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    Marktheidenfeld

    Skurriles Musik-Kabarett mit Gankino-Circus

    Für den "Griechen-Triller" kam bei "Gankino-Circus" der Akku-Schrauber zum Einsatz. Foto: Martin Harth

    Großes "Gankino" im Marktheidenfelder Pfarrheim St. Laurentius – dabei hat das Kino als solches gar nichts mit den Band-Namen "Gankino-Circus" der vier Musikanten aus dem westfränkischen Dietenhofen zu tun. "Gankino", das ist rasende Tanzmusik aus Bulgarien, die ein wenig das Tempo und die Stimmung auch am Samstagabend vorzugeben schien.

    Im Juli 2015 war das Quartett schon einmal zu ihrem Marktheidenfelder Debüt im Stadtgärtchen. Dieses Mal zog es mit knapp 200 Gästen wesentlich mehr Besucher als damals zum Auftritt der gerade frisch gebackenen Preisträger des Bayerischen Creole Weltmusik-Wettbewerbs.

    Musik-Yoga aus Dietenhofen: "Der fränkische Flieger!" Foto: Martin Harth

    In den vier Jahren seit ihrem ersten Auftritt in Marktheidenfeld ist viel passiert: Mit dem Titel "Die Letzten ihrer Art" haben die Mittelfranken ihr jüngstes Bühnenprogramm und ihre vierte CD vorgelegt. Gankino Circus ist noch bekannter geworden, längst mehr als nur ein Geheimtipp der "Neuen Volxmusik". Ihr Programm hat deutliche Fortschritte gemacht: Der Auftritt der vier Vollblutmusiker, und diesen stark strapazierten Ausdruck darf man in diesem Fall getrost einmal gebrauchen, hat an Dynamik noch zugelegt und ist treffsicherer inszeniert.

    "Besondere Leute im feinen Zwirn"

    Wenn beim Musik-Kabarett die Musik oft nur schmückendes Beiwerk ist, kehren die Gankinos dies auf ihren Instrumenten virtuos um. Im Zentrum steht das tadellose Gitarrenspiel von Ralf Wieland, mal cool und jazzig bis hin zu fetzig und rockig. Simon Schordanner begeistert auf seiner Klarinette oder mit dem Saxophon, bisweilen fühlt man sich an Klezmer-Klänge erinnert.

    Mit dem Akkordeon hält Maximilian Eder, dessen musikalische Wurzeln im Karlstädter Raum liegen, gewandt den nur vordergründig so chaotisch wirkenden Laden zusammen. Johannes Sens bearbeitet das Schlagzeug, die "Schießbude", furios mit seinen Besen. Er treibt den rasenden Rhythmus auf die Spitze und wechselt gerne auch mal zur Cajón.

    Was Gankino gut tut, ist, dass man sich seit 2015 auf der Bühne ein Stück weit vom Dorfdeppentum verabschiedet hat. Feingeistig ist man zur Begleitung der fränkischen Weltmusik, die das krasse Gegenteil von "Easy Listening" ist, trotzdem nicht geworden. Übereifrig schmierten die Musiker augenzwinkernd ihrem Marktheidenfelder Publikum Honig ums Maul: "Ein ganz besonderer Abend mit besonderen Leuten in feinem Zwirn".

    Bekannte Stücke neu aufgelegt

    Das Publikum reagierte völlig un-unterfränkisch: Schon nach dem dritten Stück klatschten, sangen und lachten die Zuhörer. Die Musiker entführten die Gäste in ihre unvergessliche Jugendzeit im Wirtshaus "Zur heiligen Gans". Klangvoll ließen sie die Erinnerung an Jugendliebe Marie aufleben.

    Ein besonderes "fränkisches" Musikvergnügen: Gankino Circus im Marktheidenfelder Pfarrheim St. Laurentius. Foto: Martin Harth

    Als Gans-Wirt "Weizen-Charly" starb, mussten die Dietenhofener zum Dorfgriechen "Was Kostas" umziehen. Die Zuschauer durften miterleben, wie der typische "Griechen-Triller" auf der Bouzouki mit dem Akku-Schrauber im Tonstudio entstand.

    Die Musiker spielten auch bekannte Stücke: "Die Lindenstraßen-Melodie", Vivaldis "Frühling", der Zillertaler Hochzeitsmarsch oder Helenes Fischers "Atemlos" – alles klang völlig neu und vielleicht sogar besser.

    Zum Herunterkommen kam das neue erfundene "Bonophon", angeblich aus den sterblichen Überresten des inzwischen schon heilig gesprochenen "Weizen-Charly" erschaffen, bei einer Art "Beerdigungsmusik" zum Einsatz.

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