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    GEMÜNDEN

    Scherenburgfestspiele: Wie man Burgschauspieler wird

    Die beiden Schauspieler Negar Mona Alizadeh, 29, und Malte Müller, 32, spielen im Kinderstück der Scherenburgfestspiele 2017 die Hauptrollen als Ronja und Birk. Sie haben gemeinsam vier Jahre lang an der Arturo Schauspielschule in Köln studiert und diese 2013 abgeschlossen.

    Alizadeh wurde als Tochter persischer Eltern in Wiesbaden geboren und wuchs in Mainz auf. Sie ist außerdem Regieassistentin in dem Stück „Kohlhiesels Töchter“, in dem sie auch zwei kleine Rollen hat. Sie ist zum ersten Mal in Gemünden.

    Müller ist in Schieder-Schwalenberg in Ostwestfalen aufgewachsen und war im vergangenen Jahr schon bei den Scherenburgfestspielen dabei. Dieses Jahr spielt er außer der Rolle des Birk den Peter im Stück „Kohlhiesels Töchter“.

    Frage: Wie kommen Sie zu den Scherenburgfestspielen? Ist es Zufall, dass Sie beide auf derselben Schauspielschule waren?

    Malte Müller: Nein, Zufall ist das nicht. Ich war ja letztes Jahr schon hier. Und Julia (Julia Kiefer, die Regisseurin von „Ronja Räubertochter“, Anm. d. Red.), die auch auf der Schauspielschule war, war ja vorletztes Jahr schon hier. Letztes Jahr ist wohl ein Schauspieler kurzfristig ausgefallen und dann brauchte man händeringend einen neuen und dann hat sie kurzerhand alle angerufen, die sie kannte. Das war dann so: ,Hörma, haste Bock zu spielen in Gemünden auf den Scherenburgfestspielen? Nächsten Dienstag geht's los.‘ Einen Tag später hab ich sie dann zurückgerufen und gesagt: ,Ja, ich mach das.‘

    Negar Mona Alizadeh: Weil wir uns kannten, hab ich mir letztes Jahr schon „Charleys Tante“ angeschaut. Im Winter wurde es ausgeschrieben, dass sie nach jemandem suchen. Dann hab ich vorgesprochen bei Marco Wohlwend, dem Regisseur von „Kohlhiesels Töchter“. Per Zufall hab ich erfahren, dass Julia auch damit zu tun hat. Die meinte: ,Ja, dich hatte ich auch im Kopf. Irgendwann kam der Anruf, dass ich die Ronja spiele und dazu die Regieassistenz für „Kohlhiesels Töchter“ übernehme.‘ Dass ich in dem Stück auch noch zwei kleinere Rollen spiele, hat sich erst hier vor Ort ergeben.

    Sie sind als Schauspieler immer auf der Suche nach Engagements?

    Beide: Ja.

    Hat man sich die Schauspielerei generell als hartes Brot vorzustellen?

    Müller: Grundsätzlich schon. Zwischen den Engagements habe ich Vollzeit im Rewe gearbeitet.

    Alizadeh: Man muss sich eigentlich stetig darum kümmern, dass man Projekte an Land zieht.

    Müller: Wenn man so ein bisschen mittelgroßes Glück hat, dann hat man einen Jahres- oder Zweijahresvertrag und ist sozialversichert. Nach Gemünden weiß ich erst mal nicht mehr, was kommt.

    Werden Festspiele wie in Gemünden zwischenrein gern genommen?

    Müller: Klar. Ich bin ja auch noch an dem Punkt, wo ich es mir nicht aussuchen kann, wo ich hingehe. Aber ich mach es natürlich gerne.

    Alizadeh: Für mich persönlich ist es völlig gleich, wo ich spiele. Hauptsache, ich darf auf der Bühne stehen.

    Der Weg zur Schauspielerei war zumindest bei Ihnen, Herr Müller, nicht der geradeste.

    Müller: Nee. Absolut gar nicht.

    Sie haben vorher eine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht, hatten aber schon an der Schule Theater gespielt.

    Müller: Aber nur ein Stück. Das hat mir Spaß gemacht, aber es war nicht so, dass ich mir dachte, das machst du auf jeden Fall.

    Wie kamen Sie dann von Bürokaufmann zur Schauspielschule?

