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    Karlstadt

    Sanchéz' besondere Sicht auf die Welt

    Als eine Hommage an den Freskenmaler Tiepolo sieht José Sánchez sein großes Bild im Dach der Stadtbücherei. Insgesamt sind über 80 seiner Bilder in der Hohen Kemenate bis zum 11. Januar zu sehen. Foto: Günter Roth

    Bis zum 11. Januar nächsten Jahres kann man in der Karlstadter Stadtbücherei in der Hohen Kemenate Kultur nicht nur in gedruckter Bücherform vorfinden, sondern auch als bildende Kunst von José Sánchez. Unter dem Titel "You Are What You Art" zeigt er verteilt in der gesamten Bibliothek über 80 Radierungen, Zeichnungen, Karten, Papierprägungen, Petroglyphen und Gemälde, jeweils mit seinem speziellen, meist ausgesprochen menschenfreundlichen Botschaften.

    Ist es nicht vermessen, wenn ein zeitgenössischer Künstler versucht, sich mit dem großen Maler Tiepolo zu messen? Ist es nicht, meint Sánchez, während er sichtlich vergnügt und verschmitzt vor seinem größten Werk im Spitzboden der Hohen Kemenate sitzt. "Ich will Giovanni Battista nicht ebenbürtig sein, sondern mein Bild ist eine Hommage an diesen großen Maler", sagt er. Oft und ausführlich hat er besonders das weltberühmte Deckenfresko in der Würzburger Residenz betrachtet und bewundert.

    Beim näheren Hinsehen wird die Absicht Josés deutlicher. Er hat Tiepolo auf seinem überdimensionalen Bild nicht abgekupfert, sondern mit seinen eigenen Augen interpretiert, ergänzt und ins heute transferiert. In seinem Himmel tummeln sich zwar auch die bekannten Mythen, die Putten und eine Reihe von Lichtgestalten, doch dazwischen blitzt der Schalk des Künstlers durch, wenn da ein ehemaliger US-Präsident auf einer Rakete reitet, die antike Schönheit eher lasziv in den Wolken ruht oder ein missvergnügtes Männchen in einer Höhle kauert.

    Am Broadway geboren

    José Sánchez hat in seinen Bildern eine ganz besondere Sicht auf die Welt. Er zeigt Menschen – gelegentlich auch Tiere – in ihren Beziehungen zueinander. Da ist Tanz, Musik, Rhythmus und viel Dynamik zu sehen und zu erleben. Vor allem aber Lebenslust und Lebensfreude.

    José Felipe Sánchez ist am Broadway in New York geboren und aufgewachsen. Seine Eltern kamen von der Karibischen Insel Puerto Rico. Als Glücksfall seiner Kindheit betrachtet er, dass seine Schule schon früh seine Hingabe zu Kunst, Musik und Tanz gefördert hat. Darüber hinaus konnte er in den 60er Jahren den Schmelztiegel New Yorks hautnah erleben. Seine Kindheit sieht er geprägt von Freiheit, überall auf den Straßen, Schulhöfen und Parkanlagen von Nord-Manhattan zu spielen und die vitale Kultur von Down-Town zu erleben. Großen Einfluss hat aber auch die irische Kultur seiner damaligen Umgebung auf ihn ausgeübt. Diese Erfahrungen – auch mit anderen Kulturen – spiegelt er in der Mehrzahl seiner Werke wider.

    Bei der Vernissage stellte er nur kurz seine Arbeiten vor, vielmehr begeisterte er sein Publikum mit lebhafter irisch-keltischer Musik gemeinsam mit der Gruppe "Castán". Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten der Bibliothek besichtigt werden: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag von 13 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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