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    Karlstadt

    Thriller in der Gerbergasse: Die blinde Susy wird bedroht

    Die blinde Susy wird in ihrer Wohnung gleich von drei Gangstern bedroht. Sie fordern eine verschwundene Puppe. Foto: Günter Roth

    Der Karlstadter Theaterherbst in der Gerbergasse beschert in diesem Jahr seinen Freunden keine heitere Komödie, sondern Frederick Knotts Kriminalstück "Warte bis es dunkel ist". Während in dem gleichnamigen Thriller von Terrance Young aus dem Jahr 1967 Audrey Hepburn in der Rolle der blinden Susy brillierte, war in der Gerbergasse die junge grandiose Carolina Hanke Mittelpunkt und Seele des Stücks.

    Die blinde Susy Hendrick lebt mit ihrem Mann Sam in einem New Yorker Apartment. Als er eines Tages von einer Geschäftsreise eine Puppe mit nach Hause bringt und diese kurz darauf verschwindet, braut sich Unheil über der jungen Frau zusammen. Drei Gangster, Harry Roat (Michael Meisenzahl), Mike Talman (Janik Havla) und "Sergeant Carlino" (Johannes Scheiner), geben sich als Polizisten aus und nutzen die Abwesenheit von Susys Mann und suchen mit steigendem Nachdruck die Puppe, in der ganz offensichtlich  Rauschgift versteckt ist. Bald stellt sich heraus, dass das Nachbarmädchen Gloria (Selina Jäger) das Spielzeug an sich genommen und es jetzt im Mülleimer versteckt hat.

    Die blinde Susy steht im Mittelpunkt der Handlung

    Wie auch im Film fokussiert sich nahezu die gesamte Handlung auf die blinde Susy. Carolina Hanke zeigt überzeugend die Entwicklung von der verzagten und hilflosen Frau zur aktiven, resoluten Hauptfigur, die wegen ihres Handicaps besonders vom Obergangster Roat unterschätzt wird. In kleinen Schritten erlebt der Zuschauer dieses mit: Sie hört, wie Fingerabdrücke abgewischt werden, sie spürt zusätzliche Personen im Raum und sie kann veränderte Stimm-Modulationen interpretieren. Wie, wenn nun beim Show-Down der Gegner auch blind würde? - "Warte bis es dunkel wird!"

    Der Herbst-Krimi ist wirklich spannend und von Michael Meisenzahl als Regisseur auch weitgehend bestens in Szene gesetzt. Nur in der ersten Viertelstunde wird die Geduld des Zuschauers arg auf die Probe gestellt. 15 dialoglastige Minuten, eine Fülle von Namen, für die es zunächst keine Bilder gibt und kaum eine Aktion. Dies ist zwar weitgehend dem Autor Knott anzulasten, aber vielleicht hätte man hier den Mut zum Kürzen haben sollen.

    Eine brillante Vorstellung zeigt die junge Carolina Hanke (rechts) in der Rolle der blinden Susy. Im Bild mit Janik Havla. Foto: Günter Roth

    Die schauspielerische Leistung der Truppe aber macht das längst wett. Neben der ausgezeichneten Hanke gefällt besonders der "Kleinkriminelle" Janik Havla, perfekt in Sprache und Artikulation sowie sehr differenziert und variationsreich im Spiel. Sein Mitganove, der angebliche Sergeant Carlino glänzt besonders in emotionalen Szenen, in denen er sein Temperament bestens einbringen kann. Pfiffig und scheinbar wunderbar kindlich naiv gibt sich Selina Jäger als Gloria, die dann doch im rechten Moment zur Stelle ist. Obwohl er nur am Anfang und am Schluss zu sehen ist, konnte auch Daniel Ruf als Susys Ehemann gefallen.

    Von seiner Rolle her ist dem Obergangster Meisenzahl eigentlich nur der fiese Charakter beschieden, den er im langen schwarzen Mantel und finsterem Blick überzeugend darstellt. Es wäre interessant, diesen ambitionierten Schauspieler einmal in einer facettenreicheren, emotionaleren Rolle zu sehen!

    Gegenpol zu den üblichen Lustspielen

    Der Thriller "Warte bis es dunkel ist" war gewiss als Experiment, als Gegenpol zu den üblichen Lustspielen gedacht und das begeisterte Premierenpublikum hat letztendlich den Erfolg des Versuchs bestätigt. Es ist ein Weg, den man weitergehen und als Ergänzung zum übrigen Programm sehen sollte. Die junge Gruppe um Michael Meisenzahl könnte dafür gerade richtig sein.

    Wie immer schuf Peter Gsell auch diesmal ein großartiges Bühnenbild mit einer umwerfenden Liebe zum Detail, bei dem nicht einmal das berühmte Portrait von Audrey Hepburn mit der ewig langen Zigarettenspitze fehlte. Bestens abgestimmt auch die Arbeit der Beleuchter, die mit gekonntem Lichterwechsel die Sichtweisen der "Sehenden" und der "Blinden" erkennbar machten.

    Alles in allem ist das Stück einschließlich der 60er-Jahre Requisite eine schöne Hommage an die "Gute alte Krimizeit" im Stile von Alfred Hitchcock.

    Weitere Aufführungen des Stückes gibt es an den kommenden Wochenenden bis einschließlich Samstag, 7. Dezember. Näheres ist der Homepage des Theaters in der Gerbergasse zu entnehmen.

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