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    Wombach

    Traditionsverein auf gesundem Fundament zum 125. Geburtstag

    Wombacher Musikanten beim Stiftungsfest 1894. Foto: Wombacher Blasmusik

    2008 feierte der Musikverein Wombach sein 60-jähriges Bestehen, elf Jahre später steht plötzlich der 125. Geburtstag ins Haus. Wie sich dieser Quantensprung erklärt, erläutern der Erste Vorsitzende Gerd Ullrich und Dirigent Klaus Hübner: "Wir gingen anfänglich von der Zeitrechnung nach dem Zweiten Weltkrieg aus, als Kapellmeister August Ullrich 1948 die Wiedergründung der Kapelle initiiert hat." Durch Zufall sei ein Dokument aufgetaucht, auf dem das Gründungsdatum 23. März 1894 per Stempel beglaubigt ist.

    An dem Tag rief der damalige Dirigent August Ott die zehnköpfige "Separate Blasmusik" ins Leben. Damit ist sie die Ur-Mutter der heutigen "Wombacher Blasmusik". Der 125. Jubeltag wird im Rahmen des Kreismusikfestes vom 30. Mai bis 2. Juni im Industriegebiet Süd gefeiert unter dem Motto "Zünftich feiern". Seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf die viertägige Großveranstaltung mit etlichen Gastkapellen und einem 1000-Mann-Zelt – eine logistische Meisterleistung.

    Wombacher Musikanten beim Faschingszug 1921. Foto: Wombacher Blasmusik

    Laut Ullrich schultert Hübner den größten organisatorischen Brocken. Unterstützt wird er von der gesamten Vorstandschaft und mehreren Arbeitskreisen. Am 18. Mai reisen die Cousins Ullrich und Hübner nach Landshut. Dort wird Staatsminister Bernd Sibler den Wombacher Verein in einem Festakt mit der "Pro Musica-Plakette" auszeichnen. Verliehen wird sie von der Bayerischen Staatsregierung für eine nachgewiesene über 100-jährige Blasmusiktradition.

    Vorsitzender Gerd Ullrich, seit 17 Jahren im Amt. Foto: Musikverein Wombach

    Mit fast 80 noch an der Tuba

    Nicht nur Tradition wird bei den Wombachern groß geschrieben. Drei Kapellen stehen für ein familiäres Wir-Gefühl, eine stetige Weiterentwicklung und leidenschaftliches Musizieren sowohl böhmisch-mährischer Blasmusik als auch konzertanter Literatur und moderner Unterhaltungsmusik. "Wir haben ein gesundes Fundament", sagt Ullrich. Der Älteste bei den Original Wombachern ist der fast 80-jährige Roman Hahn an der Tuba, die Jüngsten sind zwei Musikerinnen mit 15 und 16 Jahren. Gerd Ullrich (49) übernahm nach zehnjähriger Jugendleitung 2002 den Vorsitz des Vereins von dem Ehrenvorsitzenden Max Hahn.

    Ullrich fing als 15-Jähriger an, Musik zu machen. Drei Jahre lang spielte er in der Jugendkapelle, ab 1986 war er Tenorhornist bei den Aktiven. Als Klarinettistin mit in der Kapelle ist seine Tochter Lisa-Marie (19). Im kommenden Jahr stehen Neuwahlen an. "Ich mache weiter", sagt Dirigent Klaus Hübner (Jahrgang 1960). Er ist der Sohn des 2016 verstorbenen Gründungsmitglieds Helmut Hübner. "Die Begeisterung für Musik ist in unserer Familie weitergegeben worden." Mit von der Partie sind längst auch seine Söhne Maximilian (29) am Flügelhorn und Felix (22) an der Trompete.

    Keine Spur von Dorfkapelle

    Hübner selbst wollte schon als Junge "einfach nur Musik machen und bei der Truppe sein". Mit elf Jahren lernte er bei Bernd Rüth in Rothenbuch Klarinette und anschließend Saxophon, mit 13 war er in der Wombacher Blasmusik. Als er 22 war, übergab Dirigent Dieter Baier aus Gambach dem Klarinettisten den Taktstock. Absolviert hatte Hübner bereits das Leistungsabzeichen des Nordbayerischen Musikbunds in Bronze, das Silberne in Hammelburg und mehrere Kurse, doch Erfahrung in der Stabführung hatte er so gut wie nicht. An seinen ersten öffentlichen Auftritt beim Volkstrauertag 1982 erinnert er sich so. "Ich war aufgeregt. Das Dirigieren habe ich vorab vor dem Spiegel geübt."

