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    Main-Spessart

    Starker Rückgang bei Hartz-IV-Empfängern in Main-Spessart

    Symbolbild: Jobcenter. Foto: IG Bau

    Einen neuen Rekordwert konnte Stefan Beil, Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Würzburg, beim Sachstandsbericht von Arbeitsagentur und Jobcenter im Kreistag melden: Im April lag die Arbeitslosenquote im Landkreis Main-Spessart bei 1,6 Prozent, ein Jahr vorher und auch im März 2019 waren es noch 1,8 Prozent. Dahinter steckten 1217 Personen, im April 2018 war es 1372 Personen, was einen Rückgang von über acht Prozent bedeutet. Dazu kamen 732 Personen in arbeitspolitischen Maßnahmen (Qualifizierungskurse) oder mit Sonderstatus (kranke Arbeitslose), im April 2018 waren es 15 (oder fünf Prozent) mehr.

    Betrachtet nach Zuständigkeiten gab es bei den Kunden des Jobcenters (Sozialgesetzbuch II, "Hartz IV") innerhalb eines Jahres einen Rückgang von 563 auf 426 Personen. Von 764 auf 791 gestiegen sind dagegen die bei der Arbeitsagentur gemeldeten Personen.

    Fast 1000 Stellen mehr: weniger Leiharbeit

    Um 993 Stellen beziehungsweise zwei Prozent auf 47 712 angestiegen ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse. Am meisten neue Jobs gab es im verarbeitenden Gewerbe (plus 563), gefolgt von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (210) und freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie Immobilien (79). Einen Rückgang gab es nur bei der Leiharbeit (-52), was manche Kreisräte freute.

    Je nach Blickrichtung verschärft oder verbessert hat sich der Ausbildungsmarkt: "Schulabgänger, die heute eine Bewerbung schreiben, bekommen praktisch immer einen Ausbildungsplatz", sagte Beil. Dieses Jahr im April standen 719 Bewerber (26 weniger als 2018) 808 Stellen (116 mehr) gegenüber. Tatsächlich liege das Verhältnis laut Beil sogar eher bei eins zu zwei, weil erfahrungsgemäß höchstens zwei Drittel der Bewerber eine Ausbildung beginnen, die anderen gehen weiter auf Schulen oder studieren.

    Auffassung, dass Studium besser ist, ist ein Problem fürs Handwerk

    In der Diskussion ging es einmal mehr um die Nachwuchssorgen des Handwerks. Beil konnte nur resümieren, über Generationen habe sich die Auffassung verbreitet, eine akademische Laufbahn sei etwas Besseres. Kreisrat und Handwerkskammer-Präsident Walter Heußlein regte unter anderem an, auch für Gymnasiasten sollten Betriebspraktika eingeführt werden. Anna Stolz sprach von mehr Praxisbezug im Unterricht aller Schularten. Ihr sei neben dem Handwerk auch der Gesundheitsbereich wichtig. Es müsse wieder in die Köpfe, wie durchlässig das deutsche Bildungssystem ist: "Es gibt auch die Möglichkeit, nach einer Berufsausbildung zu studieren."

    Es ist eine Binsenweisheit, dass sich die Arbeitswelt ständig ändert. Beil hatte unter anderem Zahlen mitgebracht, wie hoch in einzelnen Berufssegmenten der mögliche Einsatz von Computern im Jahr 2016 war und wie er er sich seit 2013 änderte. Deutliche Zuwächse von je 20 Prozentpunkten gab es da bei unternehmensbezogenen Dienstleitungen (auf 60 Prozent), aber auch bei Verkehrs- und Logistikberufen (56 Prozent). Bei Fertigungsberufen stieg der mögliche Computer- und Maschineneinsatz von schon hohen 73 auf 83 Prozent. Keine nennenswerte Änderung beziehungsweise einen minimalen Rückgang gab es bei den Gesundheitsberufen.

    Kann man jungen Leuten noch empfehlen, Lkw-Fahrer zu werden?

    Schaut man auf die Entwicklung der Anforderungen in den letzten 20 Jahren, gab es für durchschnittlich qualifizierte Stellen acht Prozent weniger Anforderungen, während es für hoch qualifizierte Jobs fast fünf Prozent mehr waren. Für niedrig qualifizierte Stellen war es aber ebenfalls mehr, nämlich 3,5 Prozent.

    "Bei manchen Berufen muss man schon überlegen, ob man sie jungen Leuten empfehlen kann", sagte Stefan Beil und nannte Lkw-Fahrer – derzeit sind sie gesucht, aber wie wird das in 20 Jahren sein?

    Jobcenter hat weniger Kunden

    Zahlen zum Jobcenter Main-Spessart präsentierte seine Geschäftsführer Jürgen König. Hier gab es nach dem Anstieg seit 2015 aufgrund der Flüchtlingswelle einen Rückgang auf 2616 Empfänger insgesamt. Proportional dazu stiegen und sanken auch die ausgezahlten Leistungen. Rund 1000 der Empfänger sind Langzeitbezieher (länger als ein Jahr).

    In Arbeit oder Ausbildung nach Flucht oder Asyl wurden im Jahr 2018 vom Jobcenter 187 Menschen vermittelt, im Vorjahr waren es 121. Die Zahl der "normalen" Vermittlungen sank von 598 auf 391. Walter Heußlein ergänzte hier, das Handwerk beschäftige bereits 226 Auszubildende mit Migrationshintergrund. "Ohne sähe unsere Bilanz schlecht aus."

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