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    Marktheidenfeld

    "The Ron Lemons" in Marktheidenfeld: Kümmert liefert

    Der Beatclub Mad ist eine Institution. Was kommt heraus, wenn der aktuell wohl berühmteste Main-Spessarter zum ersten Mal dort spielt? Unser Autor war dabei.
    Andreas Kümmert (rechts) kniet während des Gitarrensolos vor Gitarrist Tobias Niederhausen im Beatclub Mad in Marktheidenfeld.
    Andreas Kümmert (rechts) kniet während des Gitarrensolos vor Gitarrist Tobias Niederhausen im Beatclub Mad in Marktheidenfeld. Foto: Diana Bailey

    "Damit Du unseren berühmtesten Musiker in einer coolen Location auch mal kennenlernst", hat mein Kollege in die Mail geschrieben, mit der er meinen Urlaub frühzeitig beendete. Freitag, Einlass um 21 Uhr: Andreas Kümmert und seine "The Ron Lemons" spielen im Beatclub Mad. Ich, erst seit sechs Monaten in Marktheidenfeld, soll hin. Kümmert kenne ich nur aus Erzählungen und Youtube-Videos, mit seiner Band soll er um einiges rockiger spielen. Am Beatclub bin ich ein paar Mal vorbei gefahren, als die B8-Kreuzung gesperrt war. Der Club liegt am Ortsausgang von Marktheidenfeld, direkt am Main. Trotzdem habe ich keine Ahnung, was mich drinnen erwartet und gehe deshalb die Mail nochmal kurz durch. Dann trete ich durch die Tür. 

    Der Beatclub Mad in Marktheidenfeld ist eine Institution. 
    Der Beatclub Mad in Marktheidenfeld ist eine Institution.  Foto: Diana Bailey

    Obwohl Kümmert gleich das erste Mal im Beatclub auftreten wird, hat er mit dem Beatclub eine gemeinsame Vergangenheit – schon bevor der Gemündener Voice of Germany gewonnen hatte und den Eurovision Song Contest absagte. Dafür telefoniere ich zwei Tage später mit Till Langhorst. Er ist seit Anfang der 2000er-Jahre sowas wie der Haus-DJ des Beatclubs. "Andreas hat damals überall gespielt, wo man ihm eine Steckdose freigemacht hat", erzählt er. Irgendwie sei Kümmert an seine Handynummer gelangt und habe gefragt, ob er nicht spielen dürfe, wenn Langhorst im Beatclub auflege. Langhorst schob die Anfrage auf die lange Bank. "Damals dachte ich, dass das nicht so passt: ich spiele eher Motörhead, er Akustikgitarre", sagt Langhorst und lacht: "Wie man sieht, hat er es mir nicht übel genommen." 

    Der Beatclub Mad: ein kleiner, aber feiner Braukeller

    Der Beatclub ist ein kleiner ehemaliger Braukeller – so klein, dass das Schlagzeug in einer Nische neben dem DJ-Pult an der Stirnseite des Raumes verschwindet. An den roten Sandsteinen tanzen die rot-grün-blauen Punkte der Lichtanlage. Es gibt keine Bühne. Die Instrumente sind vor dem Pult aufgebaut. Vor den Fenstern hängen Plakate mit Cocktailgläsern drauf, über dem Pult hängt eine Flagge: Motörhead. Aus einem großen Lautsprecher dröhnt Rockmusik. Draußen könnte die Welt untergehen, man würde es nicht mitbekommen. Die Mauern, sagt Till Langhorst, sind zeitlos. 

    Pünktlich um 22 Uhr werfen Andreas Kümmert, Asbjörn Gärtner (Bass) und Tobias Niederhausen (Gitarre) die Verstärker an. Ulli Bieber spielt Schlagzeug. "Wir freuen uns, dass wir heute ein bisschen Lärm für Sie machen dürfen", sagt Kümmert nach dem ersten Song. Nach dem zweiten Song läuft ihm schon der Schweiß von der Stirn. Nicht weil es heiß ist. Er verausgabt sich, als würde er auf einer riesigen Bühne und nicht mit 80 Leuten auf Augenhöhe stehen. Was sich auf YouTube schon krass angehört hat, klingt live, einen Meter von Kümmert entfernt, noch viel krasser. 

    Andreas Kümmert im Beatclub Mad in Marktheidenfeld.
    Andreas Kümmert im Beatclub Mad in Marktheidenfeld. Foto: Diana Bailey

    Studenten, Senioren und Motorrad-Rocker: Das Publikum ist vielfältig

    Als Blues Rock bezeichnet Kümmert das, was sie da spielen. Sie covern hauptsächlich Songs bekannter Bands, aber in ihrem eigenen Stil. "Up to my neck with you" von AC/DC, "Break on through (to the other side)" von The Doors oder "Blue Jean Blues" von ZZ Top: Lemmy Kilmister von Motörhead hätte das gefallen. Für einen Song übernimmt sogar Till Langhorst das Mikrophon. "Pass auf, bei der letzten Band, bei der ich ausgeholfen habe, bin ich danach eingestiegen", scherzt er nach dem Song. 

    Ganz ohne Akustikgitarre geht es dann doch nicht. Tief ironisch kündigt Kümmert an, für ein kurzes Set mitten ins Publikum zu kommen: "Wir haben vor, den Abend so unangenehm wie möglich für alle Leute zu machen." Um die Band bildet sich ein Kreis. Langhaarigen wippen neben Kurzhaarigen, Frauen neben Männern, Alte neben Jungen, Spießer neben Mitgliedern des "Outlaw Motorcycle Clubs".

    "Der Beatclub, das ist eine eigene Welt", antwortet Till Langhorst, als ich ihn frage, wie er den Braukeller beschreiben würde. Damit hat er Recht. Als ich nach zwei Stunden Konzert wieder in mein Auto steige, war es den kürzeren Urlaub wert – auch wenn meine Ohren noch die ganze Heimfahrt rauschen.

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