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    Seifriedsburg

    Seifriedsburg: Weniger Dünger, weniger Nitrat im Wasser

    Noch wird in Seifriedsburg der Grenzwert für die Nitratbelastung im Wasser eingehalten. Die Stadtwerke Gemünden werden trotzdem tätig. 15 Landwirte ziehen mit.
    Das Kommunalunternehmen Stadtwerke Gemünden hat im Stadtteil Seifriedsburg mit Landwirten ein Pilotprojekt begonnen, um das Trinkwasser zu schützen und die Nitratwerte nicht steigen zu lassen. Foto: Michael Mahr

    Die Nitratbelastung des Trinkwassers ist für Deutschland ein wichtiges Thema. Die Bundesrepublik wurde von der EU-Kommission verklagt, weil die Bundesregierung nach deren Ansicht bislang keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen hat, den Nitrateintrag ins Grundwasser zu verringern. Der Europäische Gerichtshof ist dieser Einschätzung gefolgt. Er hat Deutschland verurteilt. Es drohen Strafzahlungen von mehr als 850.000 Euro pro Tag, wenn die Bundesregierung die Kommission nicht mit weiteren Maßnahmen bis März überzeugt, dass sie genügend tut, um die Nitratrichtlinie der EU einzuhalten.

    Das Kommunalunternehmen Stadtwerke Gemünden geht die Sache anders an als die Bundesregierung. Man will schon etwas gegen die Nitratbelastung im Wasser tun, bevor man dazu verdonnert wird, wie es etwa den Nachbargemeinden des Werntalprojekts erging. „Wir wollen es nicht so weit kommen lassen“, sagt der Technische Leiter Henry Bürgermeister. Im Stadtteil Seifriedsburg hat das Kommunalunternehmen deswegen heuer ein Pilotprojekt gestartet. In der Bürgerversammlung im Ort stellte es Bürgermeister erstmals der Öffentlichkeit vor.

    Ausgleichszahlungen für Verzicht auf Dünger

    Das Kommunalunternehmen bietet allen, die im Wasserschutzgebiet östlich des Ortes landwirtschaftliche Flächen bewirtschaften, Ausgleichszahlungen an, wenn sie sich freiwillig zu einem reduzierten Düngereinsatz verpflichten. So wird unter anderem die Gülleausbringung reglementiert oder der Anbau bestimmter Pflanzen empfohlen. Eine hohe Nitratbelastung des Grundwassers im ländlichen Raum dürfte laut Umweltbundesamt in den meisten Fällen auf zu hohe Stickstoffeinträge aus der Düngung zurückzuführen sein.

    Schild am Beginn des Wasserschutzgebiets bei Seifriedsburg. Foto: Michael Mahr

    In Seifriedsburg schwankt der Nitrat-Messwert um die 44 Milligramm pro Liter, informierte Bürgermeister. Er sei erhöht, aber noch nicht zu hoch. Mit dem Pilotprojekt will man den Wert senken, weil er nur knapp unter dem von der EU festgelegten Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter liegt.

    Würde man mit Maßnahmen erst abwarten, bis der Grenzwert überschritten ist, wäre man gezwungen, viel Geld auszugeben, um das Wasser so zu behandeln, dass es weiter als Trinkwasser genutzt werden kann. Lieber wendet man präventiv Geld auf, um Anreize für die Landwirte zu bieten, und setzt darauf, dass man so die teure Wasseraufbereitung spart.

    Pilotprojekt abgestimmt mit Regierung von Unterfranken

    15 Haupt- und Nebenerwerbslandwirte beteiligen sich an dem Pilotprojekt, darunter einige, die ihre Flächen ökologisch bewirtschaften. Das Projekt hat das Kommunalunternehmen mit der Regierung von Unterfranken abgestimmt, mit Peter Schwappach, dem Leiter des Bereichs Landwirtschaft und Forsten. Seifriedsburg bot sich nicht nur wegen der relativ hohen Nitratwerte im Wasser für das Projekt an, sondern vor allem, weil der Stadtteil noch über eine eigenständige Wasserversorgung verfügt. Sie ist nicht mit der für die anderen Stadtteile zusammengeschlossen.

    Überprüfen wird das Kommunalunternehmen die Situation im Wasserschutzgebiet durch Bodenproben. Jeweils im Frühjahr und im Herbst soll der Stickstoffgehalt des Bodens untersucht werden. Nitrat ist ein Stickstoff enthaltendes Salz. Es kann im Körper zu Nitrit und das zu krebserregenden Nitrosaminen umgewandelt werden. Als Basiswert für den Nitratgehalt seien 350 Kilogramm pro Hektar festgelegt worden, erläutert Henry Bürgermeister im Gespräch mit der Redaktion. Wird der erreicht, gibt’s für die beteiligten Landwirte eine Prämie vom Kommunalunternehmen. Wird er überschritten, gibt es kein Geld. Wird er unterschritten, gibt’s eine höhere Prämie, so Bürgermeister.

    Zahlung heuer unabhängig vom Ergebnis der Bodenproben?

    Zwar sind die Bodenproben für den Herbst im Oktober genommen worden, die Auswertung dauert aber noch bis Dezember. Bürgermeister geht trotzdem schon jetzt davon aus, dass es schwierig sein wird, zu ermitteln, ob die Landwirte den Basiswert für den Stickstoffgehalt im Boden erreichen.

    Das liege aber nicht an ihnen, sondern am Wetter, erläutert er. Weil es im Lauf des Jahres zu trocken war, seien die Pflanzen nicht so gediehen wie normal. Gedüngt worden sei vorher jedoch trotzdem. Je weniger Niederschläge es gebe, desto schwerer sei es, zu ermitteln, wie viel von dem ausgebrachten Dünger ungenutzt im Boden verblieben ist, so Bürgermeister.

    Das Kommunalunternehmen erwägt deswegen, die Prämie heuer unabhängig von den womöglich nicht aussagefähigen Ergebnissen der Bodenproben auszuzahlen, informierte Bürgermeister, „als Motivationsanreiz“ für die Landwirte, sich weiter an dem Projekt zu beteiligen.

    Der Gemündener Stadtteil Seifriedsburg im Herbst. Foto: Michael Mahr

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