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    Büchold

    Trend geht zu "Tiefladerbauern"

    Immer mehr Fläche, immer größere Maschinen. Dieser Trend in der Landwirtschaft hält an. Foto: dpa/Jens Büttner

    Heute bewirtschaftet ein richtiger Vollerwerbslandwirt ungefähr 250 Hektar. In ein paar Jahren werden es 500 Hektar sein. Davon gehen Notker Wolf und Helmut Rüth aus. Wolf ist seit 34 Jahren bei der Baywa und dort als Verkaufsberater für Agrarprodukte zuständig für einen Großteil des Landkreises Main-Spessart sowie angrenzender Teile der Landkreise Würzburg und Bad Kissingen. Helmut Rüth ist Biolandwirt. Beide leben in Arnsteins ländlichem Ortsteil Sachserhof.

    Für die Vergrößerung der Betriebe werden Investitionen nötig sein, die sich nur große Höfe leisten können. Das werde dazu führen, dass noch mehr Bauern aufgeben. "Denn kein vernünftiger Bauer will einen verschuldeten Betrieb übergeben und kein Nachfolger will Schulden übernehmen", sagt Rüth.

    Riesige Maschinen

    Um einmal die Größe von 500 Hektar zu veranschaulichen: Das ist zum Beispiel eine Fläche von einem Kilometer Breite und fünf Kilometern Länge. Dafür sind leistungsstarke Maschinen nötig. Schon jetzt gibt es in anderen Gegenden "Tiefladerbauern". Diese bringen riesige Maschinen mit, bewirtschaften große, maschinengerechte Flächen und sind dann wieder verschwunden. Solche Maschinen, die für große Flächenleistungen nötig sind, hinterlassen mit ihrem Gewicht Strukturschäden im Boden mit Verdichtungen, die die natürliche Bodenfruchtbarkeit zerstören, erklärt Rüth.

    In den hiesigen Breiten ist es noch nicht so weit. Aber moderne, große Schlepper sind auch hier mit bis zu 60 km/h unterwegs. Mit diesen kann man schnell in entferntere Gemarkungen gelangen und dort ähnlich "anonym" Flächen bewirtschaften. Solche Bauern haben kein Interesse an kleinen, oft wertvollen Parzellen, zum Beispiel Streuobstwiesen. Denn diese können nicht mit großen Maschinen bewirtschaftet werden.

    Mit den Bulldogs ging es los

    Für Wolf und Rüth begann der Strukturwandel mit dem Aufkommen der Bulldogs der späten 1950er Jahren. Die kleineren hatten zwölf PS, die größeren 25. Notker Wolf erzählt eine Anekdote aus dieser Zeit: "Ein älterer Bauer fuhr das erste Mal mit so einem Bulldog. Kurz vorm Scheunentor hat er in seiner Not ,Brrr' geschrien. Doch da war's schon zu spät . . ."

    Und die Höfe waren ärmlich. Durch die fränkische Realteilung hatten manche nur sechs bis zehn Hektar. 15 waren schon viel. Mit bis zu drei Kühen ernährte sich die Familie selbst. Für einige war das Milchgeld die einzige Einnahmequelle. Ein Job bei Preh in Arnstein oder als Hilfsarbeiter auf dem Bau brachte plötzlich ein paar hundert Mark ins Haus – Geld, das oft wieder in die Landwirtschaft gesteckt wurde.

    "Es gibt mehr Rivalität, der Pachtmarkt ist umkämpft."
    Biolandwirt Helmut Rüth

    In der Gegend von Marktheidenfeld hatten in den 1970er Jahren auch schon etliche Bauern aufgegeben, weil es viele Arbeitsplätze in der Industrie gab. Der Raum Arnstein folgte später. Die Spezialisierung zog sich über die 1970er und 1980er Jahre hin. Der eine konzentrierte sich auf Kühe, der andere auf Schweine oder Hühner, und da gab es wieder Schwerpunkte wie Zucht oder Mast, der nächste auf Ackerbau.

    60 bis 80 Hektar waren inzwischen für einen überlebensfähigen Hof nötig. Das Futter wurde noch selbst erzeugt. Und um 1980 herum konnte ein Hof mit 20 Milchkühen wirtschaften. Heute sind es 70 und mehr. Für die entsprechend großen Ställe sind Investitionen in Millionenhöhe erforderlich.

    Rivalität auf dem Pachtmarkt

    Die Konzentration auf riesige Flächen bringe Konkurrenzdenken mit sich, sagt Rüth. Schließlich geht es auch darum, möglichst wirtschaftlich zusammenhängende Flächen zu pachten. "Es gibt mehr Rivalität, der Pachtmarkt ist umkämpft." Wer heute 250 Hektar bewirtschaftet, dem gehören vielleicht zehn Prozent davon selbst. Einst wurde die Pacht nach dem Preis für die Feldfrüchte berechnet, zum Beispiel gab es umgerechnet drei Zentner Gerste pro Morgen. War der Gerstepreis hoch, so profitierte auch der Verpächter.

    "Früher haben die Bauern zusammengeschafft und sich gegenseitig unterstützt", blickt Helmut Rüth zurück. Wenn beispielsweise eine Kuh gekalbt hat, war der Nachbar zu Stelle und hat geholfen. Die heimischen Bauern haben früher die Hecken gepflegt und Gräben ausgeputzt und sich so um die heimische Flur gekümmert. "Da lief viel, ohne dass Rechnungen gestellt wurden. Das ist heute nicht mehr zu erwarten, wenn einer von auswärts einen Acker pachtet."

    Satellitensteuerung

    Ein nächster großer Schritt beim Strukturwandel in der Landwirtschaft zeichne sich mit dem Einzug der Digitalisierung ab. Alles soll vernetzt sein, die Maschinen arbeiten mit Satellitensteuerung. Alles steuere auf eine industrielle Landwirtschaft zu. Einen Ausweg aus dem stetigen Größerwerden sieht Rüth für kleine und mittlere Betriebe in der Umstellung auf Ökolandbau.

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