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    GRÄFENDORF / HAMMELBURG

    Tourismusverein Saaletal: Das Ende ist nahe

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    Dem Tourismusverein gehören die Infotafeln in der Stadt Hammelburg und der Umgebung. Werbung für die Region ist die Hauptaufgabe. Foto: Winfried Ehling

    In diesem Jahr endet nach 114 Jahren die Geschichte des Hammelburger Tourismusvereins, der zunächst als „Verschönerungsverein“ gegründet worden war. Auf der Mitgliederversammlung im Frühjahr soll die Auflösung des Vereins „Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg“ (TFSH) formell in die Wege geleitet werden.

    Gründung vor 114 Jahren

    „Insgesamt sind das natürlich betrübliche Nachrichten, einen Verein nach 114 Jahren aufzulösen. Aber alles hat seine Zeit“, heißt es dazu in einem Infobrief, den die Mitglieder in diesem Monat bekommen haben. Nachdem die Absicht, den Verein aufzulösen, im vergangenen Sommer bekannt geworden ist und für Aufmerksamkeit gesorgt hat, erläutert TFSH-Vorsitzender Alfred Jeurink in dem Schreiben noch einmal ausführlich die Gründe.

    Jeurink führt vor allem die Entwicklung professioneller Vermarktungsstrukturen an: Er nennt an erster Stelle den touristischen Zusammenschluss „Frankens Saalestück“. Es gebe dadurch Überschneidungen und Dopplungen mit der ehrenamtlichen Arbeit des Vereins TFSH.

    Gräfendorf seit Jahren dabei

    Diesem gehört auch die Gemeinde Gräfendorf seit Jahren an, „da die Saale nicht im Hammelburg aufhört“, wie Bürgermeister Alfred Frank erläuterte. Deswegen engagiert sich die Gemeinde für Projekte die auch über die Gemeindegrenzen hinaus touristische Bedeutung haben. Gräfendorf zum Beispiel für den Lückenschluss am Saaletal-Radweg gesorgt, so Frank.

    Unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft „Frankens Saalestück“, die ab 2009 entwickelt wurde, bündeln zehn Kommunen von Bad Kissingen bis Hammelburg – alle aus dem Landkreis Bad Kissingen – ihre Bemühungen mit Winzern, Gastronomen, Direktvermarktern und Touristikern, um die Region touristisch zu entwickeln. Gräfendorf ist in der AG, der die Stelle eines hauptamtlichen Produktmanagers zugeordnet ist – derzeit Geerd Müller – noch nicht vertreten.

    Der TFSH hat beschlossen, seine bisherigen Aufgaben auf „Frankens Saalestück“ zu übertragen. „Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Herausgabe des Unterkunftsverzeichnisses, Besuch von Messen, Anregungen zur Verschönerung des Ortsbildes und der Tourismusinfrastruktur, Gästeinformation, Zimmervermittlung bis hin zur Durchführung von Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Tourist-Info der Stadt Hammelburg“ gehören laut den Vorbemerkungen zur Vereinssatzung zu den Aufgaben des TFSH.

    Wechsel zu „Frankens Saalestück“?

    Auch in Gräfendorf stellt man deswegen Überlegungen an, sich „Frankens Saalestück“ anzuschließen, bestätigte Bürgermeister Frank. Allerdings kennt man in Gräfendorf die Arbeit des Saalestücks noch nicht im Detail. Bürgermeister Frank hat deswegen bereits ein Informationstreffen mit seinem Hammelburger Amtskollegen vereinbart.

    TFSH-Vorsitzender Jeurink spricht in seinem Infoschreiben außerdem davon, dass heutzutage auf verschiedenen Reiseplattformen, Foren und sozialen Medien geworben werden muss. Diese vielfältigen Aktivitäten im Internet sieht er als ehrenamtlich nicht zu bewältigen an, zumal beim TFSH die Mitgliedersituation schwieriger geworden ist.

    Nachfolger für Ämter fehlen

    So fehlt dem Werbeausschuss schon länger ein Vorsitzender. Laut dem Infobrief müsste bald genauso für den Schatzmeister ein Nachfolger gefunden werden, der zurzeit aber nicht in Sicht sei.

    Nach dann neun Jahren als Vorsitzender will selbst Jeurink sein Amt abgeben. Das hatte er bereits vor mehreren Monaten angekündigt. Ein Nachfolger für ihn hat sich bisher offenbar ebenfalls nicht abgezeichnet.

    „Heute gibt es professionelle Organisationen und jeder Gastronom, Winzer, Brenner und Direktvermarkter sowie die Geschäftswelt sorgen mit ihrer Werbung mittlerweile auch für die Bewerbung der Region. Eine wirklich zukunftsorientierte Entwicklung, auf die man stolz sein kann und die einen örtlichen Tourismusverein entbehrlich macht“, fasst Jeurinks Brief die Situation zusammen.

    Geschichte des Tourismusvereins

    Entstehung: Der Verein „Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg“ hat über die Jahrzehnte mehrere Wandlungen erlebt. Als Vorgängerorganisation gilt der „Verschönerungsverein Hammelburg“. Dieser gab sich im Jahr 1905 eine Satzung und ließ sich beim königlichen Amtsgericht Hammelburg eintragen.

    Aus diesem Verein entwickelte sich in den späteren Jahren der „Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Hammelburg Stadt und Land“.

    Ihm konnten sich dann auch die Nachbargemeinden der Stadt anschließen. Im Jahr 2010 löste sich der Verein vom Begriff „Fremdenverkehr“, der ihm nicht mehr als zeitgemäß erschien. Er gab sich einen neuen Namen: „Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg“.

    Mitglieder: Dem Verein „Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg“ gehören sechs Kommunen an: Hammelburg, Elfershausen, Fuchsstadt, Oberthulba, Wartmannsroth und Gräfendorf. Dazu kommen Mitgliedschaften von Betrieben aus Gastronomie und Hotellerie. Bei Auflösung fällt das Vereinsvermögen zweckgebunden für Tourismusförderung an die Mitgliedsgemeinden. A. Guzy

    Tourismus ist nicht auf die Gemeinde beschränkt, wie etwa der Radweg entlang der Saale in Gräfendorf zeigt (hier ein Bild von der Freigabe nach dem Lückenschluss im Juni 2017). Die Gemeinde war deswegen bisher Mitglied im Verein „Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg“. Da dessen Auflösung beschlossen ist, erwägt man ein Engagement in der Arbeitsgemeinschaft „Frankens Saalestück“. Foto: Wolfgang Schelbert

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