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    Main-Spessart

    Sabine Sitter: Das ist die erste Landrätin von Main-Spessart

    Mit 60,3 Prozent wählten die Main-Spessarter Sabine Sitter zur Landrätin. Damit hat die Favoritin gewonnen. Doch wer ist 44-Jährige und für welche Politik steht sie?
    Sabine Sitter ist nicht nur die erste Landrätin des Landkreises, sondern hat den Posten zudem nach 36 Jahren den Freien Wählern weggeschnappt. 
    Sabine Sitter ist nicht nur die erste Landrätin des Landkreises, sondern hat den Posten zudem nach 36 Jahren den Freien Wählern weggeschnappt.  Foto: Roland Pleier

    Eigentlich hat Sabine Sitter schon vor sechs Jahren gewonnen, als sie gegen den damals amtierenden Landrat Thomas Schiebel verlor. Sitter war spät von der CSU ins Rennen geschickt worden. Trotzdem holte sie 38,6 Prozent der Stimmen. Doch sie hat die Zeit seitdem genutzt, dazugelernt, sich ein Stück neu erfunden. Jetzt, sechs Jahre später, ist die 44-Jährige nicht nur seine Nachfolgerin. Sie ist die erste Landrätin Main-Spessarts und stieß nebenbei nach 36 Jahren die Freien Wähler in dem Landkreis von jenem Thron, auf dem die Unabhängigen groß geworden waren. 

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    Bricht man die vielen Gründe herunter, warum Sabine Sitter gewann, kommt man immer wieder auf die eine Antwort: Während Sitter vor sechs Jahren in nur wenigen Monaten einen Wahlkampf zusammenzimmern musste, überließ sie dieses Mal nichts dem Zufall. Dies zeigt unter anderem eine Anekdote aus der Bustour, die die Main-Post-Redaktion im vergangenen November mit allen fünf Landratskandidaten unternahm.

    Ungern im Stehen

    Schon mit Blick auf die damals noch drei Monate entfernt liegende Podiumsdiskussion wollte sie die Redakteure davon überzeugen, nicht im Stehen zu diskutieren. Sitter, mit 1,59 Meter die Kleinste der Kandidaten, wollte den anderen nicht mal in scheinbar nebensächlichen Dingen einen Vorteil lassen. "Ich muss immer darauf achten, wie ich mich positioniere", sagte sie damals.

    Ein Ergebnis dieses klugen Vorausdenkens war auch die von ihr initiierte "Denkwerkstatt", bei der sie durch den Landkreis tourte, um die Wünsche der Bürger zu erkunden. 

    Sabine Sitter hat als stellvertretende Landrätin Profil gewonnen

    Zudem spielte Sitter ihre Stärken gekonnt aus. Nicht nur hat sie als stellvertretende Landrätin in den vergangenen sechs Jahren Profil und Einblick in die Themen und Arbeitsweise im Landratsamt gewonnen – eine Karte, die sie in den Podiumsdiskussionen besonders gern spielte. Sie inszenierte sich zudem als eigenständige Person. Das war nötig, da sie vor sechs Jahren in erster Linie als Tochter von Johannes Sitter wahrgenommen wurde, einem langjährigen Kreis- und Bezirksrat, Bürgermeister von Gräfendorf und CSU-Urgestein. Im Wahlkampf erwähnte sie ihn von sich aus kaum. 

    Neben Erfahrung und Vorausdenken zeichnet Sitter noch eine dritte Eigenschaft aus, die ihr letzlich den Sieg sicherte: Beharrlichkeit. Sie ließ sie sich, auch auf "feindlichem Terrain", wie bei einer von B26n-Gegnern initiierten Diskussion, nicht von ihren Standpunkten abbringen: Die B26n werde gebaut, das neue Klinikum in Lohr sei eine gute Entscheidung gewesen, die Mobilität sei nicht nur Straßen oder ÖPNV, sie müsse "neu gedacht" werden. Gebetsmühlenartig wiederholte sie während allen Podiumsdiskussionen auch die Grundlagen für zukünftige Entscheidungen. Sie nennt es eine "Trias", ein Gleichgewicht aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem.

    Waren die Fußspuren für Vogel zu groß?

    In dieser Beharrlichkeit für ihre Positionen hob sich Sitter auch von ihrer Konkurrenz und letztlich von dem Freien Wähler Christoph Vogel ab, ihrem Konkurrenten in der Stichwahl. Der 49-jährige politische Neuling, von Beruf Verkaufsleiter bei Vogel-Druck in Würzburg, musste nach Armin Grein und Thomas Schiebel in beinahe nicht auszufüllende Fußspuren treten.

    Letzterer hätte noch einmal antreten können. Die Freien Wähler wollten aber wohl ein frisches Gesicht, nachdem Schiebel inzwischen von vielen Main-Spessartern mit den Entscheidungen zum Klinikum Main-Spessart assoziiert wird - und das obwohl sie von der CSU mitgetragen wurden. Vielleicht auch deshalb versuchte sich Vogel eher als Mediator.

    Nicht nur harmlos und nett

    Sitter dagegen konnte bei Kritik aus anderen politischen Lagern auch schon mal zurückstacheln, was den Nebeneffekt hatte, dass sie ihr Image als Harmlos-Nette auch ein Stück weit abstreifte.

    Am Ende setzte sich die Gräfendorferin in diesen kleinen Duellen so konsequent durch, dass der große Sieg niemanden mehr überraschte. Mit dem Landtagsabgeordneten Thorsten Schwab und dem Bundestagsabgeordneten Alexander Hoffmann wird sie ab Mai nun das Aushängeschild für die CSU und den Landkreis sein. Sie hat hart dafür gearbeitet. Sie hat sich den Wahlsieg erarbeitet. Doch die eigentliche Aufgabe fängt jetzt erst an. 

    Wer ist Sabine Sitter?
    Die 44-Jährige stammt aus Gräfendorf im Sinngrund. Nach dem Abitur studierte sie Soziale Arbeit in Würzburg. Im Jahr 2000 trat sie eine Stelle als Sozialpädagogin am Bezirkskrankenhaus in Lohr an. Berufsbegleitend studierte Sabine Sitter an den Hochschulen in Berlin und Coburg und machte 2007 ihren Master in Klinischer Sozialarbeit. Noch vor diesem Studienabschluss wurde sie Abteilungsleiterin für 40 Sozialpädagogen. Mit ihrem Ehemann Rolf, von Beruf Winzer, hat sie zwei gemeinsame Kinder.
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