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    Homburg

    Sagen und Anekdoten darum, wie es in Homburg einstmals war

    Der Marehans auf dem Dillberg – Zeichnung von Valentina Harth.
    Der Marehans auf dem Dillberg – Zeichnung von Valentina Harth. Foto: Martin Harth

    "Kulturelles Erbe besteht nicht nur aus Steinen", sagt der Homburger Lothar Huller. Deshalb hat der Vorsitzende den Kulturverein Schloss Homburg am Main davon überzeugt, eine Sammlung von örtlichen Sagen und Anekdoten auf über 150 Seiten als Buch herauszugeben.

    Buchtitel - Zeichnung von Valentina Harth.
    Buchtitel - Zeichnung von Valentina Harth. Foto: Martin Harth

    Dazu hat Huller rund 60 Sagen und 30 Anekdoten mit so "mancherlei Sprüch" aus Homburg und der näheren Umgebung zu einem recht unterhaltsamen Heimat-Brevier zusammengetragen und niedergeschrieben. Ergänzt wurde dies um ein kleines Mundart-Glossar.

    "Das findet man auf keinem Handy"

    Denn so manches drohe heute gerade in der jüngeren Generation endgültig verloren zu gehen. "Das findet man eben in keinem Handy", stellt Huller scherzhaft fest. Vieles sei nur mündlich überliefert, wurde früher am Wirtshaustisch, am Ortsbrunnen und anderen Stellen immer wieder einmal erzählt. Manches sei verstreut schon schriftlich festgehalten worden. Die Homburger Sagen dienten in jüngster Zeit auch als Grundlage einer Wanderung, die der Carneval-Verein "Die Steeäisel" anbietet.

    Buchtitel - Zeichnung von Valentina Harth.
    Buchtitel - Zeichnung von Valentina Harth. Foto: Martin Harth

    Um die ganze Sache etwas reizvoller und ansprechender zu gestalten, hat Huller die Marktheidenfelder Zeichnerin Valentina Harth angesprochen. Neben einem Titelbild und Farbzeichnungen für den Vorsatz hat sie 20 ausdrucksstarke Motive zur Illustration der Geschichten umgesetzt. Die Karikaturistin zeigt sich in den "Sagen und Anekdoten aus Homburg am Main und Umgebung" von einer eher unbekannten, ernsthaften und oftmals expressiven Seite.

    'Hungerstee' im Main – Illustration von Valentina Harth.
    "Hungerstee" im Main – Illustration von Valentina Harth. Foto: Martin Harth

    Viele Sagen hat Huller einer Sammlung entnommen, die Hauptlehrer Georg Iff mit seinen Schülern auf hektographierten Blättern für den damaligen Heimatkundeunterricht zusammentrug. Eine weitere wichtige Quelle waren die Gedichte und Reime des Gymnasiallehrers Otto Blank. Aber es wurden auch Erinnerungen von Menschen festgehalten, die einst in Homburg einfach dazugehörten wie etwa Thekla Wolz oder Josef Bender.

    Für 7,50 Euro kann das Büchlein im roten Einband, das mit Unterstützung von Brigitte Kania und Felix Huller mit einer Auflage von 500 Stück entstand, bei Lothar Huller (Telefon: 0 93 95- 10 29) erworben werden. Der Autor will sich auch um weitere Verkaufsstellen, etwa im Marktheidenfelder Franck-Haus und Buchhandel, bemühen.

    Schtripties und Lügenfuck

    'Die verbrannten Hände' - Illustration von Valentina Harth.
    "Die verbrannten Hände" - Illustration von Valentina Harth. Foto: Martin Harth

    So sind dann die Sagen vom "Rumorer im Homburger Dorfsee", von den "Hungerstee" im Main oder vom "Beckebrünnle" nachzulesen. Natürlich fehlen auch die Legende des Heiligen Burkardus, die Sagen von der Wettenburg oder vom Marehans und den Hexen auf dem nahen Dillberg nicht. Die Geschichten haben oftmals Bezug zu benachbarten Ortschaften wie Lengfurt, Trennfeld, Rettersheim, aber auch Erlenbach, Kreuzwertheim, Dertingen, Bettingen, Holzkirchen oder Remlingen. Viele Sagen haben einen recht ernsten, oftmals traurigen Hintergrund und dienten der Vermittlung von Anstand und Moral.

    Ein Buch über Sagen und Anekdoten aus Homburg hat Lothar Huller zusammengetragen, zu dem Valentina Harth Illustrationen schuf.
    Ein Buch über Sagen und Anekdoten aus Homburg hat Lothar Huller zusammengetragen, zu dem Valentina Harth Illustrationen schuf. Foto: Martin Harth

    Bei den eher heiteren Anekdoten und Sprüchen werden manche Homburger Originale in Erinnerung gerufen. Man erfährt, wie es im Bachviertel unter den Müllersleuten einst zuging, was unter einem "Homericher Schtripties" zu verstehen ist oder wer der "Lügenfuck" einst war. Nicht jede dieser Stories ist etwas für ganz zart besaitete Gemüter. Aber es entsteht ein Bild von einer einst stark von der Landwirtschaft und vom Weinbau geprägten Dorfgemeinschaft mit ihren ganz spezifischen, oftmals eben durchaus derben Eigenheiten.

    Am Ende liest man im Glossar, wo beim Menschen die "Anke" sitzt, was ein rechter "Läushammel" ist und dass ein "Schmierlappe" keineswegs aus Stoff sein muss. Wer etwas Sinn für die Region um Homburg und für das typisch Main-/Weinfränkische hat, wird sich beim Lesen von Lothar Hullers neuem Büchlein ganz sicher glänzend amüsieren.

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