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    Rodenbach

    Sie werben mit Gin für den Spessart

    In Geberlaune: Die vier Lohrer Gin-Brenner haben auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin als Bayern-Botschafter viele Kostproben ihres Snow White Gins ausgeschenkt.
    In Geberlaune: Die vier Lohrer Gin-Brenner haben auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin als Bayern-Botschafter viele Kostproben ihres Snow White Gins ausgeschenkt. Foto: Gert Krautbauer

    Die bayerische Botschaft in Rodenbach brennt: Was sich zunächst höchst dramatisch anhört, ist für vier junge Männer ein wahr gewordener Traum. Die drei Rodenbacher Fabian Kreser, Jonas Völker und Markus Skrobanek sowie ihr Kumpel Stefan Blum aus Neustadt brennen im Lohrer Ortsteil ihren Schneewittchen Gin. Dafür sind sie kürzlich von der offiziellen Tourismusagentur des Freistaats sogar zu »Bayern-Botschaftern« ernannt worden.

    Von der ersten Testcharge, die sie im März 2017 gebrannt haben, bis zum Bayern-Botschafter war es ein weiter Weg. Doch auch der begann mit einem kleinen Schritt: Fabian Kreser hatte das Brennrecht seines Großvaters nach dessen Tod übernommen und brannte Schnaps aus dem Obst seiner Eltern. Warum nicht mal was eigenes machen, wenn man schon eine Brennerei an der Hand hat?, dachten sich die vier Freunde.

    Ein Jahr lang experimentiert

    So kamen die Mittzwanziger auf die Idee, ihren eigenen Gin zu produzieren. »Unser Ziel war es, dass wir in ein Geschäft gehen und unser Produkt da stehen sehen«, sagt Jonas Völker. Ein Jahr lang experimentierten die vier mit verschiedenen Zutaten und Mischverhältnissen. »Das Grundrezept, das wir uns ausgedacht haben, haben wir mehrmals verändert und verfeinert«, erläutert Stefan Skrobanek. In den Snow White Gin, wie er offiziell heißt, kommen Wacholderbeeren, Äpfel, Zitronen, Lavendel und Douglasien-Nadeln.

    Markus Skrobanek etikettiert eine Flasche Snow White Gin.
    Markus Skrobanek etikettiert eine Flasche Snow White Gin. Foto: Boris Dauber

    Mit Douglasien-Aroma

    So wie Schneewittchen im Flaschen-Etikett sollte sich auch der Spessart im Aroma des Gins widerspiegeln. Die Douglasie ist zwar kein typischer Spessartbaum, passte den Gin-Machern wegen ihres leichten Orangen-Aromas aber am besten ins Geschmackskonzept. Ihr Getränk sollte aus möglichst vielen regionalen Zutaten bestehen. Neben den Nadeln aus dem Spessart, kommen die Äpfel und der Lavendel aus eigenem Anbau. Auch das Quellwasser schöpfen die Freunde laut eigener Aussage »aus der geheimen Zwergenquelle im Wald«. »Das ist jedes Mal mit nerviger Schlepperei verbunden«, betont Markus Skrobanek.

    Für den Vertrieb ihres Gins haben die vier die Eichenberg Manufaktur gegründet. Bei den Materialien, die das Produkt betrifft, seien sie in Vorleistung gegangen, berichtet Fabian Kreser. Um ihr Geschäft zum Laufen zu bringen, investierten die Freunde »einen niedrigen fünfstelligen Betrag«, kauften Flaschen, Etiketten, Korken und den Alkohol. Brenngerät, Fässer und Messinstrumente hatte Kreser noch von seinem Opa.

    Fast ihre komplette Freizeit investieren die vier in ihr Hobby, denn mit dem Brennen ist es nicht getan. Schließlich will der Gin auch abgefüllt, verschickt, beworben und in die Geschäfte gebracht werden. Für Letzteres gehen die Unternehmer bei Feinkostläden, Supermärkten und Spirituosenhändlern Klinkenputzen. »Wir sind blindlings in die Läden rein marschiert und haben gesagt: ›Wir hätten hier einen Gin. Habt Ihr Lust‹«, erzählt Skrobanek.

