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    MARKTHEIDENFELD

    SPD mitverantwortlich für Pflegenotstand

    Ludwig Keller aus Marktheidenfeld, einer der Sprecher der Bürgerinitiative Pro MAR, die sich für das Marktheidenfelder Krankenhaus einsetzt, greift in einer Stellungnahme den Artikel „Ein Krankenhaus darf keine Fabrik sein“ vom 20. August auf. Darin wurde berichtet, dass die SPD und die Gewerkschaft ver.di das Volksbegehren „Stoppt den Pflegenotstand an Bayerns Krankenhäusern“ unterstützen.

    Keller schreibt: „Wenn ich lese, dass die SPD Main-Spessart im Landkreis Unterschriften gegen den Pflegenotstand sammeln will, schwillt mir der Kamm. Die beklagten Missstände sind bittere Realität, leider. Was aber legitimiert gerade die SPD zu einer solchen Kampagne? Die Rahmenbedingungen für die Gesundheitspolitik werden auf Bundesebene festgelegt. Von einer Bundesregierung, der die SPD bekanntermaßen seit Jahren angehört.

    SPD-Gesundheitsexperten wie Karl Lauterbach waren maßgeblich daran beteiligt, die Krankenhauslandschaft in Deutschland grundlegend zugunsten „leistungsfähiger“ Kliniken zu verändern. Vor allem durch Umstellung des Abrechnungssystems auf Fallpauschalen gerieten kleinere Krankenhäuser immer mehr unter Druck, um dann als unwirtschaftlich eingestuft und am Ende geschlossen zu werden. So trägt die SPD erhebliche Mitverantwortung für das Kliniksterben, das vor allem im ländlichen Raum bundesweit zum Problem geworden ist.

    Im Kreistag Main-Spessart gehörte die SPD zu den Hauptbefürwortern eines Zentralklinikums. Bürgerinitiativen aus Karlstadt und Marktheidenfeld, die gegen die vorzeitige Schließung der dortigen Krankenhäuser protestierten, wurden nicht gehört. Die inzwischen reduzierten Kapazitäten des Klinikums führen zu Engpässen, die es früher so nicht gab. Leidtragender ist der Patient.

    Ähnliches gilt für die „überfüllten Notaufnahmen“. Auch hier muss sich die SPD Main-Spessart an die eigene Nase fassen. Nachdem mit ihrer Unterstützung die Notaufnahmen in Karlstadt und Marktheidenfeld geschlossen wurden, ist es kein Wunder, wenn die einzige in Main-Spessart verbliebene Notaufnahme in Lohr überquillt.

    Das Krankenhaus Marktheidenfeld hatte im Hinblick auf seine Pflege einen hervorragenden Ruf. Kleinere Häuser sind für Pflegepersonal attraktiv. Die überschaubare Größe schafft eine Atmosphäre, in der man gerne arbeitet. Die Hektik und Anonymität großer Häuser kann hingegen abstoßend wirken. Der Pflegenotstand ist somit auch ein Produkt des Konzentrationsprozesses im Gesundheitswesen.

    Die Entwicklung der Krankenhäuser zu Anbietern von profitablen medizinischen Leistungen, wie auch in Main-Spessart erkennbar, degradiert die Pflege zur „Dienstleistung“. Die Hinwendung zum Patienten steht nicht mehr an erster Stelle. „Die Geister, die ich rief …“ Sind den Sozialdemokraten, die den Pflegenotstand beklagen, diese Zusammenhänge überhaupt bewusst? Die Probleme in der Pflege sind Frucht einer fragwürdigen Gesundheitspolitik, die den Bedürfnissen des Patienten nicht gerecht wird. Der Frage nach der Verantwortung dafür kann sich die Regierungspartei SPD nicht so einfach entziehen“, endet die Stellungnahme.

    Bearbeitet von Michaela Moldenhauer

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