    Müller: Eine Mitschülerin am Gymnasium war auf der Schauspielschule und hat immer wieder gemeint: Das ist alles total toll, das ist doch was für dich. Irgendwann war die Bürokaufmannausbildung vorbei, und der Plan war, dass ich BWL an einer FH studiere, aber ich war auf Warteplatz 568. Aus Spaß hab' ich im Internet mal nach „Schauspielschule“ gesucht und bei der Schauspielschule Arturo angerufen. ,Wann ist denn der nächste Probekurs?‘ ,Morgen.‘ Dann bin ich dahin gefahren, hab den Probekurs mitgemacht und den Vertrag bekommen. Zu meinen Eltern hab ich gesagt, ich kann das machen, es kostet aber 25 000 Euro. Die waren auf dem Weg in den Urlaub und haben zwei Stunden später aus dem Zug angerufen: Junge, wenn du das machen willst, dann mach das.

    Bei Ihnen lief der Weg zur Schauspielerei geradliniger, Frau Alizadeh?

    Alizadeh: Mit kleinen Umwegen. Ich hab mich schon von klein auf für Theater interessiert. Im Kindergarten war ich in Theatergruppen, in der Schule in der Theater-AG. Es war natürlich ein Schritt zu sagen, das mache ich professionell. Nach dem Probeworkshop bei der Schauspielschule Arturo hieß es von meiner Mutter. ,Ja, kannst du gerne machen, aber finanziell können wir dich nicht unterstützen.‘ Ich stand vor den Abiturprüfungen, die in der Woche stattfinden sollten, in der die Schauspielschule begann. Ich habe die Prüfungen nicht gemacht und mich dafür für die Schauspielschule entschieden.

    Wie funktioniert das Rollenlernen bei Ihnen?

    Alizadeh: Erst einmal muss der Text weitestgehend auswendig gelernt sein. Aber ich gehöre auch zu den Schauspielern, die die Spielsituation und den Spielpartner brauchen, um mir dann vollends alles zu merken. Vieles erübrigt sich durch Proben. (Müller pflichtet dem bei.)

    Kommt es oft vor, dass man auf der Bühne seinen Text vergisst?

    Alizadeh: Natürlich. Man muss improvisieren können. Wenn man in der Rolle drin ist, kriegt man schon irgendwas hin. Der Zuschauer weiß ja sowieso nicht, was an der Stelle jetzt richtig wäre.

    Müller: Es kann passieren. Es kommt aufs Stück an. Bei einem Shakespeare-Stück, wo jedes Wort sitzen muss, wird es schwierig zu improvisieren. Bei einem normalsprachigen Kinderstück kommt es jetzt nicht drauf an, ob ich sage: Trollt euch, ihr Wilddruden oder Verschwindet, ihr Wilddruden!

    Sie hätten als Birk eigentlich Perücke tragen sollen, Herr Müller.

    Müller: Das war so eine blonde Lockenperücke, aber das ging gar nicht. Da sah ich aus wie ein Mädchen. Dann wurden mir die Haare in dem Rotton gefärbt, den Undis, Birks Mutter, hat.

    Sie tragen aber keine Perücke als Ronja.

    Alizadeh: Nein. Die Haare werden zwei Stunden vorher gekreppt und auftoupiert. Wenn wir aber um 16 Uhr die „Ronja“-Vorstellung haben und abends „Kohlhiesels Töchter“, wo sie glatt sein sollen, muss ich sie mehrfach waschen, anders krieg ich sie nicht entwurstelt.

    Erkennt man Sie ein Gemünden?

    Müller: Nee.

    Alizadeh: Bei mir schon. Von den Kindern auf jeden Fall. Die, die mutig sind, sagen Hallo. Dann weiß man, dass sie in dem Stück waren. Ich wurde auch schon als „Gottfrau“ aus „Kohlhiesels Töchter“ angesprochen, dabei sage ich da ja nur diesen einen Satz: Ich möchte mit Ihnen über Gott sprechen. Genau so wurde ich am Marktplatz mehrfach angesprochen.

    Haben Sie in Gemünden und Umgebung ein bisschen was gesehen und erlebt?

    Alizadeh: Wir haben viele Feste mitgenommen: die Spessartfestwoche, das Heimatfest, das Klein-Venedigfest hat mir besonders gut gefallen. Dann waren wir beim Saale-Musicum. Das Schöne ist, dass man viele Gesichter wiedererkennt.

    Müller: Auf dem Feuerwehrfest waren wir noch. Gleich am Anfang.

    Alizadeh: So gut wie jeden Besuch hab ich mal auf die Homburg geschleppt, weil ich die selber so schön finde.

    Wird man euch nächstes Jahr wiedersehen in Gemünden?

    Alizadeh: Ich würde es mir sehr wünschen.

    Müller: Ja, auf jeden Fall sehr gerne wieder.

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