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    Lohr

    Schon wieder Vorfreude auf die "richtige Schule"

    Interview per Skype: Luzia, Gustav und Frieda Renn (von links) haben einen gut strukturierten Tagesablauf daheim. 
    Interview per Skype: Luzia, Gustav und Frieda Renn (von links) haben einen gut strukturierten Tagesablauf daheim.  Foto: Gabi Nätscher

    Die erste Woche ungeplanten Unterrichtsausfalls an Schulen und Kitas wegen der Corona-Krise ist mittlerweile vorbei. Wir sprachen mit Schülern und Eltern aus der Region, wie sich nun das Leben daheim gestaltet.

    Gleich drei Grundschulkinder hat Carmen Renn aus Rodenbach. Sie ist Fachlehrerin für Metalltechnik an der Berufsschule Main-Spessart in Lohr und teilt sich jetzt die Kinderbetreuung mit ihrem Mann, die beide jetzt im Homeoffice arbeiten. "Ich habe den Kindern am Freitag schon Taschen für die Unterrichtsmaterialien mitgegeben, weil das eigentlich schon vorher bekannt war", antwortet sie auf die Frage, ob die Schulschließung letztendlich überraschend für die Familie gekommen sei.

    "Wir machen auch Pausen"

    Die dreifache Mutter setzt nun auf einen gut strukturierten Tagesplan mit Luzia (9 Jahre), Frieda (8) und Gustav (7). "Wir stehen eigentlich fast wie sonst auch auf und sitzen nach dem Frühstück dann so gegen acht Uhr gemeinsam am Tisch zum Arbeiten. Die Unterlagen für die Kinder sind von den Lehrern sehr gut vorbereitet worden und meist online abrufbar. Mein Jüngster hat auch schon eine komplett ausgearbeitete Mappe mit heim bekommen. Ergänzungen kommen noch per Mail oder auch Filme komplettieren das Unterrichtsmaterial. Eine gewisse Regelmäßigkeit hat sich eigentlich sehr schnell eingestellt. Wir machen auch Pausen, eben genau wie in der Schule. Wir suchen uns auch noch Wahlfächer aus, wie Kochen und Backen, oder wir basteln etwas. Am Nachmittag gehen wir dann raus, weil die Kinder auch viel Bewegung brauchen.

    Auch bei den Sportvereinen seien die Tätigkeiten ja eingestellt worden, aber zum Beispiel von der Abteilung Geräteturnen des TSV hätten die Kinder "super ausgearbeitete und abwechslungsreiche" Anleitungen für ein Training draußen und drinnen bekommen. "Da finden dann ja auch wieder Wettkämpfe statt, da müssen sie weiterhin fit sein", meint Renn dazu. Weiter fällt ihr vor allem auf, dass die Bereitschaft zu helfen unter den Eltern sehr groß sei.

    Am Schlimmsten für die Kinder sei, dass sie ihre Freunde nicht treffen könnten, berichtet Carmen Renn noch. "Aber verstanden, warum das so ist, haben sie schon." So meint auch Frieda: "Es ist daheim ganz okay, aber nicht schön, dass meine Freunde nicht dabei sind. Die Schule ist einfach abwechslungsreicher." Luzia findet die Situation "gut und schlecht". Sie freut sich auch schon wieder auf die »richtige Schule«. Mutter Carmen ist sehr zufrieden mit den Kleinen: "Sie arbeiten schön mit und haben auch die Situation verstanden. Langeweile kommt eigentlich noch keine auf, das Pensum der Schule ist schon groß."

    Ebenfalls "ausgelastet" fühlt sich die 17-jährige Eva Nätscher aus Wombach. Sie geht in die Q11 des Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasiums in Lohr. Hier wird ebenfalls auf das Internet gesetzt. "Wir bekommen den ganzen Unterrichtsstoff und die Hausaufgaben, das ist schon ganz schön viel. Ich schaffe das Pensum nur, wenn ich nachmittags auch arbeite", sagt sie. Manchmal sei es auch schwierig, sich einen Stoff ohne Lehrer zu erarbeiten. Wissen würde sie gerne, auf welchen Zeitpunkt die Klausuren verschoben worden sind.

    "Ich werde selbstständiger"

    Wie Eva Nätscher arbeitet auch die 14-jährige Marlene Emrich aus Sackenbach komplett in Eigenverantwortung. Von den Lehrern der 9. Klasse des Theodosius-Florentini-Gymnasiums in Gemünden bekommt sie tägliche oder Wochenaufträge über eine sichere Schulplattform. "Wir schicken unsere Arbeiten den Lehrern zu und die korrigieren dann auch. Oder man bekommt auch die Lösungen zugeschickt. Man kann und muss relativ frei arbeiten." Marlene hat sich schnell damit arrangiert, "von zuhause zu arbeiten". "Ich habe mich jetzt daran gewöhnt. Ich lerne dadurch auch dazu und werde selbstständiger", findet sie etwas Positives.

    Mit Freunden bleiben die beiden Älteren per WhatsApp in Kontakt, aber Treffen sind komplett tabu. Alle Interviewten sind sich einig, dass die drei Wochen bis zu den Osterferien "überschaubar" und "zu meistern" seien. Aber danach sollte es doch wieder "normal" weitergehen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber ich würde gerne in die Schule gehen." Eva Nätscher spricht es lachend aus.

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