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    Marienbrunn

    Stadtrat liebäugelt mit neuem Baugebiet in Marienbrunn

    Bauerwartungsland in Marienbrunn: Grob gesagt bis zu den Heuballen im Hintergrund könnte ein kleines Baugebiet reichen, das die Siedlung nach Westen hin erweitern könnte.  Foto: Martin Harth

    Wieviel Baugrund braucht die Stadt?  Letztlich um diese Frage kreiste eine Diskussion am Donnerstag im Marktheidenfelder Stadtrat. Dabei ging es nur um eine gut einen Hektar große Fläche in Marienbrunn, ausgewiesen als Bauerwartungsland und leichterdings in ein Baugebiet umzuwandeln, da es gänzlich Eigentum der Stadt ist. 

    Stadtrat Helmut Adam zählt zu jenen, die sich dafür stark machen. Im Gewerbepark Söllershöhe in Altfeld, mit dessen Erschließung noch dieses Jahr begonnen werden soll, rechne man mit 1000 bis 1500 neuen Arbeitsplätzen, so der Christsoziale. "Die Stadt will Gewerbe – dann muss sie auch für Wohnraum sorgen", sagte er. Die Nachfrage entstehe aber erst, wenn ein Angebot vorliege. 

    Es geht nur um eine Vorplanung

    Damit stellte er sich hinter seinen Fraktionsführer Christian Menig, der das Marienfelder Baugebiet mit einem Antrag anschieben wollte: Die Verwaltung möge ein Planungsbüro finden, das bis Ende Juni Planungs- und Umsetzungsvarianten ausarbeitet. Dabei gehe es ihm um eine Vorplanung, betonte er, einen ersten Schritt in Richtung Wohnbaugebiet. "Es muss noch nichts gebaut werden", führte er aus. "Wenn's nix wird, wird's nix."

    Marienbrunn ist ein Dorf, in dem es noch Nebenerwerbsbauern gibt, seit 1975 ein Stadtteil von Marktheidenfeld. 100 Meter über dem Main auf dem ersten Spessartanstieg gelegen, westlich von Hafenlohr und Marktheidenfeld. Die Zahl der Einwohner ist in der vergangenen drei Jahren um fünf auf 362 gewachsen – und könnte auch weiterhin wachsen. Beispielsweise wenn die derzeit 16 freien Bauplätze im Dorf genutzt würden. Oder aber durch ein neues Baugebiet.

    Platz für zehn bis 20 Bauplätze

    Die Option dafür hat der Stadtrat vor langer Zeit schon geschaffen, indem er einen Streifen am westlichen Ortsrand, wo es auf den Wald zugeht, als Bauerwartungsland ausgewiesen hat. "Das war klug von unseren Vorgängern", sagte Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder. Die Fläche nördlich der Straße "Am Lauterpfad",  rund 12 300 Quadratmeter, war schon Eigentum der Gemeinde Marienbrunn, als diese 1975 eingemeindet wurde. Das reicht für 20 Bauplätze, meinte Freie-Wähler-Stadtrat Michael Müller. "Maximal zehn" würden es werden, entgegnete Christian Menig.

    Die rot markierte Fläche im Nordwesten Marienbrunns ist Bauerwartungsland. Nach einem Stadtratsbeschluss soll jetzt mit der Vorplanung für ein Baugebiet begonnen werden. Foto: MP-Grafik Grigull

    Diese unterschiedlichen Einschätzungen spielten letztlich keine Rolle bei der Abstimmung, bei der sich 15 der 23 für den nächsten Schritt in Richtung Baugebiet aussprachen. Dagegen stimmten acht der neun Freien Wähler – Schmidt-Neder inbegriffen. Wobei die Bürgermeisterin ihre Ablehnung hauptsächlich mit der Vielzahl laufender Projekte begründete. 

    Die vorausgegangene Diskussion waberte allerdings übers ganze Stadtgebiet. In Oberwittbach seien alle sieben Bauplätze verkauft, führte Christian Menig aus. Für das Baugebiet "Märzfeld" in Altfeld, wo 40 Bauplätze entstehen sollen, lägen derzeit fünf Anfragen vor, sagte Andrea Hamberger (Freie Wähler). Joachim Hörnig (Freie Wähler) erinnerte an das ehemalige Ziegeleigelände, wo 83 Hauseinheiten entstehen sollen. In Glasofen gebe es noch drei Bauplätze in städtischer Hand, sagte Schmidt-Neder, die Wohnungen in der Marktheidenfelder Eichholzstraße seien alle sehr schnell verkauft gewesen. 

    16 ungenutzte Bauplätze allein in Marienbrunn

    Neben den Mutmaßungen über den tatsächlichen Bedarf spielten aber auch andere Argumente eine Rolle, geprägt vom Grundgedanken des Gemeindeentwicklungskonzepts (GEK). Demnach seien "weitere Bauflächen nach Möglichkeit zu vermeiden", führte Hamberger aus. Bevor man neue Flächen ausweise, möge die Kommune den Bestand erfassen und vermarkten. "Haben wir das schon getan?", fragte sie provokant, und ihr Fraktionsvorsitzender Wagner führte aus, dass allein in Marienbrunn "aktuell 16 Flächen mit Baurecht" brach liegen.

    "Die tägliche Landnahme ist enorm", pflichtete ihr Zweiter Bürgermeister Martin Harth (SPD) bei und sprach von dem Spannungsfeld, einerseits "Siedlungen nicht ausufern zu lassen" und andrerseits doch auch Vorüberlegungen anzustellen. 

    Ziel müsse es sein, "2020 mit der Erschließung zu beginnen", hatte Christian Menig gesagt. Im Beschlussvorschlag aber war diese zeitliche Bindung nicht enthalten. Das erleichterte einigen Stadträten offenbar ihre Entscheidung. "Man kann ja zustimmen, auch wenn man dem skeptisch gegenüber steht", meinte Harth. Man müsse den Weg ja nicht weiterverfolgen, wenn sich herausstelle, dass er nicht mit den GEK-Zielen vereinbar sei. 

    Anmerkung der Redaktion: In diesem Artikel wurden nachträglich Korrekturen vorgenommen, da Marienbrunn nicht der kleinste Stadtteil ist und die besagte Fläche schon vor der Eingemeindung 1975 Eigentum der Gemeinde war.

     

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