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    Karlstadt

    Trotz mancher Bauprojekte: In MSP mangelt es an Sozialwohnungen

    Symbolbild Sozialer Wohnungsbau Foto: Bernd von Jutrczenka

    Die seit drei Jahren bestehende soziale Wohnungsbörse "Fair-Mieten" des Caritasverbandes Main-Spessart verursacht im Jahr 2020 voraussichtlich Gesamtkosten von rund 37 800 Euro; davon entfallen 33 000 Euro auf die Personalkosten, der Rest auf Sachkosten. In seiner Sitzung am Montag beschloss  der Kreistagsausschuss für gesellschaftliche Entwicklung, dass der Landkreis Main-Spessart im kommenden Jahr knapp 32 000 der Personalkosten und damit den Löwenanteil übernehmen wird.

    Zuvor hatte die bei der Caritas für das "Fair-Mieten"-Projekt zuständige Yasemin Roth einen tiefen Einblick in ihre Arbeit gegeben. Demnach geht es bei "Fair-Mieten" um die Vermittlung geeigneten Wohnraums an Menschen im Sozialleistungsbezug sowie die Sensibilisierung potenzieller Vermieter für dieses Thema. Indem sie auf einige Schicksale näher einging,  ermöglichte Roth den Kreisräten, sich eine Vorstellung von der Not zu machen, in der sich ihre Klienten teilweise befinden.

    "Papierkram" wird von Projektleiterin übernommen

    Insgesamt konnten ihren Worten nach in den vergangenen drei Jahren 141 Personen, davon 71 Kinder, in Häuser und Wohnungen vermittelt werden; 16 Vermittlungen seien gemeinsam mit Ehrenamtlichen bewältigt worden. Roth betonte, dass sie auch nach erfolgter Vermittlung Anlaufstelle für Mieter und Vermieter sei und den "Papierkram" mit den Behörden übernehme, was von Vermieterseite auch dankbar angenommen werde.

    Roth berichtete von verschiedenen positiven Erlebnissen im Rahmen ihrer Arbeit, machte aber auch auf Hindernisse aufmerksam. In diesem Zusammenhang nannte sie unter anderem zu hohe Erwartungen der Mieter an zukünftige Wohnungen, Vorbehalte der Vermieter gegenüber Menschen im Leistungsbezug und bürokratische Hürden; zudem seien zu wenige Sozialwohnungen vorhanden.

    "Machen Sie weiter so", lobte Marktheidenfelds Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder (FW) Roths Engagement. Auch die Stadt Marktheidenfeld habe die Problematik erkannt und baue derzeit 25 Sozialwohnungen, sagte sie. "Ganz toll", meinte auch Jürgen Neuwirth (SPD) mit Blick auf Roths Arbeit. Richard Krebs (CSU) gab zu bedenken, dass die Ansprüche der Mieter oft hoch und Wohnungen mit Holzheizung gar nicht gefragt seien. Dem hielt Roth entgegen, dass eine Zentralheizung heute Standard sei.

    Unterstützung für die "Helfende Hand"

    Wie von Monika Rothagen von der Fachstelle für allgemeine Seniorenarbeit vorgeschlagen, beschloss der Ausschuss für gesellschaftliche Entwicklung, dass der Landkreis die Nachbarschaftshilfe "Helfende Hand" der Gemeinde Mittelsinn mit 1000 Euro unterstützen soll; das Geld ist für Büroausstattung vorgesehen. Zurückgestellt wurde hingegen der Antrag der Initiative "regionale Versorgung Main-Werntal", die eine Direktvermarktungsplattform mit Seniorenversorgung aufbauen möchte; hier soll nach möglicher Fortentwicklung des Projekts im kommenden Jahr über eine Förderung entschieden werden.

    Zustimmung gab es zur geplanten Anpassung der Angemessenheitsgrenzen der Kosten für Unterkunft (abstrakte Mietobergrenzen) im Landkreis Main-Spessart ab 1. Januar 2020. Somit liegt die Angemessenheitsgrenze für eine 65 Quadratmeter große Wohnung in Lohr, der einzigen Kommune im Landkreis mit Mietenstufe II, künftig bei 508 Euro (bisher 468 Euro). In den anderen Städten und Gemeinden liegt die Angemessenheitsgrenze für eine vergleichbare Wohnung künftig bei 450 Euro (bisher 416 Euro). Dass nach diesem Modell die Angemessenheitsgrenze in Marktheidenfeld niedriger ist als in Lohr erschien einigen Kreisräten unrealistisch. Dies sah auch Landrat Thomas Schiebel (FW) so, allerdings habe der Landkreis auf die jeweilige Einstufung keinen Einfluss.

    Laut Florian Atzmüller, Leiter des Amts für soziale Angelegenheiten und Senioren, muss der Landkreis durch die Anpassung mit insgesamt rund 190 000 Euro an zusätzlichen Kosten im Jahr rechnen; hinzu kämen weitere 10 000 Euro jährlich bei der Hilfe zum Lebensunterhalt (Heizkosten).

    Aktuell 56 Sozialwohnungen im Landkreis, davon 41 in Marktheidenfeld

    Ferner gab Atzmüller dem Ausschuss für gesellschaftliche Entwicklung einen Überblick über den Bestand an Sozialwohnungen. Demnach gibt es im Landkreis derzeit 56 Sozialwohnungen. Sie befinden sich in Marktheidenfeld (41), Zellingen (8) und Neuendorf (7).

    Der Bau weiterer Sozialwohnungen sei geplant in Marktheidenfeld (28), wobei die Stadt 25 Wohnungen schaffen wolle und die Regierung von Unterfranken drei. Außerdem plane die Stadt Karlstadt ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen zu errichten, der Markt Frammersbach beabsichtige, ein gemeindliches Wohnhaus zu sanieren und dann für anerkannte Flüchtlinge zu verwenden.

    Wohnungen mit Belegungsbindung gibt es laut Atzmüller derzeit 488 im Landkreis. Sie sind zu finden in Lohr (165, davon 43 im Bau beziehungsweise in Modernisierung), Gemünden (121), Marktheidenfeld (120), Karlstadt (56), Zellingen (17) und Arnstein (neun, davon acht im Bau).

    Einen Zwischenbericht zur Aktualisierung der Pflegebedarfsplanung und zur Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts für den Landkreis Main-Spessart gab Monika Rothagen ab.

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