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    Gemünden

    Trägt Tierhalter Schuld am Tod einer Ziege?

    Mit der Viehhaltung hat ein 49-jähriger Landwirt, der wiederholt vor Gericht stand, nach eigenen Angaben abgeschlossen. Ein Fall aus der Vergangenheit ist aber noch aufzuarbeiten.
    Das Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

    Drei Verurteilungen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz hat ein 49-jähriger Landwirt aus dem Raum Gemünden bereits im Bundeszentralregister eingetragen. Jetzt muss er sich erneut, dieses Mal wegen des Todes einer Ziege, vor Gericht verantworten. Der Prozess am Amtsgericht Gemünden ist auf drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird am kommenden Donnerstag erwartet.

    Vor genau zehn Jahren wurde der Landwirt wegen seiner Tierhaltung zum ersten Mal auffällig. Insgesamt 27 Rinder hielt er ohne ausreichenden Wetterschutz und Versorgung auf einer Sommer- und Winterweide. Einige Kühe brachten auch auf der Weide ihre Kälber zur Welt. Am Ende wurde dem Mann die komplette Herde weggenommen und ihm ein Halte- und Betreuungsverbot für Rinder auferlegt. Außerdem verurteilte ihn das Gericht zu einer Geldstrafe.

    Wegen des Halteverbots sattelte der gelernte Landwirt um und hielt sich nun eine Herde von Ziegen. Doch auch hier zeigte er kein glückliches Händchen. Fünf bis sechs Böcke verendeten, weswegen er erneut zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Wegen des vom Staatlichen Veterinäramt am Landratsamt Main-Spessart verhängten Tierhalteverbots, "versteckte" der Landwirt seine Ziegenherde. Zunächst auf verschiedenen Weiden, dann über den Winter 2017/2018 im Stall eines Schafshalters im Raum Gemünden. "Ich habe die Herde nicht versteckt, habe nur dem Landratsamt nicht gesagt, wo die Tiere sind", so seine Version.

    Nach den Rindern auch die Ziegen weggenommen

    Die Veterinäre stöberten jedoch die neue Bleibe auf und so kam es am 6. März 2018 zur Wegnahme der aus Ziegen verschiedener Rassen bestehenden Herde. Hierbei zeigte sich der jetzt angeklagte Landwirt sehr kooperativ, gab Tipps, welche Ziegen sich untereinander nicht vertragen und gab den Veterinären auch noch Futter für die kommenden Tage mit. Unter Aufsicht wurden die Tiere dann bei einem Schafhalter im Raum Karlstadt untergebracht und in dessen Betrieb überführt. Dabei erhielten sie auch neue Ohrmarken.

    Den Allgemeinzustand der Herde bezeichnete der Leiter des Veterinäramtes als nicht gut. "Überwiegend die weißen Ziegen, die abgemagert waren", schilderte ein Veterinärassistent die Situation. So auch eine einjährige Ziege, die bereits ein Zicklein hatte und die rund eine Woche später verstarb. "Eine weiße Ziege ist mit etwa zwei Jahren ausgewachsen und hat ein Körpergewicht von 70 bis 80 Kilogramm. Eine Einjährige etwa 90 Prozent davon", so der Fachmann. Die betreffende Ziege wog bei der Wegnahme jedoch nur 22 Kilogramm. Wie die meisten anderen Tiere auch litt sie unter "mittlerem bis starkem Befall" an Parasiten, wie der Untersuchungsbericht des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit später ergab.

    Landwirt räumt ein, dass Tier gelitten hat

    "Die Ziege hat gelitten", räumte der 49-jährige Landwirt bei seiner Befragung ein, allerdings verwies er darauf, dass der Parasitenbefall "nicht massenhaft" gewesen ist. Ein gewisser Parasitenbefall sei bei der Tierhaltung während des Winters in einem Stall sogar gewünscht, betonte er. Er habe die Tiere einmal täglich versorgt und jedes Tier einzeln mit gutem Futter gefüttert. Nach der Wegnahme seien sie wahrscheinlich in der Menge gefüttert worden, wobei sich naturgemäß die stärksten Tiere durchsetzten.

    "Es ist nicht gesichert, dass das Tier verhungert ist", betonte der Leiter des Veterinäramtes. "Das Tier war vital, als es mir weggenommen wurde", so der Landwirt. "Die Ziege ist denen gestorben und nicht mir", erklärte er weiter.

    Egal, wie das Urteil am Donnerstag ausfällt, wird sich der Landwirt an das rechtskräftige Tierhalte- und Betreuungsverbot halten. "Kein Bedarf mehr", unterstrich er, dass er von der Landwirtschaft verabschiedet hat. Er will künftig nur noch als Nachhilfelehrer für Englisch und Mathematik arbeiten.

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