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    WEIBERSBRUNN

    Traf iranischer Diplomat "Verabredung zum Mord"?

    Für deutsche Ermittlungsbehörden steht offenbar fest: Der in Unterfranken festgenommene iranische Diplomat Assadollah A. war mutmaßlich der Drahtzieher hinter einem gescheiterten Anschlag auf Exil-Iraner in Paris. Das gab jetzt der Generalbundesanwalt in einer Pressemitteilung bekannt.

    Darin bestätigt Deutschlands oberste Ermittlungsbehörde nun offiziell Recherchen dieser Redaktion von vergangener Woche. Nun hat Deutschlands oberster Strafverfolger einen Haftbefehl gegen den 46-Jährigen erwirkt. „Ihm werden Spionage und Verabredung zum Mord vorgeworfen“, heißt es in der Presseerklärung. Die deutschen Ermittlungen stünden der beantragten Auslieferung des Mannes nach Belgien aber nicht entgegen, das einen europäischen Haftbefehl gegen den Mann erwirkt hatte.

    Anschlag beauftragt

    Inzwischen geben die Ermittlungsbehörden neue Ergebnisse ihrer Nachforschungen bekannt. Assadollah A. soll bereits im März 2018 ein in Antwerpen lebendes Ehepaar iranischer Herkunft beauftragt haben, einen Sprengstoffanschlag auf die jährliche „Große Versammlung“ der iranischen Auslandsopposition am 30. Juni 2018 in Villepinte (Frankreich) zu verüben. Rund 25 000 Menschen hatten daran teilgenommen, darunter auch als Gast der unterfränkische CSU-Politiker Eduard Lintner.

    Der Beschuldigte soll dem Ehepaar Ende Juni 2018 in Luxemburg-Stadt eine Sprengvorrichtung mit 500 Gramm des Sprengstoffes Triacetontriperoxid (TATP) übergeben haben. Am Tag des geplanten Anschlages haben belgische Sicherheitsbehörden das Ehepaar auf dem Weg nach Frankreich festgenommen und die Sprengvorrichtung sichergestellt.

    Auch in dem Wagen, in dem der iranische Diplomat tags darauf auf der Autobahn A 3 mit drei Begleitern unterwegs war, wurde Sprengstoff vermutet. Deshalb wurde das Auto an der Raststätte Spessart-Süd auf einen Parkplatz geleitet und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen untersucht. Sprengstoff wurde nicht gefunden.

    Auch im Geheimdienst tätig

    Der deutsche Chefankläger bestätigte auch, dass der Beschuldigte Assadollah A. seit 2014 als 3. Botschaftsrat an der iranischen Botschaft in Wien akkreditiert war. Nach den vorliegenden Erkenntnissen war er Mitarbeiter des iranischen Nachrichtenministeriums. Zu dessen Aufgaben gehört laut Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe „in erster Linie die intensive Beobachtung und Bekämpfung oppositioneller Gruppierungen innerhalb und außerhalb des Irans“.

    Der Beschuldigte wurde am 9. Juli 2018 dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Der eröffnete dem Beschuldigten den Haftbefehl und ordnete den Vollzug von Untersuchungshaft an. Sein Diplomatenstatus schützte ihn nur in Österreich vor Strafverfolgung, deshalb konnte er in Unterfranken aufgrund des europäischen Haftbefehls festgenommen werden.

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