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    Thüngen

    Thüngens letzte Traditionsmetzgerei steht vor dem Aus

    Nachdem jahrzehntelang Hermann Müller in der Metzgerei arbeitete, übernahm vor acht Jahren Peter Svjoka den Betrieb. Jetzt geht er zurück in die Heimat nach Niederbayern. Foto: Günter Roth

    Vier Metzger hat es vor drei Jahrzehnten in Thüngen gegeben, und alle hatten dort ihr Auskommen. Dann zog der erste von der damaligen Gastwirtschaft "Schwarzer Adler" nach Stetten um, die Familie Wiesner gab auf und dann die Familie Sauer in der Obergasse. So waren die Thüngener heilfroh, dass vor acht Jahren Peter Svojka den Leerstand der Metzgerei Müller am Planplatz beendete und dort Fleisch und Wurstwaren produzierte und verkaufte. Zum Jahreswechsel aber ist auch damit Schluss.

    "Wir haben alles Mögliche versucht, aber nichts hat so richtig funktioniert", klagt Svojka. Im Gespräch war ein Kauf des Anwesens am Planplatz oder gar ein Neubau im Zusammenhang mit einem möglichen Dorfladen. Um mit der Zeit zu gehen und den geänderten Kundenansprüchen gerecht zu werden, wurde ein Automat vor dem Geschäft aufgestellt, und ein eigens angeschaffter Verkaufswagen fuhr durch die benachbarten Dörfer. Aber geholfen hat es nichts. Der Marktplatz ist schon recht "ab vom Schuss". Hier gibt es keine Laufkundschaft wie Kraftfahrer auf der Bundesstraße, die mal kurz halten um eine Brotzeit zu kaufen. Zur Thüngener Metzgerei kommen nur Stammkunden - und die immer weniger.

    Die Gründe dafür sieht Peter Svojka in der allgemeinen Konsumentwicklung. Wer auswärts arbeitet, kauft oft auf dem Heimweg im Supermarkt, weil er dort auch alles Andere mitnehmen kann. Und dann sei da natürlich noch der Preis. Entgegen allen offiziellen Beteuerungen wird noch immer möglichst billig beim Discounter gekauft. "Ich aber muss mein Fachpersonal vernünftig bezahlen, und bei mir wird die Ware immer heute produziert und liegt morgen sie frisch in der Kühltheke", sagt der Metzgermeister. Das schlage sich natürlich auch im Preis nieder.

    Trotzdem hat er mit seinem Betrieb eine große Zahl treuer Kunden. Der Niederbayer mit tschechischen Wurzeln fühlte sich in Thüngen bestens aufgenommen und anerkannt. Die Suche nach einem Nachfolger verlief trotz intensiver Suche ergebnislos, auch ein Filialbertrieb konnte nicht gefunden werden.  Svjoka geht nun mit seiner Familie zurück in die Heimat nach Niederbayern.

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