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    Lohr / Wombach

    Sicherheitsdienst: Warum beim Kreismusikfest mehr Ordner nötig waren als auf der Festwoche

    Die Stadt Lohr wird keine für alle Veranstalter einheitlich verbindlichen Regeln beispielsweise für den Sicherheitsdienst bei Festen aufstellen. Stattdessen, so der Mehrheitstenor im Stadtrat am Mittwochabend, will man weiter darauf vertrauen, dass die Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Polizei für jede Veranstaltung individuell die Rahmenbedingungen absteckt.

    Die Diskussion im Stadtrat hatte der Bürgerverein angestoßen. Er prangerte eine Ungleichbehandlung von Festen an. Als Beispiel hatten die Bürgervereins-Stadträte Eric Schürr und Franklin Zeitz die Spessartfestwoche dem von der Wombacher Musikkapelle im Sommer veranstalteten Kreismusikfest gegenübergestellt. Bei der Festwoche seien für das inklusive Biergarten 6000 Besucher fassende Zelt an Tagen mit großem Andrang 16 Ordner vorgeschrieben. Für das 2000-Mann-Zelt des Kreismusikfestes habe die Stadt hingegen 20 Ordner verlangt.

    Schürr sprach in der Sitzung davon, dass auch für das Sommerfest des SV Sendelbach für einen Abend vier Ordner vorgeschrieben seien, was den Verein 1700 Euro koste. Derlei Auflagen machten es Vereinen schwer, mit Festen das Geld zu erwirtschaften, welches sie so dringend benötigten, so Schürr.

    Risikoanalyse für jedes Fest

    Philipp Halbritter, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, sagte, dass man die Ordnerzahl für jedes Fest anhand der Empfehlung der Polizei festsetze. Für die Lohrer Polizei erklärten deren Leiter Wolfgang Remelka und sein Vize Stefan Preisendörfer, dass die Empfehlung zur Ordnerstärke das Ergebnis einer Risikoanalyse zu jedem Fest sei.

    Dabei spielten neben Erfahrungswerten Kriterien wie Besucherzahl, Art des Publikums oder auch die Parkplatzsituation eine Rolle. Ein Aspekt sei auch, ob es – wie bei der Festwoche – ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept gebe, so Preisendörfer.

    Beim erstmals auf einer Wiese im Industriegebiet stattfindenden Kreismusikfest sei die »Örtlichkeit nicht ausreichend erprobt« gewesen. Auch habe man keine Kenntnisse zum zu erwartenden Publikum gehabt.

    Die Frage, weswegen die Polizei für das Kreismusikfest im Verhältnis deutlich mehr Ordner als für die Festwoche gefordert hatte, konnten die Polizei-Vertreter damit nicht zur Zufriedenheit aller Räte beantworten. Schürr sprach von einem »Missverhältnis, das nicht nachvollziehbar« sei, Zeitz von Bürokratie.

    Auge zudrücken?

    Auch Ernst Herr (CSU) hielt die Auflagen für das Wombacher Fest für »vielleicht etwas überhöht«. Er wünschte sich, dass die Polizei »auch mal ein Auge zudrückt«. Das sei aus Haftungsgründen nicht möglich, widersprach Bürgermeister Mario Paul sogleich. Er erinnerte an die Todesfälle bei der Love-Parade in Duisburg vor einigen Jahren und an das juristische Nachspiel.

    Auch Preisendörfer betonte, dass es bei den Auflagen um die Sicherheit der Festbesucher gehe. Für den Ordnungsdienst müssten nicht zwingend Security-Firmen angeheuert werden, auch Vereinsmitglieder könnten den Dienst in gewissem Rahmen leisten, so der Polizei-Vertreter.

    Mehrere Räte sprachen davon, dass man darauf vertrauen könne und müsse, dass die Polizei weiß, was sie tut. Bürgermeister Paul sagte, dass von Polizei und Verwaltung bei der Beurteilung der Feste »hochverantwortungsvoll gearbeitet« werde. Am Ende stand der Rat, dass Veranstalter sich im Vorfeld eng mit der Polizei abstimmen sollten. »Wir sind zum Dialog bereit«, betonte Polizeichef Remelka.

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