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    Marktheidenfeld

    Über 1000 Pflegekräfte ausgebildet

    Einblick in die Welt der Pflegeberufe nahmen am Samstag zahlreiche Besucher im Bildungszentrum für Pflegeberufe Marktheidenfeld, das sein 30-jähriges Bestehen feierte. Foto: Wolfgang Dehm

    Das Bildungszentrum für Pflegeberufe in Marktheidenfeld feierte am Samstag sein 30-jähriges Bestehen. Am Nachmittag nutzten zahlreiche Besucher die Möglichkeit, sich an Infoständen, Experten-Tischen und bei Mitmach-Aktionen Einblicke in das Bildungszentrum und den Alltag der Mitarbeiter und Schüler zu verschaffen.

    So konnte man beispielsweise im Raum der Sinne unter Anleitung der Schüler einen Alterssimulationsanzug ausprobieren und erleben, wie das alltägliche Leben im Alter sich anfühlt. Aber auch andere wichtige Themen wie Erste Hilfe oder Mobilisation und Lagerung von Pflegebedürftigen wurden anschaulich erklärt.

    Auch ein "Museum der Erinnerung" war aufgebaut. Foto: Wolfgang Dehm

    Ein Job-Speed-Dating half herauszufinden, ob ein Job in der Pflege für einen selbst in Frage kommt und beim Bewerbungsmappen-Check standen Experten mit Rat und Tat zur Seite. Ferner gab es einen Rollstuhlparcours, ein Museum der Erinnerung, Einblicke in die Aromatherapie und vieles mehr. Zur Stärkung zwischendurch wurden Kaffee und Kuchen angeboten und auch eine Mocktail-Oase war vorhanden.

    Immer wieder neuen Herausforderungen gestellt

    Der Festakt am frühen Abend fand im benachbarten Speisesaal des Kreiskrankenhauses statt. Das Bildungszentrum für Pflegeberufe, das sich in den vergangenen 30 Jahren immer wieder neuen Herausforderungen habe stellen müssen, habe in dieser Zeit ein eigenes Profil, einen eigenen Geist entwickelt, betonte Landrat Thomas Schiebel in seiner Festansprache. Ziel dieser Schule sei es von Anfang an gewesen, die Schüler "ganzheitlich zu fördern und fordern".

    Die Vielseitigkeit und Möglichkeiten der Aromatherapie wurden an dieser Station aufgezeigt. Foto: Wolfgang Dehm

    Mit Blick auf die etwas schwierigen Anfänge machte Schiebel deutlich, dass er froh sei, heute eine solche Einrichtung im Landkreis zu haben. Seinen Worten nach hatte sein Amtsvorgänger, der im Publikum sitzende Altlandrat Armin Grein, Mitte der 1980er Jahre einen aufkommenden Pflegenotstand erkannt. Grein habe sich deshalb für die Installation einer Pflegeschule eingesetzt, allerdings sei die Genehmigung verweigert worden, so dass der Landkreis Main-Spessart als Träger habe einspringen müssen. Im Oktober 1989 wurde laut Schiebel in Marktheidenfeld die Berufsfachschule für Krankenpflege eröffnet.

    Das Bildungszentrum wurde eine Erfolgsgeschichte

    Bereits im Jahr 1992 sei die Berufsfachschule für Altenpflege hinzugekommen, im Jahr 2010 dann die Berufsfachschule für Altenpflegehilfe. Dass das Bildungszentrum für Pflegeberufe "eine Erfolgsgeschichte" sei, sehe man unter anderem daran, dass dort in diesem Jahr insgesamt 136 Schüler ausgebildet würden; ursprünglich sei die Schule für 60 bis 70 Plätze ausgelegt worden.

    Eines der Angebote war das Job-Speed-Dating, das half, herauszufinden, ob ein Job in der Pflege für einen selbst in Frage kommt. Foto: Wolfgang Dehm

    Der Standort der Schule neben dem Kreiskrankenhaus in Marktheidenfeld sei nach wie vor "der geeignete Ort", sagte Schiebel. Auch nach der Fertigstellung des Zentralklinikums in Lohr halte er den Standort immer noch für ideal, da das Zentrum für Altersmedizin in Marktheidenfeld bleibe.

    Etwas skeptisch schaute Schiebel ins kommende Jahr, das mit einer generalistischen Ausbildung in der Pflege größere Veränderungen bringen werde. Ob es durch diese neu gestaltete Ausbildung, die die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege verbindet, tatsächlich zu Verbesserungen kommen werde, bleibe abzuwarten. Indes zeigte sich der Landrat zuversichtlich, dass das Bildungszentrum für Pflegeberufe in eine gute Zukunft gehen werde.

    Viele Vorurteile über Pflegeberuf sind falsch

    Dessen Leiterin, Daniela Hünlein, sagte, dass Pflegekräfte keine Handlanger der Ärzte seien. Zusammen mit fünf Pflegeschülern machte sie deutlich, dass viele Vorurteile über den Pflegeberuf, angefangen von schlechter Bezahlung bis hin zu nervender Schichtarbeit, nicht stimmten. Greins Engagement in den 1980er Jahren für die Einrichtung einer Pflegeschule im Landkreis bezeichnete sie als "sehr vorausschauend"; sie selbst sei "ein Kind dieser Schule", an der in den vergangenen 30 Jahren mehr als 1000 Pflegekräfte ausgebildet worden seien.

    Einblick in die Welt der Pflegeberufe nahmen am Samstag zahlreiche Besucher im Bildungszentrum für Pflegeberufe Marktheidenfeld, das sein 30-jähriges Bestehen feierte. Foto: Wolfgang Dehm

    Laut Gabriele Frings, Pflegedirektorin des Klinikums Main-Spessart, bietet das Bildungszentrum für Pflegeberufe mit seinen drei Schulen ein breites Spektrum an Ausbildung. Rainer Schuà von der Regierung von Unterfranken unterstrich die Bedeutung der Pflegeberufe; seinen Worten nach werden bis 2030 rund 300 000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen. Wie Schiebel war auch er nicht überzeugt davon, dass die generalisierte Pflegeausbildung unbedingt "zum Guten führt".

    Unabhängig davon sah Norbert Kornder, ebenfalls von der Regierung von Unterfranken, das Bildungszentrum für Pflegeberufe in Marktheidenfeld "gut aufgestellt". Der Landkreis könne stolz darauf sein, dieses Zentrum zu haben.

    Für die musikalische Untermalung des Festakts sorgte die Harfenistin Elena Wahl.

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