• aktualisiert:

    Gemünden

    Stadträte treffen Vorauswahl: Neues Pflaster scheint Bürgern egal

    Bunt oder doch eher einheitlich? Welche Kriterien wichtig sind fürs neue, leichter begehbare Pflaster in der Innenstadt von Gemünden haben die Stadträte diskutiert.
    Die Muster für das neue Pflaster der Fahrspur in der Innenstadt begutachteten Gemündener Stadträte im städtischen Bauhof und trafen eine Vorauswahl. Foto: Michael Fillies

    Eine Mehrheit des Stadtrats Gemünden tendiert zum "Muschelkalk Nr. 2". Die Betonsteine von überwiegend grauer Farbe mit gelblichen Stellen sollen im Herbst das ungeliebte grobe Granitpflaster der Fahrspuren in der Innenstadt ersetzen. Mit eben diesen Steinen will sich auch die Stadt Volkach (Lkr. Kitzingen) verschönern. Sieben Musterflächen mit verschiedenen Steinen lagen am Dienstagabend zur Auswahl im städtischen Bauhof. In der Ferienausschusssitzung des Stadtrats am Dienstag kommender Woche soll der Beschluss gefasst werden.

    Der Favorit für die Innenstadt von Gemünden ist dieses Pflaster mit geraden Kanten und schmalen Fugen. Foto: Michael Fillies

    Der Austausch des groben Pflasters, das im Zuge der Stadtsanierung den Asphalt der Scherenberg- und der Obertorstraße ersetzte, war von Anbeginn ein immer wieder geäußerter Wunsch aus der Bevölkerung und zuletzt Herzensangelegenheit des Seniorenbeirats der Stadt und des Stadtmarketingvereins "Gemünden aktiv". Wie mehrfach berichtet, sammeln die beiden Organisationen seit November 2018 für den Austausch Spenden ein. Der aktuelle Stand laut Else Platzer vom Stadtmarketingverein: 13.315,62 Euro.

    Zu rot: Diese Steine gefielen nur einem Stadtratsmitglied. Foto: Michael Fillies

    Stolperfallen

    Da gebrauchte Pflastersteine besser als neue sind, waren die vor über 30 Jahren eingebauten Steine eigens in Prag besorgt worden. Die Benutzer der Fußgängerzone wussten das nicht zu schätzen: Die Brocken erwiesen sich als Stolperfallen und eine Zumutung für Rollstuhl- und Rollatorfahrer, Radfahrer und Leute mit Kinderwagen. Sie liegen nicht in einem Zementbett, weshalb sich in den Fugen unter anderem Glasscherben festsetzen. 

    Schmale Fugen, schöne Farben, aber zu modern, war die mehrheitliche Meinung des Stadtrats hierüber. Foto: Michael Fillies

    Im März dieses Jahres überraschte Bürgermeister Jürgen Lippert mit der Nachricht, dass der alte Wunsch schneller, billiger und vor allem noch besser als gedacht umgesetzt werden kann: Weil Vodafone Kabel in der 260 Meter langen Obertorstraße verlegen will, muss die Fahrbahn ohnehin aufgerissen werden. Und dann, so der Vorschlag aus dem Rathaus, könne man statt einer Rollatorspur gleich die gesamte Breite von drei Meter mit einem "besser begehbaren Pflaster" versehen.

    Zu schmuddelig, zu bunt? Foto: Michael Fillies

    Kein Interesse an der Auswahl

    Wie dieses aussieht, scheint der Bevölkerung eher gleichgültig, trotz der immer wieder geäußerten Kritik am alten Belag und den Spenden für eine Verbesserung. Denn der Bürgermeister hatte zur Begutachtung der als Ersatz zur Auswahl stehenden Steine am Dienstagabend im Bauhof übers Mitteilungsblatt auch die Bevölkerung eingeladen - keiner kam. So blieb dort etwa der halbe Stadtrat unter sich.

    Ohne Kommentar gleich abgelehnt, war dieses Muster. Foto: Michael Fillies

    Sieben Arten Betonpflaster, das auch recycelten Beton enthält, stand dort zur Auswahl. Die Farbpalette reichte von Buntsandsteinrot und Grau bis in Gelb- und Schwärzliche. Die Stadträte waren sich schnell einig, was die Kriterien der Wahl sein sollten: möglichst schmale Fugen, damit sich die neue Fahrbahn leichter sauber halten lässt und damit sich keine spitzen oder scharfen Splitter mehr festsetzen können; kein Rot, das sich mit dem Rot der kleineren roten Steine der Gehwegstreifen "beißt"; keine zu bunte Mischung an Farben. Letztlich sprach sich eine klare Mehrheit für das Pflaster der Farbgebung "Muschelkalk Nr. 2" aus. Die endgültige Entscheidung fällt in der kommenden Woche.

    Bei Nässe zu glatt?

    Gemein ist allen Vorschlägen, dass die Oberfläche absolut eben ist – so wie vehement gewünscht. Ob das bei Nässe vielleicht zu einer gewissen Glätte führen könne, und ob deswegen als Rutschhemmung die Ränder der Steine rau und die Fugen etwas breiter sein sollten, war eine schnell verworfene Überlegung, denn das käme dem kritisierten bestehenden Zustand nahe. Dritte Bürgermeisterin Irmgard Pröschl fasste zusammen, für was auch immer man sich entscheide: "Das muss uns klar sein, es wird auch wieder Kritik geben, aber dem müssen wir uns stellen."

    Für die Spendenaktion kann immer noch gespendet werden: auf das Konto der Stadt Gemünden DE55 7905 0000 0380 0030 53 unter dem Verwendungszweck "Besser begehbares Pflaster". Nähere Informationen beim Verein "Stadtmarketing Gemünden aktiv", Tel. (0 93 51) 6 05 76 77.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!