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    Bischbrunn

    Spessartrechte nutzen Forst und Rechtlern

    Ein Stück moderner Waldbau im Bischbrunner Forst bei Breitsol: Das für Wald und Käfer wichtige Schwach- und Totholz verbleibt heute im Wald und wäre vorher als "Rechtlerholz" verwertet worden. So entstand eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Foto: Richard Krebs

    Die meisten Gemeinden im Spessart wurden von den Kurmainzer Fürstbischöfen gegründet, um billige Arbeitskräfte vor allem für ihre Jagden, aber auch Waldarbeiten zu bekommen. Sie haben weder eigenen Gemeindewald, noch Privatwald ihrer Bürger. Auch die landwirtschaftlichen Flächen waren sehr knapp bemessen, den die Arbeitskraft sollte nicht dort verwendet werden, sondern dem Jagd- und Forstherren zur Verfügung gestellt werden. Als kleiner Ausgleich dafür wurden die sogenannten "Spessartrechte" gewährt, die etwas Nutzung im Wald – nicht jedoch Wild – beinhalteten.

    Einige dieser Rechte (u.a. Laub-, Streu, Weiderecht) wurden in den 1950er und 1960er vom Staat finanziell "abgelöst" (wir berichteten). Rechte, die den Spessartgemeinden und ihrer Bevölkerung noch heute zustehen, sind vor allem diverse Holzrechte. In einem Spessartrechtsvergleich, der von 1866 bis 1869 ausgehandelt wurde, bestehen die Rechte zum Bezug des Ur- und Leseholzes, des Oberholzes, Stockholzes, Windfall-, Schneedruck- und Eisbruchholzes, in einigen Gemeinden auch zum Bezug des Bauholzes.

    In dem Vergleich wurde detailliert festgelegt, dass die Berechtigten diese Waldprodukte nur "zum eigenen Bedarf und Gebrauch" nutzten dürfen. Auch durften die Berechtigten nicht zur Nachtzeit, also nicht vor Sonnenaufgang und nicht nach Sonnenuntergang, genutzt werden.

    Nur Handbeile gestattet

    In 14 Paragrafen wurden diese Bedingungen sehr genau festgelegt. Die Nutzung war während des ganzen Jahres, mit Ausnahme der "Waldschlusszeit" vom 1. Mai bis 31. Juli, an zwei festgelegten Wochentagen, nämlich Dienstag und Freitag, gestattet. Ausnahmen konnte der jeweilige Revierförster erlauben. Gestattet waren dabei nur Handbeile – an Motorsägen und Ähnliches dachte man damals noch lange nicht.

    In dem Vergleich ist auch noch von "königlichen Forstbeamten" die Rede.  Auch die für den Holzabtransport zugelassenen Transportmittel waren sehr genau geregelt. Noch heute gibt die Forstverwaltung (früher das Forstamt, heute der Forstbetrieb Rothenbuch) zweimal jährlich bekannt, wann, wo und zu welchen Bedingungen das Oberholz genutzt werden darf.

    In den 1950er bis 1970er Jahren änderten sich die Bedürfnisse des Forstes wie auch die der Bevölkerung. Während die Bevölkerung, die immer mehr in waldfernen Berufen arbeitete, aber auf die Holznutzung angewiesen war, auf Erleichterungen drängte, wollte der Forst das hauptsächlich von den Forstrechten abgedeckte Lese- und Totholz behalten und für Naturschutzzwecke nutzen.

    Hilfe von Abgeordnetem Zeißner

    Nachdem mit den unteren Forstbehörden kein Konsens erzielt werden konnte, wandte man sich an die Politik. Der damalige CSU-Landtagsabgeordnete Walter Zeißner nahm sich der Anliegen der Spessarter an und trug die beiderseitigen Änderungswünsche Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann vor. Dieser hatte in Forstdirektor Eberhard Sinner einen Persönlichen Referenten, der sehr gut mit den Verhältnissen im Spessart vertraut war. Gemeinsam wurde eine sogenannte Win-Win-Lösung gefunden.  

    Heute sind die Holzwerber, die schon beruflich bedingt immer mehr Probleme mit den Holzabfuhrzeiten hatten, mit den Forstbehörden eine einvernehmliche Lösung eingegangen. Gegen Zahlung eines relativ geringen Entgeltes dürfen die "Selbstwerber" nicht nur das geringwertige Rechtlerholz, sondern auch "richtiges" Holz ernten, brauchen die Rechtlertage nicht einzuhalten und haben Erleichterungen beim Einsatz von Geräten und Fuhrwerken. Die Forstbehörden können das aus ihrer Sicht nicht mehr kostendeckende Holz verkaufen und behalten das für die Humusbildung und den Naturschutz wichtige Totholz.

    Die Spessartrechte
    Ein wesentlicher Bestandteil für die Holzversorgung der Bürger der Spessartgemeinden sind die sogenannten „Spessartrechte“. In ihren Ursprüngen lassen sie sich teilweise bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Auch heute sind sie – inzwischen durch Grundbucheinträge abgesichert – ein wesentlicher Bestandteil der Landeskultur im Spessart.

    Das mengenmäßig mit großem Abstand bedeutendste Recht ist heute das Recht zum Bezug des „Oberholzes“. Kurz zusammengefasst beinhaltet es die Entnahme von Holz aus den regelmäßigen Holzhieben und Durchforstungen. 

    Nach Mitteilung der Forstbetriebe
    Heigenbrücken und Rothenbuch sind 44 Gemeinden oder Ortsteile mit rund 65 000 berechtigten Bürgern im Spessart forstberechtigt. Hinzu kommen noch einige einzelberechtigte Anwesen. Nach einer revierweisen Erhebung üben rund 2500 Berechtigte ihr Recht regelmäßig aus; Tendenz steigend. Die aufgearbeitete Rechtholzmenge beträgt rund 15 000 Ster/Jahr. Das Selbstwerberbrennholz ist hierbei nicht berücksichtigt.
    Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
    Wer detailliertere Informationen zu den Spessartholzrechten will, findet mehr auf der  Homepage der Gemeinde Bischbrunn unter www.bischbrunn.de/index.php/die-gemeinde/rechtlerholz.html

    Bearbeitet von Richard Krebs

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