• aktualisiert:

    MÜHLBACH

    Über Tücken und Macken im Alter

    Filmszene: „Quartett“ heißt die Vhs-Auslese im Kino.
    Filmszene: „Quartett“ heißt die Vhs-Auslese im Kino. Foto: Filmverleih

    Die Burg-Lichtspiele Mühlbach zeigen den Film „Quartett“ in der Vhs-Filmauslese am Sonntag 11.15 Uhr, Montag, Dienstag und Mittwoch 20 Uhr.

    Die Angst zu versagen, nicht mehr an alte Leistungen anknüpfen zu können, und sich selbst und andere zu enttäuschen, spielt im Leben alternder Künstler oft eine große Rolle. Dass man diese Ängste aber auch überwinden kann und dass es nie zu spät ist, um noch etwas Neues auszuprobieren, zeigt der 75-jährige Hollywoodstar Dustin Hoffman mit und in seinem Regiedebüt „Quartett“ sehr überzeugend.

    Basierend auf einem Theaterstück von Ronald Harwood, der auch das Drehbuch verfasste, gelang dem zweifachen Oscar-Preisträger eine liebevoll-sentimentale Komödie, für die er auf der Weltpremiere des Films auf dem Internationalen Filmfestival von Toronto mit Stehendem Applaus gefeiert wurde.

    Schauplatz des Geschehens ist Beecham House, eine exklusive Senioren-Residenz für ehemalige Orchestermusiker, Sänger und Operndiven, ähnlich der berühmten, einst von Verdi in Mailand gegründeten „Casa Verdi“. Hier genießen der introvertierte Reginald, die schon leicht verwirrte Cissy und der Schwerenöter Wilfred ihren Lebensabend. Doch die Ankunft der einstigen Primadonna Jean, Reginalds Ex-Gattin, reißt alte Wunden auf und wirbelt die beschauliche Ruhe gehörig durcheinander.

    Ein Benefiz-Konzert soll den finanziellen Fortbestand des Hauses sichern. Als Höhepunkt des Abends wird das legendäre Rigoletto-Quartett „Bella figlia dell'amore“ angekündigt. Allerdings ist es höchst fraglich, ob die Aufführung stattfinden kann, denn Jean hat nicht nur panische Angst, sich mit einer Stimme dem Publikum zu präsentieren, die an ihre Glanzzeiten nicht mehr heranreicht, sondern die Diva hat auch mit ihrem Ex Reginald noch ein paar Rechnungen offen.

    Nach dem Motto ,,Altwerden ist nichts für Feiglinge" erzählt Hoffman ohne Hektik und mit Augenzwinkern von den Eitelkeiten, Macken und Rivalitäten seiner Protagonisten und blickt liebevoll auf die Mühen des Alters. Wenngleich Hoffmans Debütfilm gegen Ende auch etwas an Biss verliert, so lässt ihn die perfekte Balance zwischen humorvollen Szenen, nachdenklichen Momenten, allerlei musikalischen Ohrwürmern und einem sanften Hauch von 'Traumfabrik', allemal den richtigen Ton treffen.

    Abgerundet wird dieses ansprechende Regiedebüt von einem spielfreudigen Darstellerquartett, das sich mit Verve, Kauzigkeit und britischem Humor in seine Altersrollen stürzt. Die zweifache Oscar-Preisträgerin Maggie Smith als starrköpfige Jean und Tom Courtenay als sensibler Grantler Reginald agieren ebenso in Hochform wie Pauline Collins als zerstreute Cissy und Billy Conolly als in die Jahre gekommener Charmeur Wilfred.

    Fazit: Unterhaltsame Charme- Offensive lebenslustiger Unruheständler, nicht ohne Tiefgang.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Main-Spessart-Newsletter!

    cdo

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!