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    Himmelstadt

    Sorgenkinder und Experimentierfelder

    Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss hat man mithilfe von Gitterhüllen getroffen. Foto: Günter Roth

    Sequoia, Riesenmammutbäume oder Riesenlebensbaum (Red Cedar) sind Bäume, die man eigentlich an der Nordamerikanischen Pazifikküste vermutet. Förster Werner Trabold aber hat sie im Himmelstadter Wald in einem ganz besonderen Experimentierfeld angesiedelt. Auf dem Gebiet eines ehemaligen Fichtenbestandes lässt er zurzeit so etwas wie ein boreales Multikulti entstehen. Beim diesjährigen Waldbegang mit dem Gemeinderat musste er zuvor erschreckende Sorgenkinder wie die Rußrindenkrankheit des Ahorns oder das Eschensterben zeigen.

    Der Klimawandel ist mit seinen teilweise katastrophalen Folgen mittlerweile deutlich in den heimischen Wäldern angekommen. Auch in Himmelstadt sind fast 50 Prozent des Fichteneinschlags dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Die Wärme und Trockenheit der beiden letzten Jahre ermöglichte den Borkenkäferweibchen drei statt der üblichen zwei Gelege, was rechnerisch bis zu 60 000 Nachkommen pro Insekt bedeutet. In der Waldabteilung Schwarzsohl müssen die geschädigten Fichten herausgenommen werden, der Holzpreis ist mittlerweile hier zur Nullnummer geworden, so der Förster.

    Wenige hundert Meter weiter liegen die Eschen kreuz und quer oder hängen in der Schräge, als wollten sie sich aneinander festhalten. Das Eschensterben ist hier im vollen Gange. Mit dem kleinen, unscheinbaren Pilz, das "Falsche Weiße Stengelbecherchen" aus Asien, kommen die dortigen Eschen recht gut klar, nicht aber die europäischen. Mittlerweile sind rund 95 Prozent geschädigt oder abgestorben. Forstleute hoffen, dass doch der eine oder andere Baum überlebt und man so Rettungsmaßnahmen ableiten kann.

    Schwammspinner chemisch aus der Luft bekämpfen

    Hoffnungslos ist die Situation derzeit im Kampf gegen den nächsten Pilz, der am Sternberg im Bereich des Grillplatzes einen Ahornbestand befallen hat. Die Folge: Rußrindenkrankheit, bei der die Rinde durch den Pilz aufplatzt: das Kambium reißt und die Nährstoffe gehen verloren. Außerdem können weitere Schädlinge in den Baum eindringen. Für den Menschen bringen die feinen Sporen des Pilzes zusätzliche Gefahren, weil sie die Atemwege und die Lungenbläschen schädigen können. Deshalb muss der gesamt Ahornbestand unter aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeiter gefällt und gesondert verbrannt werden. Auch hier ist der Klimawandel eine Ursache, denn gesunde und stressfreie Ahornbäume kommen einigermaßen mit dem Pilz klar, nicht aber geschwächte, unter Trockenstress leidende.

    Das nächste Sorgenkind zeigt sich beim Lichtfraß an den Buchen. Der Befall in Himmelstadt ist nicht ganz so schlimm verlaufen wie im benachbarten Thüngen oder in Retzstadt, wo der Schwammspinner nicht nur für Kahlfraß gesorgt, sondern auch den sogenannten Johannistrieb und die Knospen für das nächste Jahr vernichtet hat. Im hießigen Wald ist es bislang "nur" zum Lichtfraß gekommen, so Trabold. Noch in diesem Winter wird die Zahl der Schwammspinnergelege an den Buchen ermittelt und dann muss man womöglich eine chemische Bekämpfung aus der Luft in Erwägung ziehen. Diese dezimiert dann allerdings nicht nur die gefürchteten Schwammspinner, sondern auch andere Insekten.

    Wald brachte heuer 60 000 Euro in die Gemeindekasse

    Doch Förster Werner Trabold und sein Chef, Forstdirektor Christoph Kirchner, geben den Wald nicht auf. "Unsere Antwort auf den Klimawandel sind die bunten Mischungen", sagt Trabold. Er hat insgesamt 35 Arten im Himmelstadter Wald angepflanzt, die außergewöhnlichsten davon auf seinem Experimentierfeld im Schwarzsohl. Neben den eingangs erwähnten Exoten wachsen dort auch die Eibe, Weißtanne, Kirsche, Douglasie, der Urweltmammutbaum und das Chinesische Rotholz, das im Winter seine Nadeln verliert. Bis jetzt lässt sich sein "Baumparadies" recht gut an. Vor allem aber kann es mittelfristig Antwort geben, auf welche Baumarten man künftig setzen muss.

    Das Ahornwäldchen am Sternberg ist aus Sicherheitsgründen abgesperrt und muss entsorgt werden. Förster Werner Trabold (links) und Bürgermeister Herbert Hemmelmann beraten über das Vorgehen. Foto: Günter Roth

    Schon seit einiger Zeit hat man Fichtenbestände mit Buchen oder Flatterulmen unterbaut, die dann in den lichter werdenden Beständen nachwachsen können. Zusätzlich werden junge Buchen auf Stock gesetzt, damit sie neu austreiben und sich gemeinsam mit der übrigen Vegetation entwickeln können.

    Im Anschluss an den Waldbegang stellte Förster Trabold dem Gemeinderat seinen Jahresbetriebsplan vor. Der Wald hat 2018 eine stolze Summe von 60 000 Euro in die Gemeindekasse gespült. Das wird künftig nicht mehr so sein, in diesem Jahr hofft man auf einen Überschuss von 10 000 Euro und für 2020 muss man wohl mit einem Verlust rechnen, vor allem wegen der Entsorgung des Ahorns und des Preisverfalls auf dem Fichtenholzmarkt, der mit 40 000 Euro weniger geschätzt wird. Dies kommentierte der Bürgermeister Herbert Hemmelmann lapidar: "Wir haben gut gelebt vom Wald. Jetzt müssen wir mal in die Tasche greifen!"

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