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    Zellingen

    Schuldenstand zu hoch: Viele Projekte verschoben

    Ein zu erwartender Schuldenstand von über zwölf Millionen Euro zum Jahresende 2022 erschien dem Landratsamt Main-Spessart zu hoch für den Markt Zellingen. Deshalb genehmigte es die am 10. März vom Gemeinderat verabschiedete Haushaltssatzung nicht und gab der Gemeinde "Gelegenheit, die geplanten Investitionen noch einmal zu überdenken".

    Der erste Versuch dazu mit den Fraktionssprechern, dem Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses und den Bürgermeister reduzierte den Schuldenstand zum Ende des Finanzierungszeitraumes 2020 bis 2022 von 12,33 aus 8,28 Millionen Euro. Das genügte dem Landratsamt aber nicht. Die resultierende Pro-Kopf-Verschuldung dürfe den Landesdurchschnitt deutlich weniger als 100 Prozent überschreiten, hieß es in der Sitzung des Gemeinderates zu diesem Thema. Sie betrug zum 31. Dezember 2017 bei vergleichbaren Gemeinden 679 Euro je Einwohner, nach der ersten Überarbeitung wären es für Zellingen 1302 Euro gewesen, was fast 92 Prozent über dem Jahresdurchschnitt lag. Am Ende der Beratung in der Sitzung ergab sich eine Schuldenprognose von 7,4 Millionen Euro, entsprechend 1164 Euro je Einwohner und knapp 72 Prozent mehr als der Landesdurchschnitt.

    Die Sparmaßnahmen

    Als Sparmaßnahme verschob der Gemeinderat drei Projekte, die mit Hilfe der Städtebauförderung finanziert werden sollen, in den nächsten Finanzierungszeitraum ab 2023. Das sind der Querverbund Turmstraße – Leinacher Bach (insgesamt 225 000 Euro), die Neugestaltung der Vorstadt zwischen Leinacher Bach und Friedhof (275 000 Euro) und die Umnutzung von Altgebäuden (225 000 Euro). Umgesetzt werden sollen 2019 die Projekte mit Städtebauförderung in der Würzburger Straße 10 und der Würzburger Straße 26/27 inklusive Abbruch der Halle. Die Parkplatzanlage in der Gartenstraße und die bei der Neugestaltung des Rathausumfeldes geplanten Parkplätze werden zunächst nur geschottert.

    Die teure Sanierung der Friedrich-Günther-Halle wird um ein Jahr geschoben, heuer sind noch 200 000 Euro für Fachplanung und Architekt angesetzt, 2020 für das VGV-Verfahren 150 000 Euro. Die Förderung hat sich um 200000 auf 1,8 Millionen Euro reduziert, zusätzlich könnte es bis zu 200 000 Euro FAG-Mittel für die Nutzung im Schulsport geben.  Die eigentliche Sanierung ist 2021 und 2022 mit je 2,68 Millionen Euro eingeplant. Ebenfalls um Jahr verschoben auf 2021 und 2022 mit je 310 000 Euro wurde die Gebäudesanierung des Zellinger Bauhofes.

    Neues Feuerwehrhaus erst 2022

    Der Neubau des Feuerwehrhauses Retzbach wurde auf 2022 verschoben mit einem Ansatz von  220 000 Euro für den Baubeginn, 10 000 Euro stehen in diesem Jahr für die Tiefbauplanung und je 30 000 Euro für den Unterhalt des jetzigen Feuerwehrhauses in den nächsten beiden Jahren zur Verfügung. Für die Grundschule in Retzbach sind die nächsten drei Jahre je 30 000 Euro für den Unterhalt eingeplant (statt 200 000 Euro im Jahr 2020).

    Für den neuen Kindergarten in Retzbach wurden die Kosten bis Ende 2020 neu verteilt, heuer sind  550 000 Euro und 2020 2,38 Millionen Euro vorgesehen, vorher waren es 1,8 Millionen Euro dieses und 2,8 Millionen Euro nächstes Jahr. Für 2022 bleibt es bei 2,45 Millionen Euro. Über eine Kostenbeteiligung der bischöflichen Finanzplaner wird die Gemeinde nochmal verhandeln, zuletzt wollte die Kirche nichts mehr bezahlen.  Für den Kindergartenneubau werden zwischen 1,7 und 3,4 Millionen Euro an Fördergeldern erwartet.

    Generalsanierung Zellinger Kindergarten

    Zeitlich danach soll der Zellinger Kindergarten angegangen werden, für die Generalsanierung 2022 sind zwei Millionen Euro vorgesehen. Sie wurde verschoben, weil das nötige VGV-Verfahren dieses Jahr nicht mehr beginnen kann. 2019 sind noch 50 000 Euro eingeplant, in den nächsten beiden Jahren je 100 000 Euro. Die Ansätze für die Kinderspielplätze wurden auf heuer 10000 Euro reduziert,nächstes Jahr sind  50 000 Euro aufgrund der Ausstattung des neuen Spielplatzes im Baugebiet "an der Kapelle" vorgesehen, danach jährlich noch 20 000 Euro.

    700 000 Euro Mehrkosten

    Für die Sanierung des Rathauses sind jetzt knapp 1,5 Millionen Euro eingeplant, davon 200 000 Euro in diesem Jahr für die Planung, danach in zwei Jahren je 640 000 Euro. Die aktuelle Kostenschätzung des Planers ergibt gegenüber den Zahlen vom März rund 700 000 Euro Mehrkosten. Gespart werden soll das Geld für die Container bei der Auslagerung des Bauamtes wegen der Schimmelsanierung, mehrere Fraktionen schlugen einen Umzug in eine der beiden leerstehenden gemeindlichen Wohnungen am Schulplatz vor.

    Vorerst nicht rütteln will der Gemeinderat am kommunalen Förderprogramm für private Umbauten in den Altortbereichen, es bleibt bei einer Bedarfsposition von 200 000 Euro im Jahr, über eine Verlängerung des Programms wird nächstes Jahr entschieden. Das Budget der Gemeinde zum Kauf alter Häuser und Grundstücke im Altortbereich wird ab 2020 um 50 000 auf je 100 000 Euro reduziert, heuer beträgt es noch 220 000 Euro.

    Sanierung Kläranlage Duttenbrunn

    Für die Sanierung der Kläranlage Duttenbrunn sind nur noch je 10 000 Euro für Untersuchungen und Bauunterhalt geplant. Vorher waren für die Sanierung eines Beckens 250 000 Euro angesetzt, diese erfolgt laut Bürgermeister Werner Küffner nicht vor 2021 wenn überhaupt (ein Anschluss an die Kläranlage Birkenfeld wäre auch denkbar).

    Aus dem Verkauf von Bauplätzen rechnet Kämmerin Anna Gehrig ab 2020 mit 750 000 Euro im Gebiet "Dürre Wiese Neubrunn" und einer guten Million in der "Kapelle" in Zellingen.

    Das Investitionsprogramm sieht nun für 2019 keine neuen Kredite und für die nächsten drei Jahre Kreditaufnahmem von rund 415000, 3,5 Millionen und 4,4 Millionen Euro vor.

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