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    Rieneck

    Sinngrund-Staatsstraße: Das Nadelöhr Rieneck ist beseitigt

    Die Ehrengäste um Innen-Staatssekretär Gerhard Eck (Vierter von links) geben mit dem Durchschneiden des Bands den Verkehr auf der neuen Umgehungsstraße von Rieneck frei. Foto: Michael Mahr

    Die Forderung nach einer Ortsumgehung für Rieneck ist mehrere Jahrzehnte alt. Am Freitag wurde sie endlich erfüllt. Innen-Staatssekretär Gerhard Eck gab die Umgehungsstraße zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel, dem Landtagsabgeordneten Thorsten Schwab, Landrat Thomas Schiebel, Rienecks Bürgermeister Wolfgang Küber, Stefan Lehner vom Staatlichen Bauamt, Christoph Eberlein (Sachgebiet Straßenbau an der Regierungvon Unterfranken) und weiteren Ehrengästen für den Verkehr frei. Über 150 Rienecker feierten das historische Ereignis. Der Durchgangsverkehr verstopft künftig nicht mehr die engen Gassen unterhalb der Rienecker Burg, sondern passiert das Städtchen im weiten Talboden der Sinn in einem großen S-Bogen.

    Überlegungen seit den 1970er Jahren

    Dem Bau vorausgegangen waren viele und lange Diskussionen - teils erbittert geführt und von Verwaltungsgerichtsverfahren begleitet. Dass eine Entlastung der Ortsdurchfahrt dringend nötig ist, war jedoch immer unstrittig. Erste Überlegungen zur Verlagerung des Durchgangsverkehrs gab es schon in den 1970er Jahren, erinnerte Innen-Staatssekretär Gerhard Eck. 1995 begann die Regierung von Unterfranken mit der landesplanerischen Überprüfung. 2001 wurde die Rienecker Umgehung in die erste Dringlichkeit eingestuft. Danach erfolgten die detaillierten Untersuchungen verschiedener Varianten. 2005 wurde der Vorentwurf für die nun verwirklichte Talvariante genehmigt.

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    Zur Planfeststellung wurde der Entwurf 2008 eingereicht. Nachdem in einer Reihe von Prozessen Einwendungen gegen das Vorhaben abgewiesen wurden, erlangte der Planfeststellungsbeschluss Ende 2012 Rechtskraft. Nun konnte detailliert geplant werden. Nach zwei Jahren vorbereitender Maßnahmen wurde die Umgehungsstraße in vier Jahren in mehreren Bauabschnitten von 2015 bis 2019 fertiggestellt.

    Baukräne und Gerüste prägten lange das Bild im Sinngrund bei Rieneck durch den Bau der jetzt freigegebenen Ortsdurchfahrt. Foto: Helmut Hussong

    Festzelt, Leitpfosten und Kehrmaschinen

    Dass es in Rieneck am Freitag etwas zu feiern gibt, das war schon am Donnerstag zu sehen. Am neuen Kreisel war ein großes Zelt aufgebaut worden. Auf der Höhe des Gewerbegebiets Dürrhoffeld kontrollierten Mitarbeiter der Straßenmeisterei noch einmal, ob die Leitpfosten an der Staatsstraße auch wirklich exakt senkrecht am Straßenrand stehen. Ihre Kollegen sorgten währenddessen mit der Kehrmaschine dafür, dass in Richtung Schaippach die Straßenränder picco bello waren.

    Die Begrüßung der Gäste im Festzelt, auf das mehr oder weniger starker Regen prasselte, oblag dem Bereichsleiter Straßenbau im Staatlichen Bauamt Würzburg, Stefan Lehner. Er dankte allen am Bau Beteiligten, insbesondere dem Rienecker Bürgermeister Wolfgang Küber "für pragmatische Lösungen". Staatssekretär Gerhard Eck stellte heraus, dass es staatliche Aufgabe sei, den Verkehr zu managen und die Bürger, wo nötig, zu entlasten. Da habe es in Rieneck in der engen Ortsdurchfahrt mit dem Lärm, dem Staub und den Erschütterungen durch die Fahrzeuge keinen Zweifel gegeben.

    "Zufrieden mit gemeinsam erreichter Lösung"

    Landrat Thomas Schiebel sprach von einem historischen Ereignis, denn vielen ergehe es wie ihm, dass man ein halbes oder gar ganzes Leben auf diese Umgehung gewartet hat. Die Verkehrsverbesserung nutze im Übrigen nicht nur dem Individual-, sondern auch dem öffentlichen Personennahverkehr. Auch Bürgermeister Küber erinnerte an die lange Geschichte der Umgehung. Er dankte seinen Amtsvorgängern, die sich sämtlich dafür eingesetzt hatten: Eugen Welzenbach, Hubert Faßnacht, Walter Höfling und Waldemar Horn. Versöhnlich stellte Küber fest: "Letztlich sollten wir alle zufrieden sein, diese Lösung gemeinsam erreicht zu haben."       

    Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel, gebürtiger Rienecker, nutzte die Gelegenheit, auf eine rasche Verwirklichung der Ortsumgehung für das benachbarte Schaippach, seinen Wohnort, zu drängen. Landtagsabgeordneter Thorsten Schwab bestärkte die Rienecker darin, sich jetzt der Aufwertung des Altorts zu widmen. Auch das verringere den Flächenverbrauch für neuen Wohnraum. Den kirchlichen Segen für die neue Straße und ihre Nutzer erbaten Pfarrvikar Bede Nwandinobi und Prädikantin Andrea Müller. Die Feier umrahmten die Rienecker Musikanten unter Leitung von Armin Walter.

    Die Ortsumgehung von Rieneck
    Rund drei Kilometer lang ist die neue Umgehungsstraße Rienecks. Sie kostete rund 19 Millionen Euro und ist Teil der Staatsstraße 2302, die bisher durch die teilweise nur vier Meter breiten Gassen Rienecks führte. Die Fahrbahn der neuen Ortsumgehung ist sieben Meter breit. Die Verkehrsbelastung belief sich 2015 laut Staatlichem Bauamt auf rund 5500 Fahrzeuge täglich. Inzwischen dürften es mehr als 6000 sein, sagte Innen-Staatssekretär Gerhard Eck bei der Verkehrsfreigabe
    Im Talgrund der Sinn wurden für die Umgehungsstraße ein Kreisel, zwei Fuß- und Radwegunterführungen sowie und zwei Brücken errichtet. Dazu kommen drei Durchlässe, zwei Regenrückhaltebecken, eine Flutmulde, Ausgleichsmaßnahmen und eine Lärmschutzwand. Der Kreisel verbindet die Umgehungsstraße mit dem Ortszentrum und mit dem Baugebiet Schellhof. Die nördliche Sinnbrücke ist 218,5 Meter lang, die südliche bringt es auf 148 Meter. Beide Brücken sind rund elf Meter breit. Ihre Fahrbahnen ruhen auf bis zu zehn Meter hohen Bohrpfählen.
    Für die Umgehungsstraße wurden 80 000 Kubikmeter Erdaushub bewegt, das entspricht der Beladung von 6500 Sattelschleppern. Drei Viertel des Materials wurden an anderer Stelle auch wieder eingebaut. 27 000 Quadratmeter Asphalt wurden verlegt, das entspricht der Fläche von rund 6,5 Fußballfeldern. 

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