• aktualisiert:

    Marktheidenfeld

    Schwimmendes Osterei auf dem Main

    Blick auf die Schwimmer der Wasserwacht Marktheidenfeld von der neuen Mainbrücke aus. Sie formierten sich in Begleitung der Boote zu einem "Osterei". Foto: Dorothea Fischer

    Trotz der frühsommerlichen Temperaturen würde wohl kaum jemand auf die Idee kommen, jetzt die Freibadsaison zu eröffnen. Ganz unabhängig vom Wetter "planschen" unerschrockene Schwimmer der Wasserwacht jedes Jahr am Ostermontag im Main. Derzeit hat der Fluss an der Oberfläche eine Temperatur von etwa zehn Grad Celsius, schätzte Tobias Kallenbach. Er hatte gut lachen, denn er führt dieses Jahr das Begleitboot und außer seinem Finger wird vermutlich nichts nass.

    Im Vergleich zu anderen Jahren war diese Wassertemperatur tatsächlich hoch. "Wir sind auch schon bei viel kälterem Wasser geschwommen", erinnerte sich Stephanie Glaser. Sie war heuer ebenfalls nur Zuschauerin. Vor 25 Jahren organisierten Karl-Heinz Pilsl und Herbert Müller, die Vorsitzenden der Ortsgruppe Wasserwacht Marktheidenfeld, zum ersten Mal das Osterschwimmen. Seitdem wagen sich jedes Jahr Jugendliche und ihre Trainer in das kühle Nass.

    Die Strecke flussabwärts von Hafenlohr nach Marktheidenfeld zur Unterkunft der Wasserwacht an der Rothenbücher Wiese beträgt fast vier Kilometer. Die Schwimmer tragen Neoprenanzüge und Handschuhe, um zumindest größtenteils vor dem Wasser geschützt zu sein. Für ungeübte Schwimmer kann der Aufenthalt im Main tödlich sein. Selbst wenn er oberflächlich gesehen ruhig fließt, gibt es nicht sichtbare Unterströmungen oder Strudel, die einen in die Tiefe ziehen können. Sie treten oft an Buhnen oder Brückenpfeilern auf.

    Vor dem Start erinnerten Trainer und Wasserretter daran, den Hindernissen nicht zu nahe zu kommen. Sie hatten einen Gurtretter und einen Wurfsack mit Leine für den Notfall dabei. Sollte der eintreten, standen zwei Begleitboote der Wasserwacht Marktheidenfeld bereit. Diese werden seit vielen Jahren von den Kollegen aus Kreuzwertheim sowie vom Technischen Hilfswerk (THW) beim Osterschwimmen unterstützt.

    Die drei Jugendlichen und ihre Begleiter sind selbstverständlich erfahren und absolvieren wöchentlich ihr Schwimmtraining - wenn auch im Bad der Grundschule und nicht im Main. Nach den Instruktionen ging es an der ehemaligen Anlegestelle der Fähre mit unsicheren Schritten ins Wasser. Die Flossen unterstützen beim Schwimmen, sind jedoch für das Laufen auf den Steinen am Grund ungeeignet. Jetzt nur noch an das Wasser gewöhnen. "Wenn es zum ersten Mal kalt im Nacken unter den Anzug und den Rücken hinunterläuft, ist das ziemlich unangenehm", erklärte Glaser.

    Die Schwimmer ließen sich treiben, machten einen Zug. Waren alle da? Dann konnte es los gehen. "Patsch!", rief der Chef der Truppe. Die anderen: "nass!" Nach dem dreimaligen Schlachtruf noch ein letzter Wink in Richtung der etwa 30 Passanten, die neugierig dem Spektakel zusahen. Heuer dauerte die Schwimmzeit weitaus länger als die angesetzte halbe Stunde. Denn die Flussströmung war eher gemächlich.

    Viel Verkehr war am späten Vormittag nicht auf der Wasserstraße. Noch vor dem Start fuhr der Frachter "Johannes" vorbei. Am Ortsausgang von Hafenlohr überholte ein gelbes Kajak die Gruppe. In der Schleuse Lengfurt wird gegen 11.30 Uhr ein Schiff erwartet, hieß es via Funk. Kurz vor der neuen Mainbrücke bei Marktheidenfeld formierten sich die Schwimmer zur Freude der Zuschauer - wie könnte es an diesem Feiertag anders sein – zu einem "Osterei". Dann sammelten sie ihre Kräfte für das letzte große Stück bis zur Rothenbücher Wiese.

    Blick auf die Schwimmer der Wasserwacht Marktheidenfeld von der neuen Mainbrücke aus. Foto: Dorothea Fischer
    Nach dem ersten Gewöhnen an das zehn Grad Celsius kalte Wasser machten sich die Schwimmer auf ihren Weg flussabwärts in Richtung Marktheidenfeld Foto: Dorothea Fischer
    Blick auf die Schwimmer der Wasserwacht Marktheidenfeld von der neuen Mainbrücke aus. Sie formierten sich zu einem "Osterei". Foto: Dorothea Fischer

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!