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    Steinbach

    Seltene Schlange verendet auf einem Radweg bei Steinbach

    Diese tote Würfelnatter wurde auf dem Radweg bei Steinbach gefunden.  Foto: Torsten Ruf

    Wie kommt es, dass eine sehr seltene Würfelnatter, die mit 107 Zentimetern rekordverdächtig groß war, verendend auf einen Radweg bei Steinbach liegt? Dort gibt es in der Natur kein Vorkommen dieser Art, die in Deutschland nur noch im Nahetal und an der Mosel lebt. Mit dem Rätsel hat sich Naturschützer Torsten Ruf beschäftigt, der von den Findern informiert worden war.

    Die ungiftige Würfelnatter sei am vergangenen Dienstag bei Sonnenschein auf dem Radweg auf Höhe der Folientunnel nach der Staustufe Steinbach gefunden worden, berichtete der Ortsvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) im Gespräch mit unserem Medienhaus. Das Weibchen habe beim Fund noch gelebt, Blut sei aus dem Maul getropft. Er nehme an, dass sie ein Opfer des Radverkehrs geworden sei.

    Sehr großes Exemplar

    Die Größe von 107 Zentimetern sei sehr stattlich. Das längste bislang entdeckte Exemplar habe seines Wissens nur 103 Zentimeter gemessen. Die Schlange kann nach Rufs Ansicht nur aus einem Terrarium stammen. Ob die Haltung legal war, wollte Ruf offen lassen. Das Landesamt für Umwelt habe ihm mitgeteilt, dass es auch für solche seltenen Schlangen legale Zuchten geben könne.

    Das sieht Ruf sehr kritisch: Entnahmen von Würfelnattern, um sie zur Zucht in Terrarien zu halten, gefährdeten die Populationen, aus denen sie genommen würden. Gelangten die Tiere dann in eine fremde Fauna, verfälschten sie diese. Würfelnattern gehörten zu den seltensten Schlangen Deutschlands.

    Ausgesetzt oder entwichen

    Das Steinbacher Tier sei entweder ausgesetzt worden oder entwichen. Eine Flucht schließe er aber eher aus. Womöglich handle es sich auch um die Schlange, die im Sommer entdeckt und in das Hans-Schönmann-Biotop (eine der alten Steinbacher Kiesgruben) gebracht worden sei. Dann sei sie wohl in Richtung Main gewandert. Würfelnattern gingen zum Jagen auch längere Wege.

    Ein natürliches Vorkommen bei Steinbach schließt der BN-Ortsvorsitzende aus. "Wir haben hier gar nicht die Habitatstruktur für Würfelnattern", sagte Ruf.

    Die Art sei eine typische "Wasserschlange", sie bevorzuge natürliche Fließgewässer und Auen, "die gibt es bei uns kaum noch". Der Main wäre für sie kein Lebensraum. Natürliche Vorkommen gebe es in Süd- und Südosteuropa. Ruf sind keine Funde seltener Schlangen in der Region in den letzten Jahren bekannt. Die Steinbacher Würfelnatter sei ein "absoluter Einzelfall".

    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

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