• aktualisiert:

    Schaippach

    Sie wollen alter Schaippacher Kirchturmuhr neues Leben einhauchen

    Das Uhrwerk der Kirchenuhr besichtigten (von links): Hans-Walter Krauskopf, Werner Brönner, Bernd Jeckel, Uwe Hann, Bernd Rützel und Egon Galmbacher. Foto: Luise Jeckel

    Dass die Kirchen in Stadt und Land seit jeher neben ihrem geistlichen Status auch eine wichtige weltliche und kulturhistorische Bedeutung haben, diese Meinung teilt auch der Schaippacher Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel. Aus diesem Grund hatte er die "Turmuhrenfreunde Großheubach" eingeladen, um zu prüfen, ob die alte Schaippacher Kirchturmuhr wieder renoviert werden kann. Und es sieht gut aus.

    Den engagierten Experten Egon Galmbacher hatte Rützel bei einem Termin im Landkreis Miltenberg kennengelernt. "Er hat mir im alten Rathaus von Großheubach das Turmuhrenmuseum gezeigt und ich war begeistert. Diese Fachleute musste ich mit der Schaippacher Kirchenuhr zusammenbringen. Aus früheren Besuchen des Dachgeschosses in der Schaippacher Kirche weiß ich, dass das alte Uhrwerk dort auf dem Dachboden verstaubt seine Zeit fristet. Selbst die ältesten Schaippacher können sich nicht daran erinnern, dass die Uhr jemals in Betrieb war. Sie muss also schon sehr lange ihren Dienst eingestellt haben." 

    Kein Fall fürs Museum sondern für echten Betrieb

    Das Ziel dabei sei nicht, die Uhr in ein Museum zu bringen, sondern sie an Ort und Stelle in einen guten Zustand zu versetzen und sie wieder in Betrieb zu nehmen, erklärte Rützel. Nun also war es soweit. Die beiden Turmuhrenfreunde Egon Galmbacher und Uwe Hann kamen nach Schaippach und bestiegen mit einigen Verantwortlichen der Kirchenverwaltung den Dachboden.

    Schon beim ersten Anblick stellte Hann fest, dass es sich bei dem Werk um eine sehr luxuriöse aber auch in einem sehr schlechten Zustand befindliche Anlage des Uhrenbauers Holzöder aus Rothenburg ob der Tauber handelt. Das Alter kann auf das ausgehende 19. Jahrhundert datiert werden. Die Uhr besitzt ein Viertelschlagwerk, bei dem allerdings eine Schlossscheibe fehlt.

    Die Fachleute stellten fest, dass die Anlage instandgesetzt werden kann und sie würden dies auch ehrenamtlich leisten. Es fallen lediglich die Kosten für das Material an. So benötigt man zum Aufziehen eine Automatik mit Motor, weil wohl niemand mehr alle drei Tage auf den Turm steigen möchte, um die Uhr aufzuziehen. Darüber waren sich alle Beteiligten einig.

    Installation auf der Empore neben der Orgel?

    Einig waren sie sich auch darüber, dass dieses Wunderwerk der damaligen Zeit nach einer Instandsetzung den Kirchenbesuchern zum Anschauen auch zugänglich sein sollte. Deshalb soll das Uhrwerk auf der Empore neben der Orgel installiert werden. Durch eine Zeigerleitung wird dann das Getriebe der Zeiger am Ziffernblatt angetrieben, welches aus handwerklich sehr sauber bearbeitetem Sandstein besteht.

    Die Schaippacher Kirchenuhr mit ihrem Sandsteinreflief und den römischen Ziffern am Giebel unterhalb des Turmreiters. Foto: Luise Jeckel

    Falls die Kirchenverwaltung Schaippach mit Pfarrer Norbert Thoma der Uhrensanierung zustimmt, könnte die Uhr zu Weihnachten 2020, nach etwa hundert Jahren Ruhepause, ihren Dienst wieder aufnehmen. "Vielleicht braucht man sie nicht unbedingt, um zu wissen, was die Stunde geschlagen hat, aber man braucht sie, um mit Respekt die alten und nicht immer einfachen Zeiten Wert zu schätzen." so Bernd Rützel.

    Kirchenturmuhren waren einst unentbehrlich
    Die einfache Bevölkerung konnte sich früher, auch lange nach der Erfindung der Taschenuhr im 16. Jahrhundert, keine eigenen Uhren leisten. Uhren auf Türmen, Rathäusern und Kirchen schlossen diese Lücke. Diese Uhren waren meistens mit einem Schlagwerk verbunden,das zu jeder Viertelstunde schlug - im Stundenlauf jeweils einem Schlag mehr bis zu vier Schlägen zur vollen Stunde. Die volle Stunde wiederum wurde meistens zusätzlich mit einem anderen Klang in der Anzahl der Stunden angezeigt.
    In Verbindung mit dem Glockenläuten wurde so auch an die Gebetszeiten und den Gottesdienst erinnert. Die Kirchturmuhr war auf dem Land neben dem Sonnenstand oft der einzige Anhaltspunkt zum geordneten Tagesablauf. So gab es in manchen Ortschaften auch ein 11-Uhr-Läuten als Zeichen dafür, dass die Frauen die Feldarbeit ruhen ließen und sich auf den Heimweg machten, um das Essen für die Familie zu richten.
    Wenn Kirchturmuhren auch heute für die Information der Bevölkerung keine Notwendigkeit mehr sind, so sind  sind sie doch ein wertvolles historisches Kulturgut und erhaltenswertes Zeugnis der sozialen Entwicklung und Geschichte einer Dorf- und Kirchengemeinschaft. Die Uhr der 1791/92 erbauten Kreuzerhöhungs-Kirche in Schaippach ist ein gutes Beispiel dafür. Sorgen um die Nachtruhe muss sich heutzutage aber niemand machen: Die Schlagwerke können so gesteuert werden, dass die Uhren in den Ruhezeiten stumm bleiben.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!