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    Neustadt am Main

    Schon in den 1980ern ökologisch gebaut: Fachwerkhaus in Neustadt

    Winfried und Gabriele Rüb haben in Neustadt ein ökologisches Fachwerkhaus gebaut. Foto: Björn Kohlhepp

    In Neustadt gab es "große Augen", als er und seine Frau Gabriele von 1986 bis 1989 ihr Fachwerkhaus errichteten, es mit dunklen Heraklithplatten versahen und mit Kork dämmten, berichtet Winfried Rüb. Ökologisches Bauen war zu jener Zeit, als ungedämmte Steinhäuser entstanden, ungewöhnlich. Aber für die junge Familie war ein behagliches Raumklima ohne Dinge wie ausdünstende Teppiche wichtig. Die Umwelt liegt dem seit Jahrzehnten im Bund Naturschutz engagierten 64-Jährigen sowieso am Herzen.

    Das Dach der Holzhalle ist begrünt

    Im Vorgarten stehen Bienenstöcke. Das Dach der Holzhalle neben dem Haus ist begrünt. Die letzten Meter hoch zur Haustür im ersten Stock führen über eine knarzende überdachte Holztreppe. Ein intensiver Geruch nach Holz umgibt den Besucher. Auch im Vorraum ist alles mit Holz verkleidet. Man fühlt sich, als betrete man eine Skihütte. Im Wohnzimmer ist der Boden aus genagelter Eiche, ein großer Specksteinofen fängt den Blick. Auch an der Innenseite der Außenwände sieht man das Fachwerk. Balken sind an der Decke, darüber ein Holzboden. "Behaglichkeit" war ihnen wichtig, sagt Winfried Rüb. Das ist ihnen gelungen.

    Im Garten stehen mehrere Bienenvölker und das Dach der Holzhalle ist begrünt. Foto: Björn Kohlhepp

    Wofür es die "Grüne Hausnummer" gibt

    Das Haus der Rübs wurde wie eine Reihe anderer Hauser im ganzen Landkreis Main-Spessart dieses Jahr vom Landratsamt mit der "Grünen Hausnummer" ausgezeichnet. Damit sollen private Bauherren für ökologisches Bauen und grüner Gartengestaltung honoriert werden. Die Rübs haben sowohl ökologisch gebaut als auch einen Garten, der ökologisch bewirtschaftet wird und der Insekten und anderen Tieren jede Menge Nahrung und Platz bietet.

    Ingenieur Rüb, in Wiesenfeld geboren, in Sendelbach und Steinbach aufgewachsen, erzählt, dass er sich schon Jahre vor dem Hausbau "intensiv für Umwelt- und Naturschutz interessiert" habe. 1983, als er bei Daimler arbeitete, war er auch Mitgründer einer Bund-Naturschutz-Ortsgruppe in Rommelshausen bei Stuttgart. Auch heute noch ist er im BN aktiv.

    Auf einer selbst errichteten Buntsandsteinmauer steht ein Staketenzaun aus Kastanie. Foto: Björn Kohlhepp

    Das Holz für das Haus sollte möglichst aus der Nähe stammen und die eingesetzten Produkte für den Menschen nicht schädlich sein, war die Devise. Gedämmt wurde mit Korkplatten. Rüb wundert sich heute noch, dass er die einfach bei der Baywa kaufen konnte. Der Baustoffhändler habe sie für ihn extra mit einem Lastzug aus Portugal geholt. Statt Lehm nahm er für die Ausfachungen des Fachwerks Heraklith-Putztrageplatten aus Mörtel und Holzspänen. Verputzt wurde mit Kalkputz. An der Nord- und Westseite hat das Haus eine Bretterverschalung mit Dämmung als Windschutz. Das Dach ist auf den Sparren mit Brettern und zwölf Zentimeter starken Korkplatten gedämmt. Heute sind gedämmte Dächer eine Selbstverständlichkeit. Damals waren sie es nicht.

    Was selbst Fachleute zum Staunen brachte

    Das Haus entstand mit viel Eigenleistung. Innen machten sie außer der Elektrik, der Heizung und den Fliesen praktisch alles selbst. Der Vater Rübs, ein Bau- und Möbelschreiner, war hier eine große Hilfe und habe ihm viel beigebracht, sagt der Sohn. Selbst Leute vom Fach staunten heute über die fachmännische Anbringung der Fichtendielen im zweiten Stock. "Da ist bis heute kein Spalt drin."

    Im Garten gibt es viel Grün. Foto: Björn Kohlhepp

    Gabriele Rüb, die aus Neustadt stammt und früher Tontechnikerin beim Hessischen Rundfunk  war, kümmerte sich während des Baus um die Organisation, die Abrechnung, den Garten – und vor allem um die kleinen Kinder. Vier haben sie insgesamt. Bei der ersten Besichtigung ihres Zimmers sei ihre damals dreijährige Tochter plötzlich in Tränen ausgebrochen: "Mein Zimmer hat lauter Löcher." Das Fachwerk war da noch nicht ausgefacht. Die Tochter wollte ein anderes.

    Heizen mit zwei Specksteinöfen

    Die Innenmauern im Haus sind mit Ziegelsteinen ausgemauert als "träge thermische Masse", wie Winfried Rüb sagt. Die massiven Mauern halten die Temperatur einigermaßen stabil – im Winter halten sie die Wärme, im Sommer sorgen sie dafür, dass sich das Haus nicht zu sehr aufheizt. Beim Heizen ist das Haus zweigeteilt: Im Wohnzimmer und Küche stehen zwei Specksteinöfen, die nur drei bis vier Stunden am Tag mit Holz befeuert werden müssen und dann den ganzen Tag über Wärme abgeben. Zentralheizung mit Flüssiggas gibt es nur in den weiteren Räumen.

    Der große Specksteinofen im Wohnzimmer der Rübs. Foto: Björn Kohlhepp

    Im weitläufigen Garten stehen rund 20 Obstbäume, es gibt einen Gemüsegarten, einen Teich, eine Blumenwiese, viele Stauden, Bienenstöcke, eine Brennnesselecke und ein neu gedecktes altes Gartenhäuschen mit Walmdach. Bei der Neustadter 1250-Jahrfeier gab es hier Schmetterlingsführungen.

    Wie Winfried Rüb sich für die Natur engagiert

    Das Ehepaar Rüb erzählt begeistert von der Schmetterlingsvielfalt, wenn die Blumen in voller Pracht stehen. "Man kann die Tiere anlocken", sagt Winfried Rüb, der vor fünf Jahren mit der Imkerei angefangen und eine Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer gemacht hat. Bei der Jahrfeier hat er außerdem den Bau von Brutröhren für Wildbienen betreut. Erst ein Jahr alt ist der Staketenzaun aus gespaltenem Kastanienholz, der auf einer selbst gemauerten Buntsandsteinmauer steht, hinter der der Mühlbach fließt.

    Einen Gartenteich gibt es auch. Foto: Björn Kohlhepp

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