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    Sizilianisches Olivenöl aus Lohr

    Roberto und Mona Mocciaro vom Ristorante Italia in Lohr handeln unter dem Markennamen Don Pippino mit Olivenöl. Foto: Björn Kohlhepp

    Angefangen hat alles damit, dass Italiener in Lohr sich flaschen- und kanisterweise Olivenöl in Roberto Mocciaros „Ristorante Italia“ geholt haben. Seine Familie, die aus Sizilien stammt, stellt das Olivenöl dort selbst her. Heute vertreibt der 35-Jährige das Olivenöl unter der Marke „Don Pippino“ auch an Großkunden und Privatleute in ganz Deutschland. Und über einen eigenen Online-Shop gleichen Namens verkauft er zusätzlich auch Wein, Champagner, Spirituosen und Gewürze bis ins europäische Ausland.

    An der Theke von Mocciaros Restaurant an der Obertorkreuzung, das seine beiden Brüder 1991 eröffnet haben und er 2008 übernommen hat, steht ein großer Glasbottich, in dem grünlich das Olivenöl schimmert. Über einen Zapfhahn können Gäste sich dort Öl in einer Flasche oder einem Kanister mit nach Hause nehmen. Ansonsten verkauft der Gastronom das Öl, bio oder normal, in 0,25- oder 1-Liter-Flaschen oder auch im 3-Liter-Kanister.

    Chinesen gaben den Anstoß

    Den Anstoß, sich Gedanken über eine eigene Olivenöl-Marke zu machen, hätten chinesische Geschäftsleute gegeben. „Die wollten das in China verkaufen“, erzählt der Pflochsbacher Mocciaro. Also hat sich der gebürtige Frankfurter mit einem befreundeten Werbefachmann vor rund zwei Jahren einen Namen und ein Design überlegt. „Don“ (italienische Anrede für „Herr“) klinge gut, war man sich schnell einig. Und weil sein Vater Guiseppe heißt, auf Sizilianisch „Pippino“, kam es zu „Don Pippino“.

    Die Flaschen, so wollten es Roberto und seine Frau Mona, sollten individuell sein, nämlich mattschwarz lackiert und statt eines aufgeklebten Etiketts die Beschriftung gleich aufgedruckt. Und vorne wird ein Stückchen Olivenholz aufgeklebt. „Das mache ich immer noch mit der Hand“, sagt Mona Mocciaro, die ursprünglich aus Lohrhaupten stammt.

    Autohäuser als Großabnehmer

    Am Ende hat sich das mit China zerschlagen, aber ein Lohrer Autohaus hat sich überlegt, dass als Zugabe zu einem neuen Auto statt einer Flasche Wein ja ein Fläschchen Olivenöl geeignet wäre. So kamen die Mocciaros zum ersten Großkunden. Mittlerweile beliefern sie sechs Autohäuser, zum Beispiel auch in Würzburg, und andere Unternehmen. Dafür hätten sie nichts getan, die Autohändler seien auf sie zugekommen, sagt Roberto Mocciaro. Es habe sich offenbar herumgesprochen. Die Unternehmen bekommen an der Flaschenseite ein eigenes Etikett und eine eigene Verpackung – so wie es manche Weingüter bei Wein machen, was bei Olivenöl aber zuvor nicht üblich gewesen sei, erklärt seine Frau.

    Die eigene Produktion der Familie in Sizilien reicht längst nicht mehr aus. Ihr Mann habe deshalb auf der Insel lange gesucht, bis sich ein Lieferant gefunden habe, dessen Olivenöl in Geschmack und Qualität dem eigenen in Nichts nachstehe. Eine Mischung aus zwei Olivensorten mache beim eigenen Olivenöl wie auch beim zugekauften den Geschmack aus, erklärt der Gastwirt. Um die Abfüllung in Sizilien zu kontrollieren, ist er mehrmals im Jahr dort. „Manchmal fliege ich frühs hin und abends wieder zurück.“

    Inzwischen auch Essig und Spirituosen

    Warum Kunden bei ihnen kaufen? „Es ist schwer, ein gutes Olivenöl aus Sizilien zu bekommen, wenn man nicht aus Sizilien ist“, sagt Mona Mocciaro. Gutes Öl behielten die Sizilianer lieber für sich. So sei es auch beim Balsamico-Essig, der in Deutschland normalerweise aus Modena komme. Die Mocciaros hingegen verkaufen nun neben sizilianischem Öl auch sizilianischen Balsamico, das Öl in der schwarzen, den Essig in einer weißen Flasche.

    Irgendwann sind sie auf die Idee gekommen, übers Internet auch Spirituosen zu verkaufen. Die Idee dahinter, so Mona Mocciaro: „Wir wollten den Onlineshop bekannter machen.“ Deshalb hätten sie auf bekannte Marken gesetzt, die, sucht man sie im Internet, dann auf ihre Internetseite lenken sollten.

    Spirituosen machen Löwenanteil aus

    Das hat offenbar gut funktioniert: Inzwischen macht nicht mehr das Olivenöl den Löwenanteil dieses neben dem Restaurant zweiten Standbeins aus, sondern der Internet-Handel mit Wein, Champagner und Spirituosen. „Wir sind mittlerweile ein kleiner Spirituosen-Großhandel.“ Roberto Mocciaro: „Die Leute kaufen eine Flasche Wein, eine Flasche Gin und eine Flasche Olivenöl.“

    Aber die Mocciaros importieren nicht nur, sondern verkaufen sogar Champagner zurück nach Frankreich oder nach Italien oder auch – man höre und staune – Bocksbeutel nach Norditalien. Möglich machten das günstige Bezugsbedingungen als Gastronomiebetrieb. Und die Familie ist auch dabei hilfreich: Sein Cousin arbeite beim größten Weinimporteur aus Italien.

    Kunden können sich auch direkt im Restaurant Olivenöl abfüllen lassen. Foto: Björn Kohlhepp

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