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    MARKTHEIDENFELD

    Stare: Ein stiller und unbemerkter Rückgang

    Eigentlich ist er ein Allerweltsvogel, weit verbreitet in unserer Natur – sollte man meinen. Dennoch rücken der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) als dessen bayerischer Partner den Star in den Mittelpunkt ihrer gemeinsamen Naturschutzkampagne „Vogel des Jahres 2018“. Sein Bestand ist mit zwischen drei und viereinhalb Millionen Exemplaren während der letzten beiden Jahrzehnte in Deutschland still und unbemerkt um etwa eine Million soweit zurückgegangen, dass der Star in der Roten Liste bedrohter Arten von „ungefährdet“ auf die Stufe „gefährdet“ eingestuft wurde.

    Dies machte Hartwig Brönner, LBV-Kreisgruppenvorsitzender aus Lohr, bei einem Vortrag in der Marktheidenfelder Volkshochschule deutlich, zu dem Vhs-Geschäftsführerin Monika Oetzel rund 40 Zuhörer begrüßte. Mit zahlreichen Bildern wurde der Sing- und Zugvogel, der mit seinem schillernden Federkleid zu den großartigsten Stimmenimitatoren in der Natur zählt, vorgestellt. Nicht nur, dass er oftmals den Gesang anderer Vogelarten zur Verblüffung vieler Vogelkundler perfekt beherrscht, auch als „Rasenmäher“ oder gar als „Polizeisirene“ machten sich einige Exemplare schon akustisch bemerkbar.

    Brönner schilderte das Aussehen und die Verbreitung des Vogels „Sturnus vulgaris“ aus der Ordnung der Sperlingsvögel in Europa sowie Teilen Asiens und Nordafrikas. Bemerkenswert ist, dass sich unter den Bedingungen des Klimawandels der Winterzug der Starenschwärme verändert hat. Viele ziehen erst gar nicht mehr bis zu 2000 Kilometer in den Süden, Populationen aus nördlichen Ländern beenden ihren schon Flug in unseren Breiten.

    Als Lebensraum möge der Star strukturreiche Kulturlandschaften. Er schätze kurzrasige Wiesenflächen zur Suche von Nahrung, wie Kleinlebewesen und Insekten. Seine zeitweise große Vorliebe für Obst mache ihn auch nicht bei jedermann wirklich beliebt. Weideflächen eigneten sich besonders für den Star, und er benötige für seine sorgsame, und hygienisch anspruchsvolle Brutpflege natürliche Höhlen, die er bevorzugt in den Bäumen alter Streuobstbestände finden könne. Überdies benötige er Gewässer für seine Gefiederpflege und schätzt Schilfzonen als Übernachtungsplatz.

    Die Umschreibung dieses Lebensraums machte in Grund von selbst klar, warum der Bestand des Stars in Deutschland nach und nach zurückgeht. Funktionierende Ökosysteme würden durch menschliche Eingriffe mehr und mehr beeinträchtigt, führte der Lohrer Vogelfachmann aus. Das gelte in besonderem Maße für den Flächenverbrauch für neue Siedlungen und Gewerbeflächen, aber auch für eine durch Monokultur geprägte Landwirtschaft. Das wachsende Insektensterben und die Anwendung von Insektiziden tue ein Übriges.

    Im Interesse des Vogels des Jahres 2018 und anderer Lebewesen wie letztlich auch des Menschen, so machte Brönner deutlich, müsse ein Umdenken und gezieltes Umlenken einsetzen. Es sei mehr als fraglich, ob traditionelle Naturschutzarbeit oder beispielsweise eine Winterfütterung für Vögel wirklich nachhaltige Beiträge zu dauerhaft größerer Biodiversität leisten könnten, wenn dem die wirtschaftliche Gesamtentwicklung insgesamt entgegenstehe.

    Die Probleme müssten von Gesellschaft und Politik grundlegender angegangen werde, um die Funktion biologischer Systeme weiterhin dauerhaft zu gewährlisten. Gerade der Zug- und Singvogel Star mache mit seiner spezifischen Lebensform deutlich, dass ökologisch wertvolle Flächen ausgebaut, erhalten und in großem Umfang vernetzt werden müssten.

    Die Volkshochschule Marktheidenfeld lädt ein zu einer Exkursion mit Hartwig Brönner in das Streuobstgebiet von Ansbach zum Vogel des Jahres – dem Star. Treffpunkt ist am Sonntag, 6. Mai, um 8 Uhr am Dorfgemeinschaftshaus Ansbach (Dorfstraße 9), ohne Gebühr.

     
     

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