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    ROTHENBUCH

    Tannen können Klimawandel trotzen

    Während die Natur noch unter der Trockenheit des Sommers leidet, treffen die Bayerischen Staatsforsten Vorbereitungen, dem unübersehbaren Klimawandel zu trotzen. Bis zu fünf Zapfenpflücker sind derzeit im Staatswaldrevier Schollbrunn von Manfred Parr in luftigen Höhen unterwegs, um wertvolles Tannensaatgut zu gewinnen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Bayerischen Staatsforsten hervor.

    Wurfschleuder schießt Seil in Baumkrone

    Mit leisem Zischen fliegt ein kleiner Ball mit einer langen Schnur Richtung Krone der Alttanne. Diese skurril anmutende Szenerie bildet die Vorarbeit zur Ernte von Tannenzapfen. Dabei schießen die Zapfenpflücker mit einer Wurfschleuder ein Vor-Seil Richtung Krone der Altbäume, um daran das eigentliche Kletterseil zum Besteigen der Bäume zu befestigen. Ist das Kletterseil angebracht, klettern die Zapfenpflücker in die Kronen der bis zu 50 Meter hohen Weißtannen – ein Knochenjob der eine sehr gute Kondition und entsprechende Ausbildung bedarf.

    Die Tanne ist eine der Baumarten, die aufgrund ihres tiefen Wurzelsystems auch in extremen Sommern wie 2018 noch Wasser in den ausgetrockneten Böden des Spessarts finden kann. Somit ist sie eine der heimischen Baumarten, die den Widrigkeiten der zu erwarteten Klimaerwärmung besser trotzen kann als zum Beispiel die Fichte.

    Nachzucht von Tannen ist keine einfache Sache

    Ihre Nachzucht ist allerdings alles andere als einfach. Derzeit liegen Ihre Anteile im Forstbetrieb Rothenbuch bei gerade einmal bei 0,2 Prozent. Die oft in kleinen Gruppen zusammenstehenden Altbäume reichen nicht aus, um die Tanne auf größerer Fläche natürlich zu verjüngen. Da der Waldumbau aber zügig vorangebracht werden soll, um die nicht klimatolerante Fichte durch stabile heimische Baumarten zu ersetzten, muss der Forstbetrieb die Tanne künstlich verjüngen. Die Tanne muss also gepflanzt werden.

    Die Bayerischen Staatsforsten haben in Bindlach bei Bayreuth eine eigene Samenklenge (Forstsamendarre) und einen Pflanzgarten. Hier werden die Samen der Tannen weiterverarbeitet und zu Sämlingen herangezogen. Nach zwei bis vier Jahren im Pflanzgarten haben die Pflanzen die richtige Größe, um wieder den Weg zurück in die Wälder zu finden. Die Tannensämlinge aus Schollbrunn können im ganzen süddeutschen Raum bis zu einer Meereshöhe von 500 Metern ausgebracht werden. Auch in den Spessart kommen Pflänzchen zurück. Hier werden sie von den Waldarbeitern vor allem in ehemalige Fichtenbestände gepflanzt.

    Saatgut wird in der Baumkrone gesammelt

    Doch bevor man pflanzen kann, braucht man erst einmal das Saatgut. Im Gegensatz zur Fichte fallen die Zapfen der Tanne nicht vom Baum, sondern zerfallen bereits in der Krone. Der Samen, der in den Zapfen herangereift ist, fällt aus und verteilt sich in einem großen Radius um den Mutterbaum. Die apfelkerngroßen Samen am Boden zu finden und aufzusammeln, wie das die Spessarter mit den Eicheln machen, sei hier unmöglich, so die Mitteilung der Staatsforsten.

    Deshalb müssen Spezialisten die „Mutterbäume“ erklettern und die Zapfen einige Wochen vor der endgültigen Reife pflücken. Die Altbäume werden durch diese Aktion natürlich nicht beschädigt, sollen sie doch weiterhin das wertvolle Saatgut produzieren können. „Das Klima wird sich immer schneller wandeln. Auch unsere Wälder werden das zunehmend zu spüren bekommen. Es gilt, nun zielgerichtet und konsequent zu handeln um unseren Nachkommen einen Wald zu hinterlassen der den Unbilden der Klimaveränderung möglichst gut gewachsen ist“, so Revierleiter Manfred Parr, der die Pflückaktion betreut. Bearbeitet von: ret

    Bearbeitet von Andreas Köster

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