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    KARLSTADT

    Gleiche Chancen für alle Kinder

    Kinder und Eltern sind gleichermaßen angetan vom „Hippy“-Programm. Das Foto entstand im Januar im Kindergarten St. Joha... Foto: Markus Rill

    „Es gibt lange Gesichter, wenn ,Hippy‘ mal ausfällt“, sagt Evi Krempel, Leiterin des evangelischen Kindergartens St. Johannis in Karlstadt. So viel Spaß haben sie am Singen, Basteln und Bewegen mit diesem Frühförderprogramm. War dieses zuvor generell mit Hausbesuchen bei Familien mit förderbedürftigen Kindern verbunden, so findet es heuer erstmals in Kindergärten statt. Der Integrations- und Sozialausschuss hörte sich nach dem ersten Quartal eine Zwischenbilanz an.

    Das Besondere ist, dass die Eltern der Kinder in den Kindergarten kommen und am Programm selbst mit teilnehmen. Sakine Azodanlou bezeichnete als zweites wichtiges Element die Gruppentreffen, an denen die Eltern, das Kindergartenpersonal und das „Hippy“-Team teilnehmen. Dazu gehören Arzu Gümüshan, die sich um türkische und deutsche Kinder kümmert, und Rafah Wassouf, die schwerpunktmäßig für die syrischen Kinder und Eltern zuständig ist.

    Berufstätige Eltern

    Die Kinder sind zu einem Viertel deutschstämmig und zu drei Vierteln haben sie türkische, italienische, äthiopische, russische und andere Wurzeln. Kinder, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufwachsen sind, haben grundsätzlich Förderbedarf. Bürgermeister Paul Kruck sieht wachsenden Bedarf auch bei den deutschstämmigen Kindern. In vielen Familien sei durch die Arbeit beider Elternteile weniger Zeit für die Beschäftigung mit den Kindern.

    An dem Programm, das für Kinder zwischen vier Jahren und dem Schulalter konzipiert ist, nehmen die Kindergärten Theresienheim, Laudenbach, Gambach, St. Johannis und Heilige Familie teil. Bisher fehlen noch Stetten, Wiesenfeld und Karlburg. Demnächst soll es flächendeckend angeboten werden. Basis sind zwölf Bücher, in denen sich auch Spiel- und Anschauungsmaterial befindet. Wichtig ist schließlich die Eltern-Kind-Interaktion.

    Wichtiger Spracherwerb

    Die Leiterin des evangelischen Kindergartens betont, wie wichtig ihr die Chancengleichheit für alle ist. Frühe Bildung – und hier besonders der Spracherwerb – schaffe die Voraussetzung dafür. Die Eltern seien durchweg engagiert dabei. Damit werde die Eltern-Kind-Beziehung zusätzlich gestützt. Die Eltern leisten mit einer Gebühr von 60 Euro pro Jahr einen kleinen Beitrag zum Programm.

    Rafah Wassouf berichtete, dass auch die syrischen Eltern profitieren, indem sie ihr Deutsch verbessern. Sie versuche ihnen zudem das deutsche Schulsystem zu erklären. In Syrien gebe es beispielsweise keinen Zeitdruck, während in Deutschland alles zu einem bestimmten Termin erledigt werde. Auch seien in Syrien Logopädie und Ergotherapie unbekannt.

    Bei „Hippy“ geht es nicht nur um kognitive Fähigkeiten. Spielerisch geschult wird auch auf der sozial-emotionalen und motorischen Ebene.

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