeter dicken Betonrohre mit einer Kamera geplant. Die mächtige Abwasserleitung ist im Bereich des Zellinger Freibades verlegt und nimmt Abwässer aus dem Zellinger Gewerbegebiet sowie aus Leinach auf. Stellweise war sie fast komplett zugewachsen, insbesondere das Stück unter dem Parkplatz am Freibad mit den Pappeln.

    Tobias Schneider vom Ingenieurbüro Arz zeigte Bilder der Arbeiten und auch Abwassermeister Thomas Hemmelmann erinnerte sich. Die Wurzelstücke passten gerade noch so durch die Zugangsschächte mit 63 Zentimetern Durchmesser. Zuvor hatten Mitarbeiter der Zellinger Kanalreinigungsfirma Carlo Linz sie innerhalb des unterirdischen Kanals mit Handbeilen in 2,5 Meter lange Stücke zerhackt. Derart große Wurzeln seien selten, so Schneider.

    Als der Hauptsammler danach mit der Kamera befahren werden konnte, zeigten sich natürlich Schäden vor allen an den Eintrittsstellen der Wurzeln, bei denen es sich meist um Muffen handelt. Es gibt aber auch schadhafte Hausanschlüsse sowie Einrisse am Scheitel der Rohre. Letztere entstanden vermutlich schon in der Bauphase. Insgesamt sei das ein typischer Zustand für einen Kanal dieses Alters, erklärten die Fachleute.

    Kein Aufgraben nötig

    "Wir müssen nichts aufgraben", erklärte Tobias Schneider vom Ingenieurbüro, das sei die gute Nachricht. Partielle Schäden könnten mit einem Roboter repariert werden, der sie auffräst und mit einem Reparaturharz verschließt. Überwiegend sei aber geplant, einen Inliner einzubringen. Das ist ein mit Kunststoffharz getränkter Gewebeschlauch, der in das zuvor gereinigte Rohr einzogen, mit Druckluft aufgeblasen und dann ausgehärtet wird, etwa mit UV-Licht. Vorteil sei, dass damit auch die Muffen als Schwachstellen überbrückt werden. Und es gehe schnell ohne Störung des Schwimmbadbetriebes.

    Hermann Stumpf aus Leinach schlug vor, über ein Relining nachzudenken. Er hatte als Chef der Planung der Gas- und Wasserversorgung der Stadtwerke Würzburg über 40 Jahre Berufsjahre auch mit Rohrleitungs- und Tiefbau zu tun. Vorteil sei, dass hier ein dickes Rohr entstehe, er sprach von einigen Zentimetern, das alleine tragfähig sei. Ein Inliner sei eher ein dünner Schlauch oder eine Folie und brauche die Stabilität des Betonrohrs. Beim Relining wird ein glasfaserverstärkter und aushärtender Kunststoff (Zwei-Komponenten-Polyester) in mehreren Durchgängen von innen auf die Rohrwandung gespritzt.

    Dieses Verfahren ist neuer als Inliner, der 30 Jahre halten soll, aber auch teurer. "Wir haben das in Würzburg bei Wasserleitungen gemacht", berichtete Stumpf und sprach von etwa 30 Prozent Mehrkosten und 50 bis 70 Jahren Gebrauchsdauer. Der Sanierungsvorschlag des Ingenieurbüro Arz, mit Inliner käme auf 146 000 Euro brutto für den Kanalhauptsammler.

    Keine Entscheidung getroffen

    Eine Entscheidung wurde in der Sitzung noch nicht getroffen. "Der Auftrag muss erst im Frühjahr vergeben werden", erklärte der Vorsitzende Uwe Klüpfel. Die Pflicht zur Reparatur ergebe sich aus der Gefahr, dass Abwasser über die Fehlstellen ins Erdreich gelangt.

    Eine kurze Information gab es zur vom Landkreis Main-Spessart initiierten Fachstudie mit Standortanalyse zur Klärschlammentsorgung. Derzeit werde erfasst, wieviel und was für Klärschlamm wo im Landkreis Anfalle, erklärte Abwassermeister Thomas Hemmelmann. Ziel sei, ihn gemeinsam und kostengünstiger zu entsorgen. Für die derzeitige Fachstudie werde jede Gemeinde rund 350 Euro bezahlen müssen, berichtete Verbandsrat Karl Gerhard.

    Den Auftrag für die Nachrüstung eines Pufferspeichers samt Steuerung vergab die Verbandsversammlung zum Preis von 28 000 Euro an die Firma Schmitt aus Zellingen. Er soll gewährleisten, dass mit dem Blockheizkraftwerk aus Faulgas erzeugte Wärme für einige Stunden gespeichert werden kann. Derzeit geht das Blockheizkraftwerk zu oft auf Notkühlung und heizt somit die Umgebung.

    Für die Reparatur des Antriebs einer Schneckenpumpe genehmigten die Räte eine Rechnung der Firma SEW Eurodrive (Bruchsal) über 3410 Euro. Dabei handelt es sich laut dem Abwassermeister um ein Getriebe, das im Fehlerfall durch ein auf der Kläranlage bereitgehaltenes ersetzt und von der Firma überholt wird, um eingelagert zu werden.

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