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    Steinbach

    Steinbacher Sanierungsfall wird Traumhaus und Lebenswerk

    Macht was her: Das Fachwerk wurde freigelegt. Foto: Heinz Scheid

    Für sie ist es wie ein Traumhaus: Gabriele und Wolfgang Riedmann sanieren in Steinbach ein altes Anwesen aus Familienbesitz. Dabei gehen sie möglichst behutsam mit der historischen Bausubstanz um.

    1774 steht auf dem Eckbalken des Fachwerks, samt den Buchstaben M und R. Ein Umriss lässt die Spitze eines Kirchturms vermuten, zumal die Darstellung von einem Kreuz gekrönt ist. Stand der Erbauer des Hauses, jener MR, vielleicht in kirchlichen Diensten?

    Eine von mehreren spannenden Fragen, die bei der Sanierung des Hauses auftauchten. Wobei klar ist: Mit den Buchstaben M und R hat sich einst Michael Rüb an der Fassade verewigt. Es dürfte ein Vorfahre der Familie Riedmann gewesen sein, denn deren Hausname im Dorf lautet "die Rübs".

    Dieser Punkt ist also schnell erklärt. Etwas länger schlugen sich Gabriele und Wolfgang Riedmann mit dem Gedanken herum, ob sie das Haus überhaupt sanieren sollten. Inzwischen sprechen die beiden von einem Lebenswerk und von Liebhaberei. Sie investieren viel Zeit und Arbeit, aber der Einsatz lohnt sich.

    Auf engstem Raum

    Um das beurteilen zu können, muss man nur das Haus vor der Sanierung mit dem jetzigen Zustand vergleichen. Es wurde stark beansprucht, zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg, als zeitweise drei Familien darin wohnten, das heißt auf engstem Raum. Heute kaum noch vorstellbar.

    Das Haus Hofgartenstraße 3 in Steinbach vor der Renovierung. Foto: Familie Riedmann

    Das Gebäude ist ein Einzeldenkmal und steht unter Ensembleschutz, aber davon haben sich die Riedmanns nicht abschrecken lassen. Sie suchten die Teile der Hausgeschichte wie ein Puzzle zusammen. Einem Puzzle gleicht auch die Sanierung: Hier ist eine Befundstelle mit der ursprünglichen Farbe an einer Wand, dort ein morscher Balken, der ersetzt werden muss.

    Blickfang ist die Stuckdecke in einem der Zimmer. In einem Kreis ist eine Taube dargestellt. Soll es der Heilige Geist sein, der über unseren Köpfen schwebt? Die Deutung als religiöses Motiv würde jedenfalls zum Kreuz auf dem Eckbalken passen und wäre ein weiterer Hinweis darauf, dass in dem Haus einst wohl sehr gläubige Menschen wohnten.

    Baumaterial war kostbar

    Wie so oft bei historischen Bauwerken, gab es beim Riedmann-Anwesen viele Veränderungen im Lauf der Jahrhunderte durch An- und Umbauten. Man erkennt unter anderem, dass Balken zweitverwendet wurden: Früher war Baumaterial kostbar, es wurde nichts davon weggeschmissen.

    Es gab aber auch Baufehler, so dass Mauern feucht wurden oder weil Gesetze der Statik nicht beachtet wurden. Folge: Verformungen und Verschiebungen an Decken, Gebälk und in der ganzen Holzkonstruktion.

    Das ist bei alten Häusern immer wieder anzutreffen. In solchen Fällen kann oft nicht mehr der ursprüngliche Zustand erhalten werden, sondern moderne Baustoffe wie Stahlträger und Beton müssen zum Einsatz kommen.

    Gabriele Riedmann und Wolfgang Riedmann sanieren das Fachwerkhaus an der Hofgartenstraße in Steinbach.  Foto: Heinz Scheid

    Handwerker gefunden

    Doch insgesamt gehen Gabriele und Wolfgang Riedmann möglichst behutsam vor und sagen: "Wir haben uns bei der Sanierung bewusst für alte Baumaterialien entschieden." Dazu gehören Lehm und Holz. Zudem machen die Bauherren möglichst viel selbst – und sind froh, dass sie Handwerker gefunden haben, die ein Herz für solche historischen Gebäude haben.

    "Man wächst rein und hat Spaß daran", beschreibt das Ehepaar, wie die Begeisterung für das historische Anwesen gestiegen ist. Sie sehen darin "Ambiente und Geschichte" – und das wollen sie mit anderen teilen.

    Jahreszahl und Initialen an einem Eckbalken. Foto: Heinz Scheid

    Denn künftig soll das Haus als Ferienwohnung vermietet werden. Es stehen zwei Schlafzimmer und eine Wohnküche zur Verfügung. "Anfragen haben wir genug", sagt Gabriele Riedmann.

    Selbst Kaufanfragen für das Gebäude gab es schon. Doch die Riedmanns wollen es nicht hergeben. Denn später soll das Haus vielleicht einmal ihr Alterssitz werden. 

    Heiliger Geist, als Taube dargestellt? Interessantes Element an einer Stuckdecke im Haus Riedmann. Foto: Heinz Scheid

    Bearbeitet von Heinz Scheid

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