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    Lohr

    Senioren planen Protest gegen Bahn

    Die Kritik an den Zuständen rund um den Lohrer Bahnhof reißt nicht ab. Auch bei der Vollversammlung des Lohrer Seniorenbeirates gab es nun reichlich Unmutsäußerungen. Die Senioren planen nun gar eine Protestaktion. Das Bild zeigt das seit geraumer Zeit verschlossene Bahnhofsgebäude. Unmut gibt es aber auch wegen fehlender Barrierefreiheit und Toiletten.  Foto: Johannes Ungemach

    Die Kritik an den Zuständen rund um den Lohrer Bahnhof reißt nicht ab. Nachdem bereits bei der Lohrer Bürgerversammlung am Dienstag der Niedergang der Station ein zentrales Thema war, gab es am Donnerstag bei der Vollversammlung des Seniorenbeirates der Stadt erneut geharnischte Unmutsäußerungen.

    So groß war der Zorn einiger, dass der Aufruf zu einem Bahnboykott laut wurde. Die Vertretung der Lohrer Senioren jedenfalls will das Desinteresse der Deutschen Bahn an den Zuständen auch am hiesigen Bahnhof nicht mehr länger tatenlos hinnehmen. Sie planen nun für den 8. Juli eine Protestaktion vor dem Rathaus. Dann wird der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Bayern auf Einladung von Bürgermeister Mario Paul zu einer Art Krisengipfel nach Lohr kommen.

    Georg Ludwig Hegel, der Vorsitzende des Seniorenbeirates, schilderte eindringlich, wie katastrophal die Zustände am Lohrer Bahnhof gerade für Senioren und Menschen mit Behinderungen sind. Er selbst müsse aufgrund einer körperlichen Einschränkung bei Radtouren auf die Bahnhöfe in Langenprozelten oder Partenstein ausweichen. Die fehlende Barrierefreiheit der Bahnsteige mache es ihm unmöglich, sein Rad alleine ein- oder auszuladen.

    Zur Notdurft in die Büsche

    Doch das sei längst nicht das einzige Problem, so Hegel. Er schilderte die Ankunft einer Gruppe älterer Damen nach längerer Anfahrt am Lohrer Bahnhof. Da es dort keine Toilette gebe, hätten diese sich in ihrer Not »in die Büsche schlagen« müssen. Er schäme sich gegenüber Besuchern für die Zustände am Bahnhof, sagte Hegel, nachdem er noch einige weitere Mängel aufgezählt hatte.

    Bürgermeister Mario Paul pflichtete ihm bei. Die Bahn ziehe sich aus ihren Aufgaben zurück, »obwohl die Reisenden ihre Kunden sind«. Die Kritik an den Zuständen lande regelmäßig bei der Stadt. Diese sei für den Bahnhof jedoch nicht zuständig, so Paul. Und sie habe auch nicht das Geld, um außerhalb ihrer Zuständigkeit am Bahnhof zu investieren.

    Paul: Absoluter Stillstand

    »Alle stehen da, keiner tut was«, sagte Paul und sprach von einem »Zustand, der nervt«. Man habe den Eindruck, dass am Bahnhof »absoluter Stillstand« herrsche. Auch der Investor, der das Gebäude vor einigen Jahren gekauft hat und dort Wohnungen schaffen will, wisse offenbar »nicht so recht, was das Richtige ist«, so Paul.

    An den Seniorenbeirat appellierte der Bürgermeister, sich zum Ärgernis Bahnhof deutlich zu positionieren. Der Vorsitzende Hegel schilderte dazu, dass man bereits offene Briefe an die Landtagsabgeordneten Thorsten Schwab (CSU) und Anna Stolz (Freie Wähler) geschickt habe. Das Ergebnis sei »enttäuschend« gewesen, so Hegel.

    Doch nun wollen die Lohrer Senioren einen neuen Anlauf nehmen, um ihren Ärger zu adressieren: Als Paul das im Juli anstehende Gespräch mit dem Bayerischen Bahnchef erwähnte, wurde sogleich die Idee laut, dies zum Anlass zu nehmen für eine Protestaktion. Ein entsprechender Aufruf an alle Bahn- und Bahnhofsgefrusteten soll folgen.

    Ein Mitglied des Seniorenbeirats ging gar so weit, dass man doch zu einem allgemeinen »Bahnboykott« aufrufen solle. Es sei »haarsträubend, was die Bahn mit ihren Kunden macht«.

    Rützel: katastrophale Zustände

    Der als Gast in die Vollversammlung geladene Gemündener Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel (SPD) konnte die Wut verstehen. Die Bahn mache sich »über die Bahnhöfe überhaupt keine Gedanken mehr«. Sehr viele Stationen seien in katastrophalem Zustand. Ihm als ehemaligem Eisenbahner tue das weh, so Rützel.

    Er sprach allerdings auch vom 1000-Bahnhöfe-Programm der Bundesregierung, das kommen solle. Dabei werde es jedoch nicht um viel mehr als ein Aufhübschen von Gebäuden gehen: »Fassade streichen, Unrat Weg, Dachrinne reparieren«, umschrieb Rützel die Maßnahmen.

    Um größere Verbesserungen müsse sich der Freistaat Bayern kümmern, mit Unterstützung durch Bundesmittel, so der Abgeordnete. Doch auch das sei nicht einfach. Denn, so Rützel, »es fehlt das Geld«. Er ließ durchblicken, dass er die Privatisierung der Bahn vor 25 Jahren in seinen Augen eine falsche Entscheidung war. Die Bahn habe weder mehr Verkehr auf die Schiene gebracht, noch ihre Wirtschaftlichkeit verbessert.

    Der Lohrer Bahnhof sei nicht der einzige in der Region, an dem es Handlungsbedarf gebe, so Rützel. Auch in Gemünden stehe das Bahnhofsgebäude leer, seit mittlerweile 15 Jahren. Immerhin sei nun eine Sanierung der Bahnsteige und Unterführung inklusive Bau eines Aufzugs vorgesehen.

    Eine öffentliche Toilette, so der Abgeordnete Rützel, werde es danach freilich auch am Gemündener Bahnhof nicht geben. Die Reaktion eines Mitglied des Seniorenbeirates: »Das gibt's doch nicht.«

    Bearbeitet von Johannes Ungemach

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