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    Steinfeld

    Trockenheit: Jetzt sterben in Steinfeld auch die Buchen

    In der Mitte eine abgestorbene und eine geschädigte Buche im Steinfelder Gemeindewald, daneben stehen gesund aussehende Eichen. Foto: Björn Kohlhepp

    Steinfelds Gemeindeförster Martin Volkmann-Gebhardt ist ratlos. Jahrzehntelang haben er und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten privaten Waldbesitzern gesagt, sie sollen von der Fichte weg und auf die Buche setzen. Die Buche ist schließlich hier schon immer heimisch und schon seit Jahrtausenden die vorherrschende Baumart. Aber durch das zweite extrem trockene Jahr in Folge sterben in Steinfeld jetzt auch die Buchen ab. Sogar Bäume mit einem Durchmesser von 60, 70 Zentimetern sind dieses Jahr schon eingegangen.  "Wir sind nicht darauf vorbereitet", sagt der Förster. Die Fichte hat er inzwischen ganz abgeschrieben.

    Ja ist denn jetzt schon Herbst?

    An der Verbindungsstraße zwischen Waldzell und Steinfeld kann man jetzt schon herbstlich aussehende Buchen, deren Blätter ein sattes Gelb haben, sehen. "Viele sehen so herbstlich aus, dass man nicht weiß, was passiert", sagt Volkmann-Gebhardt. Im Grunde seien die Bäume zwei Monate zu früh dran. Sie könnten mit welken Blättern keine Nährstoffe mehr einlagern. "Die gehen total ausgehungert in die Winterpause." Bei einem weiteren trockenen Jahr fürchtet er Schlimmes. Zumal der Borkenkäfer mittlerweile auch die geschwächten Buchen befalle, was nie jemand für möglich gehalten hätte.

    Herbstlich aussehende, durch Trockenheit geschädigte Buchen an der Straße zwischen Waldzell und Steinfeld. Foto: Björn Kohlhepp

    Andere Buchen sind schon abgestorben, haben sämtliche Blätter verloren. Gleich neben der Hütte der Steinfelder Waldarbeiter stehen ein paar tote Buchen in verschiedenen Größen. Daneben stehen welche, deren Krone immerhin noch teilweise grün ist. Was auffällt: Drum herum stehende Eichen sehen gesund aus, was wohl an der Pfahlwurzel liegt, die es der Baumart erlaubt, sich aus größeren Tiefen mit zu versorgen. Auf dem Waldboden wachsen derzeit viele junge Eichen nach. Aber die seien die "Lieblingsspeise" der Rehe. Die Steinfelder Waldarbeiter zäunen deshalb auch Waldflächen ein und kümmern sich um den Erhalt bestehender Zäune.

    Weniger Regen als in der Sahel-Zone

    In der Region regne es viel zu wenig, besonders auf der Fränkischen Platte. Es gebe hier mittlerweile gar weniger Niederschläge als in der Sahelzone, so der Förster. Er habe seine Diplomarbeit in Mali geschrieben, dort regne es immerhin 500 Milliliter im Jahr, wenn auch auf zwei Regenzeiten beschränkt.

    Steinfelds Gemeindeförster Martin Volkmann-Gebhardt schaut zu, wie eine Entrindungsmaschine Fichtenstämme entrindet. Foto: Björn Kohlhepp

    Derweil läuft im Steinfelder Gemeindewald die Aufarbeitung der bereits gefällten, abgestorbenen Fichten. Teils hat ihnen der Borkenkäfer den Garaus gemacht, teils die Trockenheit, oft wahrscheinlich beides. Seit Juli vergangenen Jahres seien die Waldarbeiter der Gemeinde schon damit beschäftigt, tote und befalle Fichten umzulegen, vor allem um die Verbreitung des Borkenkäfers einzudämmen. 2500 Festmeter Fichte wurden bereits abgeholzt. Pro Tag etwa einen Lastwagen voll. Doch es ist offenbar ein Kampf gegen Windmühlen.

    Ein Teil der Stämme geht, auf Containerlänge geschnitten, nach China. Allerdings sind die Chinesen auch wählerisch. Fichten, die in der Mitte nicht mindestens 27 Zentimeter Durchmesser haben, wollen sie nicht. Deswegen hat Volkmann-Gebhardt vor ein paar Wochen, als die Borkenkäfer anfingen liegende Stämme zu befallen, rund 600 Festmeter Fichtenstämme aus dem Wald transportieren und in ein Kiefern-Waldstück bei Waldzell ablegen lassen. Im Kiefernwald, so die Hoffnung, können die Borkenkäfer keinen Schaden anrichten. Einen Teil der Stämme konnte der Förster verkaufen, unter anderem 40 Stämme an eine Firma in Steinfeld, die daraus das Dach einer Halle zimmern will.

    "Wir sind nicht darauf vorbereitet."
    Steinfelds Förster Martin Volkmann-Gebhardt über absterbende Buchen

    Drei Monate lang war keine Entrindungsmaschine zu bekommen. Am Dienstag kam endlich Johann Feulner aus Frensdorf bei Bamberg mit einem solchen museal wirkenden Gefährt nach Steinfeld, um die übrigen Fichtenstämme im Kiefernwald zu entrinden. Auf mehrere Polter verteilt lagen noch etwa 250 Festmeter herum. Doch es gab ein Problem: Die Stämme waren so trocken, dass die Maschine sie nicht gescheit entrinden konnte. Volkmann-Gebhardt entschied, dass es besser sei als nichts. 6,50 Euro pro Festmeter kostet der Einsatz. Bleibe die Rinde dran, werde der Baum irgendwann wertlos. Die geschälten Bäume sollen im Wald bleiben, weil sie sonst durch starke Sonneneinstrahlung aufreißen könnten.

    Entrinder Feulner wollte danach weiter in den Taunus, dann unter anderem nach Lohr und Rieneck. Er war auch schon bei Kassel und in Rotenburg an der Fulda im Einsatz mit seiner Maschine und ist sich sicher: "Da ist Ende des Jahre keine Fichte mehr da." Die Trockenheit ist schuld.

    "Da ist Ende des Jahre keine Fichte mehr da."
    Entrinder Johann Feulner über die Situation in Hessen

    Was wird jetzt aus den toten Fichten und Buchen in Steinfeld? Derzeit ist der Fichteneinschlag unterbrochen, die Waldarbeiter pflegen Zäune und schneiden Brombeergebüsch im Wald heraus, damit die kleinen Bäumchen eine Chance haben. Die Fichte habe er aufgegeben, gegen die Borkenkäfer und die Trockenheit komme man nicht an, sagt Volkmann-Gebhardt. Abgestorbene Buchen lasse er als Biotopbäume stehen, dafür gebe es immerhin eine Förderung. Einzelne Bäume aus dem Wald zu holen, würde sich ohnehin nicht rentieren.

    Eigentlich sollte die Buche die Fichte ersetzen. Was jetzt? Im Thüringer Wald seien dieses Jahr schon 100 000 bis 200 000 Festmeter Buchen abgestorben. Er wisse jetzt auch erst einmal nicht weiter, sagt der Förster. Neben der Eiche seien etwa die Robinie und die Elsbeere Bäume für die Zukunft.

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