    Läuft: Stefan Blum befüllt eine Flasche mit Schneewittchen Gin.
    Läuft: Stefan Blum befüllt eine Flasche mit Schneewittchen Gin. Foto: Boris Dauber

    Das besondere Etikett zieht

    Viele Händler hatten Lust, was sicher nicht nur mit der Qualität des Gins, sondern auch mit dessen extravaganten Aufmachung zu tun hat. Die Flasche mit dem von Markus Skrobanek gezeichneten Schneewittchen-Panorama, das der Betrachter im Zauberspiegel entdeckt, macht sich gut im Regal.

    Seit dem Herbst 2017 hat die Eichenberg Manufaktur mehr als 4000 Flaschen verkauft. Mit so einem Erfolg haben die vier Brenner nicht gerechnet: »Ich habe mir nicht vorstellen können, dass er so gut ankommt. Es sagt keiner, dass er scheiße schmeckt«, freut sich Kreser.

    Der Gin, der laut Jonas Völker »ein Produkt für die Region sein sollte«, ist nun auch in Hamburg, München und Berlin zu haben. Reich werden die vier Jungunternehmer mit ihrem Gin nicht. »Wenn wir die Zeit mit rein rechnen würden, würde Null übrig bleiben. Aber auch so machen wir keinen Reibach damit, weil der Alkohol ziemlich teuer ist«, erklärt Fabian Kreser. Für Flaschen, Etiketten und den zur Gin-Herstellung benötigten Industriealkohol geben sie mehrere Tausend Euro aus. Mengenrabatt gewähren ihnen die Händler nicht, dafür kaufen sie einfach zu wenig.

    Fabian Kreser brennt mit den anderen in seiner Destille den Gin.
    Fabian Kreser brennt mit den anderen in seiner Destille den Gin. Foto: Boris Dauber

    Von ihrem Traum, allein vom Gin-Verkauf leben zu können, sind sie laut eigener Aussage noch ziemlich weit entfernt. Alle vier arbeiten hauptberuflich in Jobs, die nichts mit der Herstellung von Spirituosen zu tun haben. Konkrete Pläne, ihre Produktpalette zu erweitern, haben sie derzeit nicht. »Die Qualität leidet früher oder später, wenn man tausend Sachen gleichzeitig macht«, sagt Fabian Kreser.

    Passt zum Tourismus-Konzept

    Als die Bayern Tourismus Marketing GmbH anfragte, ob die vier Freunde Interesse an einer Zusammenarbeit haben, waren sie »natürlich ziemlich begeistert«, wie Skrobanek betont. Als Bayern-Botschafter wirbt der Schneewittchen-Gin seitdem für den Spessart. Auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin schenkten die Unterfranken ihr Getränk aus, um Touristen den Urlaub im Wald schmackhaft zu machen. Der Gin aus Rodenbach passt perfekt ins Konzept der Tourismusagentur des Freistaats. Deren diesjährige Werbekampagne stellt »das Sehnsuchtsziel Wald und Natururlaub« in den Mittelpunkt.

    Schneewittchen als Werbefigur
    Mit Snow White (auf Deutsch: Schneewittchen) haben die vier Freunde Fabian Kreser, Stefan Blum, Jonas Völker und Markus Skrobanek für ihren in Lohr-Rodenbach gebrannten Gin eine berühmte Namenspatronin gefunden.
    Der internationale Klang und der hohe Bekanntheitsgrad der Märchenfigur war den Brennern wichtig: »Wen hätte es denn interessiert, wenn wir unser Produkt einfach Rodenbach-Gin genannt hätten?«, fragt Fabian Kreser.
    Das bundesweite Medienecho auf das Horrorwittchen und Lohr als Schneewittchenstadt hat laut den vier Jungunternehmern allerdings nichts zur Popularität ihres Gins beigetragen. Schon in Würzburg wisse niemand mehr, dass Lohr die Schneewittchenstadt ist, sagt Kreser. Die Stadt sei weiter weg nur für ihr Bezirkskrankenhaus bekannt. »Lohr steht für die Anstalt, für mehr nicht«, schildert Markus Skrobanek seine Erfahrungen.
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    Bearbeitet von Boris Dauber

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