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    MARKTHEIDENFELD

    Mann drohte auf Laurenzi mit Messer: Gefängnis

    Ein 29-Jähriger, der 2016 auf der Marktheidenfelder Laurenzi-Messe Sicherheitspersonal mit einem Messer bedroht und einen Security-Mann mit Pfefferspray attackiert hat, muss erneut ins Gefängnis. Der Gemündener Amtsrichter Joscha Richter mochte die Freiheitsstrafe nicht auf Bewährung aussetzen. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass Sie in der nächsten Zeit straffrei bleiben würden.“

    Weil der Angeklagte aus dem Raum Marktheidenfeld wie schon beim ersten Mal wieder nicht zur Verhandlung erschien, wurde er von drei Polizeibeamten abgeholt und in Handschellen ins Amtsgericht gebracht. „Ich habe einfach zu tief ins Glas geschaut, ich kann mich dafür nur entschuldigen“, sagte er zum Vorfall im August 2016. Laut Richter Kreßmann hatte er 1,16 Promille im Blut.

    Nach Platzverweis zurückgekommen

    Damals hatte er um 23.30 Uhr bereits einen Platzverweis erhalten, war jedoch gegen 1 Uhr erneut zum Festplatz gekommen und am Weindorf mit einer jungen Frau in Streit geraten. Ein Sicherheitsmann sagte vor Gericht, dass der Angeklagte sich einen Mundschutz eingeschoben habe, als er auf diesen zuging, und gesagt habe: „Ok, es kann losgehen.“ Das mit dem Mundschutz bestritt der Angeklagte.

    Der bullige Securitymitarbeiter rief seine Kollegen. Als diese dazukamen, zog der „sehr aggressive“ Angeklagte ein Messer aus seinem Hosenbund, mit der linken Hand außerdem ein Pfefferspray. „Kommt her, ich stech euch alle ab“, soll er gerufen haben. Der Angeklagte habe entschlossen gewirkt, berichteten zwei Sicherheitsleute vor Gericht.

    Ohne Vorwarnung Pfefferspray

    Ein halbes Dutzend Sicherheitsmänner bildete daraufhin eine Reihe, damit der Angeklagte nicht in Richtung Festzelt läuft. Als einer einen Schritt auf ihn zumachte, sprühte der Betrunkene diesem ohne Vorwarnung aus drei, vier Metern Entfernung Pfefferspray in die Augen, anschließend lief er davon.

    Security und hinzugezogene Polizei versuchten ihn zu stoppen. Ein Polizeibeamter brachte ihn sogar zu Fall, doch der 29-Jährige rappelte sich wieder auf und lief weiter. Die Beamten forderten den Mann mehrfach auf, stehen zu bleiben und das Messer fallen zu lassen. Doch auch trotz eines Warnschusses in die Luft setzte er seine Flucht fort.

    Unbeteiligter mischte sich ein

    In der Düsseldorfer Straße wurde er schließlich durch mehrere Streifenbesatzungen gestellt. Erst nach mehrmaliger Aufforderung ließ er das Messer und Pfefferspray fallen. Wie der Security-Mann berichtete, wurde der Angeklagte dann von einem Unbeteiligten in grünem Hemd und Lederhose umgerissen. Als die Polizei Pfefferspray einsetzte, wurde auch der eingreifende 22-Jährige verletzt. Die Polizei kritisierte das Eingreifen in ihrem damaligen Bericht als „unnötige“ und „nicht ganz ungefährliche Aktion“.

    An den Vorfall könne er sich nur noch bruchstückhaft erinnern, so der Angeklagte. Das Messer habe er dabei gehabt, weil er es auf der „Mess“ habe schleifen lassen. An was er sich noch zu erinnern glaubte: „Ich bin bedroht und provoziert worden, da bin ich ausgerastet.“ Von wem oder wie, daran konnte er sich nicht erinnern.

    Marihuana für den Rücken

    Weiter wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, dass er bei einer Hausdurchsuchung vergangenen Juli eine geringe Menge Haschisch und Marihuana zu Hause hatte, sowie einen Schlagring. Die Polizei habe ihn im Verdacht gehabt, an einem Motorradunfall beteiligt gewesen zu sein, deswegen die Hausdurchsuchung, so der Angeklagte.

    Das THC nutze er als Schmerzmittel, weil er schon zwei Bandscheibenvorfälle gehabt habe. Eine Lizenz für eine legale Nutzung sei inzwischen beantragt. Der Schlagring sei ein Erbstück seines verstorbenen Großvaters.

    Handy nie angekommen

    Weil er versicherte, ein vor einem Jahr übers Internet verkauftes Handy für 400 Euro abgeschickt zu haben, wurde das Verfahren in diesem Punkt eingestellt. Das Handy war damals nie angekommen. Auf Nachfragen des Käufers habe er nicht reagiert, weil er sich ein neues Handy zugelegt habe.

    Der Staatsanwalt forderte für die gefährliche Körperverletzung durch das Pfefferspray, die mehrfache Bedrohung sowie den unerlaubten Besitz von Drogen und des Schlagrings eine Gesamtstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung.

    Bedrohungen für Security nicht so schlimm?

    Der Verteidiger zog in Zweifel, dass der Pfeffersprayeinsatz tatsächlich gefährliche Körperverletzung war, und vertrat die Ansicht, Securityleute seien ja an Bedrohungen gewöhnt. „Man sollte ihm eine Chance geben“, sagte er und die Strafe unter einem Jahr halten, auf jeden Fall auf Bewährung.

    Er arbeite an seinem sozialen Umfeld, mache Sport, strebe ein Aggressionstraining an, habe jetzt einen festen Job und sei verlobt, sagte der Angeklagte. „Ich bin dabei, mir ein Leben aufzubauen, und hoffe, dass ich die Chance noch mal bekomme.“

    Vorstrafen wurden Angeklagtem zum Verhängnis

    Den Gefallen tat ihm Richter Kreßmann nicht. Was dem Angeklagten, der schon einmal im Jugendgefängnis gesessen hatte, das Genick brach, waren seine vielen Vorstrafen wegen Dingen wie Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und schweren Diebstahls, auch wenn die meisten Verurteilungen schon einige Jahre zurückliegen.

    Die Zahl der Vorstrafen und seine „hohe Rückfallgeschwindigkeit“ ließen den Richter den Angeklagten zu einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilen. Kreßmann sieht den Einsatz von Pfefferspray sehr wohl als gefährliche und nicht bloß als einfache Körperverletzung.

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