    Seit 1982 führt und fordert er das Orchester der gut 30 Musiker starken Original Wombacher Blasmusik. Die knapp 20 Wombacher Dorfmusikanten stehen unter der Leitung von Wolfgang Siegler, das rund 35-köpfige Jugendorchester führt Simone Wiegand. Und bei allen Dreien zeigt sich sofort: Da ist keine Spur von "Dorfkapelle" – ganz im Gegenteil! Zu den Highlights der Aktiven zählte 1989 die USA-Reise von rund 30 Musikern nach Newark in der Nähe von New York. Auf Einladung eines deutschen Musikclubs nahmen sie an der "Steubenparade" teil und gaben mehrere Konzerte. Im Gepäck hatten sie ihre brandneue Kassette mit böhmischer Musik. 2012 folgte ihre erste CD, die zweite wurde 2016 gebrannt.

    Klaus Hübner, seit 1982 Dirigent der Original Wombacher Blasmusik. Foto: Rita Gress

    Das Programm zum Kreismusikfest

    Am Donnerstag, 30. Mai, Eröffnung des Kreismusik- und Vatertagsfests ab 10.30 Uhr. Als musikalische Gäste dabei sind unter anderem "Grösmeijers Markelo" aus den Niederlanden und bei der Vatertags-Party ab 18 Uhr die Kultband aus der Region "Mir 2Wä & Band". Tags darauf heißt es "Blasmusik PUR XXL" mit Sternmarsch und abends dem "Wiesthaler Blechhaufen", den "Sarganserländer Musikanten" aus der Schweiz und "Mission Böhmisch", den Europameistern der böhmisch-mährischen Blasmusik 2017.

    Am Freitag, 1. Juni: Konzerte und Sternmarsch der Gastkapellen, abends große Dirndl- und Lederhosen-Trachtenparty mit den "Damberg Lumpen", einer Newcomer-Blasmusik-Boygroup aus Oberösterreich. Für ein zündendes Finale am Musikfestsonntag, 2. Juni, sorgen die Stadtkapelle Lohr und am Abend "Meeblech", die Aufsteiger-Formation aus Mainfranken. Bei allen Veranstaltungen ist freier Eintritt.

    Chronik der Wombacher Blasmusik
    1876 Gründung der "Geigenmusik" zur Bereicherung des kulturellen Lebens in Wombach durch 16 Musiker um Anton Siegler. Ab 1890 Führung durch August Ott, der 1894 die ins Leben gerufene "Separate Blasmusik" leitete. 1897 Auflösung der Streichmusik. 1948 Wiedergründung der Kapelle durch Kapellmeister August Ullrich.
    Ab 1965 vier Jahre lang Stabführung des Lohrer Kaplans Erich Büttner, der sich in seiner Filialgemeinde St. Peter und Paul auch als Aktiver einbrachte und zum Ehrenmitglied ernannt wurde. 1968 Führung durch Chorleiter und Dirigent Gottfried Rüth und kontinuierliche Weiterentwicklung der Kapelle; 1973 Aufbau des Trommelzuges. Nach 14 Jahren Erfolgsgeschichte Übergabe des Taktstocks an Dieter Baier aus Gambach. Ernennung von Rüth zum Ehrendirigenten. Er starb 2017 mit 91 Jahren.
    Am 22. Mai 1981 Gründung des Musikvereins "Wombacher Blasmusik". 1997 Umzug in das mit viel Eigenleistung erstellte neue Musikheim, in dem seither Proben und Unterricht stattfinden. Der Verein finanziert sich selbst durch Einnahmen aus Festen wie dem Festlichen Jahreskonzert, Vatertagsfest oder der Zeltkirb mit dem KCW.

    Bearbeitet von Rita Greß

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