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    Karlstadt

    Sack Zement: Politik unpolitisch verpackt

    Die Main-Post deckt auf: Die wahren Hintergründe der "Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit."

    Wie ist nur mit dieser Jugend umzugehen, die andauernd damit nervt, dass dieser Planet mehr und mehr den Bach runtergeht? Das Kultusministerium versteht was von Pädagogik. Und so kam es dort zu einem ausgefuchsten Plan: Bayerns Schulen mögen hochoffiziell die "Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit" veranstalten. Die Kinder sollen hinterfragen: "Welche Auswirkungen hat m e i n Lebensstil auf n a c h f o l g e n d e Generationen beziehungsweise auf das Leben in a n d e r e n Erdteilen? Wie ernähre ich mich richtig und wieso ist Bewegung gut für den Körper?"

    Der Lebensstil der Alten – also Lehrer, Minister und so weiter – war da hübsch ausgespart. Nicht dass am Ende Fritzchen seine Lehrerin fragt, warum sie in den Ferien in die Dom Rep fliegt. Vielmehr sollten die Kinder gefälligst lernen, sich zu zügeln. Also zum Beispiel nicht freitags Schule schwänzen, Heizung aus im Kinderzimmer und Handy mit dem Fahrraddynamo aufladen. Da haben wird sie ja schon, die Bewegung, die so gut ist für den Körper. Und apropos Pädagogik: Wenn das Thema von der Schule verordnet wird, werden die Bälger schon wenig Bock drauf haben.

    Die Rechnung ging nicht auf

    In Karscht ging dieser Schuss allerdings gründlich nach hinten los. Der Nachwuchs war mit Feuereifer dabei und fieberte die ganze Woche der Abschlussveranstaltung entgegen. Richtig: Abschlussveranstaltung. Oder noch schöner: Unterrichtsgang. Das böse Wort, das auf -ion endet, durfte auf keinen Fall verwendet werden. Und damit der Unterrichtsgang nicht wie eine Demo aussieht, durften keine Schilder hochgehalten werden. Die Schilder waren erst auf dem Marktplatz erlaubt. Klingt nicht logisch. Doch, denn dort fand die "Präsentation der Ergebnisse der Projektwoche" statt.

    Es gab also diesen Umzug, an dem 2000 Schulpflichtige teilnehmen mussten. Vorneweg ein Polizeiauto, das die Schulpflicht überwachte. Daneben ein pensionierter Lehrer, der gebetsmühlenartig die ganze Strecke von den Schulen bis zum  Marktplatz vor sich hin lamentierte: "Ist ja ein Witz so was, dürfen ihre Schilder nicht hochhalten." Und mittendrin ungefähr zwei Ordner pro Schüler, die das Plakatverbot überwachten.  

    Jury bewertet die schönsten Plakate

    Dabei hätte sich das mit den Plakaten so leicht begründen lassen: Mit einer Jury hoch oben am Sparkassenfenster, um die schönsten Schilder zu prämieren. Wahlweise hätte sie Rechtschreibfehler ahnden können. Der "Kein Flukzeuk fahren" auf sein Plakat geschrieben hatte, zu Hause 100-mal "Flugzeug" schreiben. Das wäre Pädagogik ganz im Sinne des Kultusministeriums.

    Bearbeitet von Karlheinz Haase

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